Plauener Stahl-Profis kennen keine Kurzarbeit

Plauen - Wie beispielhaft die weltweite Wirtschaftskrise gemeistert werden kann, macht die Richard Köstner AG mit ihrem Stahlzentrum im Plauener Gewerbegebiet Zellwolle eindrucksvoll vor. Zu Recht ist Vorstandschef Norbert Teltschik stolz auf seine Mitarbeiter, wie er im Gespräch mit Vogtland-Anzeiger erzählt.

 

Das Unternehmen liefert Stahl für die verschiedensten Bauprojekte. Im Jahr 2002 übernahm der mittelfränkische Familienbetrieb mit Hauptsitz in Neustadt/Aisch den Standort nach einer Insolvenz des damaligen Stahlunternehmens. Köstner rettete rund 50 Arbeitsplätze. Inzwischen sind daraus 70 Beschäftigte geworden, darunter befinden sich vier Auszubildende und lediglich vier Frauen. "Stahl ist Man-Power." Weitere Unternehmensstandorte sind in Diespeck, Ansbach, Nürnberg, Bamberg und Pößneck. Das Plauener Werk ist von der Fläche und den Mitarbeitern der größte Stahlstandort, so Teltschik. Insgesamt beschäftigt Köstner 300 Menschen.

Plauen sei der Stahl-Kompetenzstandort. Die Richard Köstner AG sieht sich als regionaler Partner der Wirtschaft. Von Plauen aus haben die Stahl-Experten ein großes Marktgebiet erschlossen. Geliefert wird von hier aus hauptsächlich nach Tschechien, Sachsen, Bayern und Thüringen. " Schön, dass das Material in der Region bleibt", meint Teltschik. Auf der Referenzliste stehen namenhafte Unternehmen wie MAN Roland, der Stahlbau Plauen, der Metall- und Stahlbau Weischlitz und Goldbeck Treuen. Traditionell werden aber auch unter anderem kleine Schlossereien beliefert. Teltschik nennt das Plauener Werk als "Platzhirsch". "Wir sehen uns traditionell verbunden mit Plauen."

Am Standort werden mit rund 25 Millionen Euro Jahresumsatz rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes der Gruppe erwirtschaftet. Mit dem abgesetzten Stahl im Jahr 2009 hätte beispielsweise fast vier Mal der Eiffelturm in Paris gebaut oder eine Wasserleitung mit einer Länge von 11 740 Kilometern verlegt werden können. Einer der herausragenden Aufträge sei das Kraftwerk Boxberg. Für das Braunkohlekraftwerk in der Oberlausitz haben die Plauener an allen Geländer mitgearbeitet. Rund 570 Tonnen Stahl wurden dafür benötigt. 2009 sei die Lage im Unternehmen durch die Finanzkrise "etwas schwierig" gewesen. In den letzten Monaten hat sich die Situation wieder etwas stabilisiert, so der Vorstandsvorsitzende. Trotzdem sei man in der Krise komplett ohne Kurzarbeit ausgekommen. Damit gehört das Unternehmen in der Region klar zu den Ausnahmen. 2009 beantragten allein im Vogtland zwischenzeitlich rund 400 Firmen Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit Plauen. Unternehmenschef Norbert Teltschik führt diesen positiven Faktor auf das Engagement seiner Mitarbeiter zurück. "Das hat sicher auch mit unseren Leuten zu tun." Einen Betriebsrat gibt es nicht. Das Betriebsklima sei gut. "Wir bemühen uns. Wenn es Probleme gibt, sind wir mit unseren Leuten im Gespräch." Einige Mitarbeiter haben fast ihr gesamtes Leben im Unternehmen verbracht, sagt Teltschik. "Von der Lehre bis zur Rente, das gibt es auch." Ein Problem sei der Fachkräftemangel. Zwar werde viel selbst ausgebildet, vor allem aber im EDV-Bereich ist das Defizit spürbar. Alle Azubis werden in der Regel übernommen.

Um die Zukunft des Werkes im Industriegebiet Zellwolle müsse man sich keine Sorgen machen. "Wir setzen ganz stark auf den Standort." Technisch sei man auf einem guten Stand. Mittelfristig werde auch ein Ausbau des Standortes ins Auge gefasst. "Schritt für Schritt." Konkrete Planungen gebe es aber noch nicht.

 

Service:

 

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Neustadt/Aisch ist 1934 mit drei Mitarbeitern gegründet worden. Seit 1959 erfolgte die schrittweise Vergrößerung. Im letzten Jahr konnte das 75-jährige Bestehen gefeiert werden. Köstner hat acht Standorte und wurde im Juni 2010 zum zweiten Mal nach 2007 mit dem Preis "Bayerns Best 50" von Wirtschaftsminister Martin Zeil geehrt. Die Auszeichnung geht an mittelständische Unternehmen, die sich als besonders wachstumsstark erwiesen haben und in den letzten Jahren die Zahl ihrer Mitarbeiter und ihren Umsatz überdurchschnittlich steigern konnten.

Von Martin Reißmann