Plauener wollen in den Knast

Es mögen an die 300 Leute gewesen sein, die am Sonntag dem "Knast" einen Besuch abstatten wollten. Zum Tag des Denkmals nahmen Plauener und Gäste die Einladung an, in den Gängen und Zellen der JVA die Atmosphäre des Geheimnisvollen zu erleben.

Plauen - Der Tag des offenen Denkmals begann für die Interessierten, die vor der ehemaligen JVA standen, mit einer Enttäuschung. Alle wollten pünktlich rein, allein der Verantwortliche für die Führung kam nicht. Eine Stunde Wartezeit, zunehmende Ungeduld und manches Schimpfen war zu vernehmen. Bis denn Klaus Vetter, der Experte und einer der ehemaligen, langjährigen Justizvollzugsbeamten, endlich zur Tür am Amtsberg herauskam und die erste offizielle Führung begann - zuvor führte er noch eine kleine Gruppe, die ihn vorab telefonisch "reserviert hatte. Endlich öffnete sich die kleine blaue Tür, danach folgten Durchgänge und Treppenaufgänge und die Welt eines Mikrokosmos öffnete sich, in dem es Zellen und Gitter und Geländer und Lichthöfe und andere Räumlichkeiten gibt. Da also waren bis 1989 über 300 pro Jahr und nach der Wende um die 200 Menschen pro Jahr inhaftiert.

Um die 70 Angestellte vor und um einige mehr nach 1989 kümmerten sich um den Vollzug. Die Besucher zeigten sich beeindruckt, sie hatten schlichte Gründe, das ehrwürdige zu besuchen. "Vor seinem Abriss wollte ich das Gefängnis endlich mal von innen sehen. Es ist ein Teil Plauens, ich bin so oft vorbeigelaufen. Interessant zu sehen, wie das hier so abgelaufen ist", sagte Bettina Roth.

"Wenn nun statt eines Gefängnisses ein Campus herkommen soll, dann klingt das gut. Ich hoffe, dass die erhaltenen historischen Bestandteile des Geländes mit einbezogen werden", so die Plauenerin. Auch Rainer Vollstädt hatte sich den Sonntagvormittag frei genommen, um das Gefängnis zu besuchen. "Ich fände es schön wenn es gelänge, die alten Gebäude, die nicht abgetragen werden, und die neuen gut zu verbinden." Und die Plauenerin Katalin Szabo bemerkte: "Es hat schon was Besonderes. Man weiß ja nicht, wie es hinter den Mauern und Gittern aussieht. Ich bin so oft hier vorbei gelaufen und wollte einfach mal sehen, was sich dahinter verbirgt." fb