Plauener Trausaal ist in die Jahre gekommen

Plauen - Der Trausaal im Alten Rathaus von Plauen soll saniert werden. Die letzte umfangreiche Restaurierung des historischen Raumes war 1954.

 

Nicht nur Ehen kommen gelegentlich in die Jahre, sondern auch die Orte, an denen sie geschlossen werden. Der ehrwürdige Trausaal im Alten Rathaus in Plauen ist so ein Fall. Die Stadt Plauen hat deswegen beschlossen, dem Raum eine Auffrischung zu verpassen.

 Im September sollen die Restauratoren mit ihrer Arbeit beginnen. Der Trausaal gehört zu den historisch wertvollsten Bereichen im Alten Rathauses, das als eines der schönsten in ganz Mitteldeutschland gilt. Im Jahr 1382 wurde es erstmals urkundlich erwähnt. Den Weg in die Ehe können Paare hier seit fast 90 Jahren gehen. Die erste Trauung fand hier nach Angaben der Stadt am 28. April 1923 statt. Zuvor wurde der Raum von den Ratsherren genutzt.

 Die eindrucksvolle Holzdecke des Trausaalraumes ist eine der ältesten noch bestehenden Decken in dieser Form überhaupt, sagt Jana Eichler von der Gebäude- und Anlagenverwaltung Plauen (GAV). Sie ist für den Ablauf und die Koordinierung der umfangreichen Restaurierung für rund 260 000 Euro verantwortlich. Die reine Holzdecke mit unterschiedlichen Einkerbungen sei stark mitgenommen. Zum letzten Mal ist sie Mitte der 1950er Jahre instandgesetzt worden, so Eichler. "Wer genau hinschaut, sieht die Mängel." Auch der Fußboden sei verschlissen. Er soll vollständig herausgenommen und neu aufgebaut werden. Saniert werden außerdem auch die Fenster, erzählt Eichler.

 Die aufwendige Restaurierung erfolgt in enger Abstimmung mit den zuständigen Denkmalschützern. Wie der Saal genau nach der Sanierung aussehen wird, könne derzeit noch nicht gesagt werden, meint die Expertin. "Das ist relativ." Der Restauratorische Befund würde darüber entscheiden, welche Fassung wieder umgesetzt werden soll. Eichler könnte sich vorstellen, dass sich die Denkmalfachleute auf eine barocke Fassung aus dem 16. Jahrhunderts verständigen könnten. Eine Entscheidung solle noch im März fallen. Die Decke sei seit dem 16. Jahrhundert unzählige Male überarbeitet und bemalt worden. Es gibt viele verschiedene bekannte Motive. Ursprünglich war es eine einfache und farblose Holzdecke. Auch ganz glatt sei die Decke schon gewesen.

 Derzeit untersuchen mehrere Denkmalschutzexperten den gesamten Trausaal und nehmen Proben von Bohrungen. An einer Stelle wurde zudem versucht, herauszubekommen, wie viele einzelne Farbschichten sich an den Wänden befinden. Bis zu elf Farbanstriche sind gezählt worden. Hochzeitspaare können sich während der Arbeiten nur im Vogtlandmuseum oder in einem alten Traditionswagen der Plauener Straßenbahn das Jawort geben.