Plauener Stadtgeschehen im Streiflicht

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Von Kindergarten über Stadtwerke bis hin zu Rathausfassade und Wirtschaft spannte Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer den Bogen bei seinem Rück- und Ausblick während des gestrigen Neujahrsempfangs.

Plauen - "Wir sind ein Wanderzirkus", sagte das Stadtoberhaupt in Anspielung auf die seit 2001 wechselnden Örtlichkeiten für den Empfang der Stadt zum Jahresauftakt. Für 2013 werde übrigens noch ein solches gastgebendes Haus für rund 400 Gäste gesucht. So viele etwa waren es auch gestern, die im Helios Vogtland-Klinikum in der im vergangenen Jahr neu eröffneten Cafeteria zunächst den Worten des Oberbürgermeisters lauschten und später vom Büfett, das die Klinikküche anrichtete, genüsslich probierten.

Im Zeitraffer durch 120 Jahre Krankenhausgeschichte nahm Geschäftsführer Marcus Sommer die Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur, von Institutionen, Kirchen und Verbänden mit, nannte die 100 Millionen Euro, die in den vergangenen zehn Jahren am Standort investiert wurden, um 2000 stationäre und 5000 ambulante Patienten monatlich optimal medizinisch zu versorgen. "Außer Herzchirurgie und Transplantationsmedizin werden in unserem Haus alle Fachbereiche auf hohem Niveau abgedeckt", versichert Sommer. Mit mehr als 1000 Beschäftigten, darunter 50 neue Mitarbeiter seit 2011 - "und ein Ende ist noch nicht in Sicht" - sei das Vogtland-Klinikum der größte Arbeitgeber der Stadt.

Größter industrieller Arbeitgeber war bis dato die Plamag. Doch von den 800 werden ab morgen nur noch rund 350 Arbeitsplätze erhalten bleiben - inklusive der 37 Konstrukteure für Augsburg und 45 Azubis - in der neuen Plamag GmbH Mechatronics. Oberdorfer sieht gute Chancen für den Betrieb, der auf Grund der Insolvenz von Manroland wieder auf einen eigenständigen Weg geschickt wurde. "Wir hoffen auf einen Investor, der in das ab morgen schulden- und Altlasten freie Werk einsteigt." Die Massen-Entlassung bei der Plamag sei das traurigste Kapitel in der städtischen Wirtschaftsgeschichte 2011. Schlaglicher nannte Oberdorfer seinen Rück- und Ausblick - und wir nehmen diese so auf:

Wirtschaft: Niedrigste Arbeitslosenzahl seit 20 Jahren, "auch wenn sie noch zu hoch ist". Die Gewerbesteuer hat sich von 10 Millionen 2001 auf 20 Millionen Euro 2011 verdoppelt. "Ein klares Indiz dafür, dass auch die Wirtschaftskraft der Stadt doppelt so hoch ist." Hiobsbotschaft kam im November von Manroland und hält weiterhin die ganze Stadt in Atem. Positive Nachrichten indes hatte Neoplan. 20 Millionen Euro werden von MAN beim Premiumbushersteller investiert. Auch Hydrauflex, Wurzbacher, Boysen oder PET haben erweitert oder wollen es.

Familienfreundlichkeit: In Plauen ist die erste seit 20 Jahren neugebaute Kindertagesstätte eröffnet worden. Die Kita Märchenland in Chrieschwitz wurde generalsaniert. In diesem Jahr wird die Hufeland-Mittelschule grundhaft saniert und Ganztagsschule. 50 Kinder mehr als 2010 wurden geboren, insgesamt 700. Das vierte Jahr in Folge gab es mehr Zu- als Wegzüge im 100er Bereich. 2684 Neu-Plauener gab es 2011.

Campus: 13 Millionen Euro sollen in den neuen Campus auf dem Schlossareal fließen. "Bitte nicht mehr von Gefängnis reden." Am 16. März gibt es eine Gesprächsrunde mit dem Finanzminister im Ratssaal, integriert sind in den Umbau auch die Schlossterrassen, die wieder entstehen sollen.

Spitzenwelt: Standort wird diskutiert, ob Innenstadt, Oberer Graben, oder Weisbachsches Haus. Letzteres würde eine Schenkung, kann aber nicht mit Fördermitteln aus dem Stadtumbau finanziert werden. "Standorte haben beide Vor- und Nachteile." 60 000 Besucher könnten in neuem Zentrum möglich sein.

Mehrzweckhalle: Multifunktionssporthalle in Betrieb gegangen. Dritter Bauabschnitt soll 2012 folgen. Warten auf Fördergelder.

Straßenbau: Zahlreiche Baumaßnahmen bewerkstelligt. 2,6 Millionen Euro für dieses Jahr bereitgestellt. Hinzu kommen 200 000 Euro (ohne Förderung) für den Fußwegebau.

Haltepunkt Mitte: "Ringen weiter mit der Deutschen Bahn um Vertragsabschlüsse. Bautechnisch und finanztechnisch eine Herausforderung. Fünf Partner sind beteiligt."

Elektrifizierung: "Wird uns in den nächsten Monaten durch Brückenabriss Pausaer Straße in Atem halten. Wer Schleichwege kennt, soll sie nutzen. Nächstes Jahr fahren Sachsen dann elektrisch, Bayern bleiben auf Vorkriegsniveau."

Stadtwerke Strom: 2011 gegründet, schon 29 000 Kunden im ersten Jahr. "Strompreis wird steigen, kann auch ich nicht verhindern, werden aber dauerhaft preiswerter sein als die Branchenführer."

Rathausfassade: "So wie sie ist, soll sie nicht bleiben. Wie sie mal aussehen soll, sollen Bürger mit entscheiden. Architekturwettbewerb soll ausgeschrieben werden."

Parktheaterüberdachung: Geld steht im Haushalt zur Verfügung.

Schwimmhalle Hainstraße: "Demnächst wird Förderverein Freibad Haselbrunn Projekt vorstellen, was daraus werden soll." M. T.