Plauener Spitze im neuen Gewand

Unter dem Titel "Aufbruch_Durchbruch" ist eine kleine Kollektion außergewöhnlicher Designs aus Plauener Stickerei-Spitze entstanden, die zum 60. Spitzenfest in einer Modenschau zu sehen ist.

Von Marjon Thümmel

Plauen - "Aufbruch_Durchbruch" ist das gemeinsame Projekt der Modespitze Plauen GmbH mit 15 Studenten des zweiten und vierten Semesters des Studiengangs Modedesign der Vitruvius-Hochschule, Leipzig (ab Herbst: Macromedia-Hochschule) überschrieben, das seit gut einem Jahr läuft. Unter Leitung der Modedesign-Professorinnen Claudia Damm und Dunja Kopi haben Studierende außergewöhnliche Kreationen aus Plauener Stickerei-Spitze hervorgebracht. Das war auch die Aufgabe für die Semester-Prüfung, Klischees zu durchbrechen, Tradition und Moderne zu vereinen und so aus dem Gestern ein Morgen zu schaffen. Entstanden sind in den 15 Wochen von der Aufgabenstellung bis zum finalen Produkt rund 30 Outfits.
 "Wir haben in den vergangenen Monaten viel Zeit in das Projekt investiert, aber es hat sich gelohnt", freut sich Modespitze-Geschäftsführer Andreas Reinhardt, der den Studenten über das Gestalten hinaus auch theoretische Grundlagen - in seiner Firma und bei einem Vortrag vor der Modeklasse in Leipzig - vermittelte. "Es ging aber nicht nur um graue Theorie. Wir haben die Studenten auch in die Freiheit versetzt, eigene Stile zu entwickeln. Dafür stellten wir auch Material zur Verfügung", sagte der 43-Jährige. Initiiert habe alles der Spitzenfestverein, der die etwa 30 Entwürfe zum Thema Aufbruch_Durchbruch zum 60. Spitzenfest nächste Woche den Plauenern und ihren Gästen präsentieren möchte. Reinhardt, der schon einige Modelle sah, ist beeindruckt. 
 "Für uns war es die erste Zusammenarbeit mit der Modespitze Plauen - wie die Studierenden fand auch ich sie  sehr spannend. Wichtig war uns in diesem gemeinsamen Projekt, den jungen Designern auch Qualität zu vermitteln, was mit Produkten aus hochwertiger Spitze hervorragend gelang. Wir wollen mit nachhaltiger Mode und Qualität dem Trend zur billigen Fast Fashion, bei dem Westeuropa durch einen sorglosen Umgang mit Textilien Ressourcen vergeudet, etwas entgegensetzen", betonte Prof. Claudia Damm gestern bei einem Gespräch in der Malzhaus-Galerie vor ausgewählten Studentenarbeiten. Anhand derere erklärte sie gemeinsam mit Spitzenproduzent Andreas Reinhardt die Besonderheiten der Plauener Spitze, die sich nicht wie andere Gewebe verarbeiten lässt und deshalb auch das erste Mal in einem studentischen Projekt eine Rolle spielte. Was aber herauskam, kann sich wahrlich sehen lassen. 
18 ausgewählte studentischen Entwürfe werden während der Spitzenfest-Gala vor zahlreichen Gästen aus nah und fern im Vogtlandtheater am Samstagabend von professionellen Models präsentiert. "Weil der Wunsch nach einer öffentlichen Vorstellung groß ist, haben wir uns entschlossen, nach der Gala so gegen 21 Uhr die Modenschau auch vor dem Theater zu zeigen", sagt Reinhardt. Musikalisch umrahmt wird sie dort durch den Live-Auftritt von Stiehler und Lucaciu. Die beiden freuen sich, dass die Modenschau in ihrem Programm am Beach-Volleyballplatz gezeigt wird, weiß Reinhardt, der auch Vorsitzender des Brancheverbandes Plauener Spitze und Stickereien ist. 
Bereits ab Samstag ist in der Malzhaus-Galerie eine Ausstellung zu "Aufbruch_Durchbruch" zu sehen. Gezeigt werden bis 30. Juni zu den Öffnungszeiten der Galerie, täglich (außer montags) von 13 bis 18 Uhr, rund 30 großformatige Plakate der Modelle und einige Outfits im Original. Für ihre Prüfung und die Projektarbeit haben die Studenten dazu ein eigenes Fotoshooting auf die Beine gestellt. 
"Auf den großen Plakaten sind oft sogar noch mehr Details als beim Blick auf die Kollektion zu sehen. Gezeigt werden auch Modelle, die nicht in der Modenschau zu sehen sind", verrät Reinhardt. Die Stücke aus der Plauener Ausstellung würden später auch in der Leipziger Hochschule gezeigt. 
Beim großen Festumzug am Sonntagnachmittag wird der Branchenverband Plauener Spitze und Stickereien natürlich ein eigens Bild beisteuern. "Wir haben einen schönen Vomag-Laster aus privater Sammlung zur Verfügung gestellt bekommen. Dieser ist auch ein toller Bezug zur Plauener Spitze, denn die Vomag hat als vogtländischer Maschinenbauer die Stickerei groß gemacht. Und so sind am Lkw große Bilder historischer Stickmaschinen ebenso zu sehen wie moderne Technik. Das Fahrzeug wird von Mädchen in aktueller Oberbekleidung aus Plauener Spitze begleitet. Mit dabei sind auch Leipziger Studenten in ihren eigenen Kreationen", blickt Reinhardt auf den Spitzenfestumzug. 
Eine Fortsetzung der Zusammenarbeit können sich die Modespitze und die private Hochschule gut vorstellen. "Eine Studentin möchte gern ihre Bachelorarbeit zum Thema 'Wie ist Spitze im muslimischen Raum einsetzbar?' schreiben", sagt Prof. Damm. Und auch Reinhardt verrät, sich von den Studentenarbeiten inspirieren zu lassen. Und auch wenn die Spitze teuer ist, habe sie ein Zukunft in der Mode. 
Neun Firmen im Vogtland haben die Lizenz für die Marke Plauener Spitze im Branchenverband. "Wir haben heute zwar nur zehn Prozent der Kapazität von vor 1990 und ein Prozent der Blütezeit vor dem 1. Weltkrieg. Aber wir sind spezialisiert in Nischen und damit auf anspruchsvolle Kunden eingestellt", sagt Reinhardt.