Plauener Torjäger weint vor Glück

 Spektakulär! Dieser Mann ist mit 20 Jahren zum SC Wismut Karl-Marx-Stadt gegangen und hat für den in Aue angesiedelten Verein im Europapokal gegen Rapid Wien gleich ein Tor geschossen. Werner Bamberger aber wollte schon nach anderthalb Jahren wieder heim. "Plauen ist mein zu Hause. Die Sportfunktionäre aus der Bezirkshauptstadt haben sonst wohin Briefe geschrieben, um mich zum Bleiben zu bewegen. Aber ich habe als 21-Jähriger sogar die Strafversetzung in den Bergbau in Kauf genommen, nur um wieder mit meinen Freunden zusammen Fußball spielen zu können." Genau dieser Augenblick war die Geburtsstunde der großen Plauener Erfolgsgeschichte.


Alle nachfolgenden Generationen haben von jener spitzenstädtischen Wiederauferstehung profitiert. Denn in Plauen gab es einige große Talente, die zusammenblieben und 1964 über 13.000 Zuschauer ins Vogtlandstadion lockten. So erklärt sich die große Verbundenheit. Plauen ist genau deshalb eine Zuschauerhochburg.


Jetzt, an diesem Wochenende, hat Werner Bamberger im kleinen Kreis seinen 80. Geburtstag gefeiert. In der Sternquell-Gaststätte Tennera durfte der Jubilar eine der größten Freuden seines spektakulären Lebens in Empfang nehmen!
Coronabedingt reduzierte Werner Bamberger die Zahl der Feiergäste. Überraschungen waren eigentlich ausgeschlossen. Doch dann öffnete sich die Tür zu fortgeschrittener Stunde und die Vereinsspitze des VFC Plauen stand mit einer riesengroßen Erinnerungscollage im Raum. Präsident Thomas Fritzlar lud einen "der größten Plauener Fußballer aller Zeiten, seine Familie und seine Kameraden herzlich ein zum nächsten Punktspiel am kommenden Samstag. Dann wollen wir alle um 12.45 Uhr gemeinsam diesen großartigen Sportler vor dem Punktekampf gegen Zorbau würdigen!" Vorstand Petra Dick und Pressesprecher Volker Herold gratulierten ebenso auf das Herzlichste. Und Werner Bamberger sagte mit Tränen in den Augen Worte, die ganz viele Oldies gerne hören werden: "Beim VFC hat sich was geändert. Ich war schon vor drei Wochen überrascht, als eine Abordnung inklusive Zeitungsreporter bei mir zu Hause drei Stunden verbrachte."
Am Samstag gab es einen perfekten Abend. "Weil meine ganze Familie und meine Fußballkameraden bei mir sind", schluchzte Werner. Er hat später wirklich geweint vor Glück! Das Fußballidol hat in den 1950er- bis 1970er-Jahren die Massen elektrisiert. Ob Rotation, Wismut und Motor Wema Plauen. Tausende Fans pilgerten zu den Spielen. "Und montags standen ganz viele Sachkundige vor dem Schaukasten am Tunnel, um die Berichte zu studieren beziehungsweise über das letzte Spiel zu diskutieren", berichtet der gelernte Wema-Schlosser, der im Fernstudium Ingenieur für Umformtechnik wurde und später auch noch Ingenieur für Pädagogik wurde. Werner ist ein harter Hund, der zugleich unfassbar sensibel sein kann. Ganz streng zu sich selbst und strebsam.


Viel Liebe schenkte er seiner Frau Reinhild, seinen Kindern und seinen Enkelkindern. Dabei hat dieser Mann auf dem Fußballplatz einen Killerinstinkt entwickelt, der ihn zum Gejagten machte. Berichterstatter Rainer Taubald stellt rückblickend fest: "Neben Spielintelligenz, Kämpferherz und Teamgeist begeisterte der Mannschaftskapitän mit Toren." Und sein Trainer Walter Jacob erinnert sich so: "Werner traf urplötzlich aus der Drehung oder aus 30 Metern. Meist unhaltbar waren seine Kopfbälle."


Seinem Ausflug in die Fremde bezeichnet Werner übrigens als Fehler. Der Europapokaltorschütze stürmte ab 1962 wieder für Wismut Plauen, obwohl er wegen seines Rückzuges ein halbes Jahr lang unter Tage in 600 Metern Tiefe im Bergbau Zobes arbeiten musste. Werner war das alles egal. Nach dem bitteren Abstieg 1963 gelang Motor Wema der sofortige Wiederaufstieg in die zweithöchste Spielklasse. Jetzt fand Plauen wieder überregional statt. Neun Jahre spielte Motor Wema in der DDR-Liga. Werner Bamberger war acht Jahre Plauener Torschützenkönig und er erzielte 113 Treffer in 240 Ligaspielen. Später kickte Werner mit den Oldies und seinem heute 81-jährigen Bruder Heinz "Heini" Bamberger weiter. Mit 70 beendete er seine aktive Laufbahn. Was viele nicht wissen: Werner Bamberger arbeitete nicht nur als Nachwuchs- und Männertrainer der SG Stahlbau Plauen. Als Lehrmeister in einer Behindertenwerkstatt betreute er zehn Jahre die Kicker der Lebenshilfe. Werner hat übrigens eine Botschaft an alle VFC-Fans und alle Freunde des Fußballs in der Spitzenstadt: "Das Plauen-Gefühl ist etwas ganz besonderes. Nehmt es auf, nehmt es mit und seid stolz auf eure Stadt. Nur wer einig ist, kann etwas Großes bewegen!" kare