Plauener sollen Gabenbringer wählen

Ein viertel Jahr nach dem Plauener Weihnachtsmarkt laufen im Rathaus die Vorbereitungen für eine Neubesetzung der Weihnachtsmann-Stelle. Nach dem Rotkittelstreit, der deutschlandweit für Schlagzeilen sorgte, sollen die Plauener nun die Qual der Wahl bekommen.

Die Stadt stellte am Dienstag fünf weihnachtliche Figuren vor. Die Plauener sollen daraus einen Favoriten wählen, der sich künftig als Gabenbringer auf dem Weihnachtsmarkt engagieren soll.

Plauen - "Nach dem Weihnachtsmarkt ist vor dem Weihnachtsmarkt", sagt Silvia Weck, Pressesprecherin der Stadt Plauen bei einem Gespräch zur Zukunft des Weihnachtsmannes auf dem Plauener Weihnachtsmarkt. Manfred Eberwein erinnerte an den weniger schönen Vorfall rund um den Rauschebart im Dezember. Man wolle nicht mehr zurück blicken, sondern nach vorne schauen, so Eberwein.

Die Stadtverwaltung hat sich nun auf fünf Figuren geeinigt. Die Plauener werden jetzt aufgefordert, ihren Favoriten auszuwählen. Alle fünf "weihnachtsmarktbegleitenden Figuren" haben eine enge Verbindung zum Vogtland. Am Dienstag wurden diese im Museum vorgestellt. Während in den Gängen noch die Ostereier an das Festwochenende erinnerten, durchzog die obere Etage ein Duft von Räucherkerzen und Weihnachtsgebäck. Nacheinander stellten sich die beliebten Figuren den Anwesenden vor.

Los ging es mit dem Bornkinnel. Nadja Friedländer-Schmidt erschien in einem weißen Sommerkleid. Das Outfit werde noch nach dem Original genäht, bekräftigte Silvia Weck. Die Figur wird dann der Puppe im Museum ähneln, mit Kleid und Umhang. Bis vor zwei Generationen brachte das Bornkinnel im Vogtland die Geschenke und war das Gegenteil des Rupperichs.

Dieses Kostüm stellte Sebastian Barg vor. Der junge Mann erschien in einem braunen Mantel mit Laterne und Mütze. Auch dieses Kostüm werde noch verändert, so die Verantwortlichen aus dem Rathaus. Eigentlich sei der Rupperich im Vogtland auf der Verliererseite, aber in der Stadtverwaltung weiß man, dass sich das Bild des Gabenbringers in den letzten Jahren erheblich geändert hat. Bis ins 20. Jahrhundert beschenkte er die Kinder und wird als Vorgänger des Weihnachtsmannes benannt.

Ebenfalls zu den vogtländischen Weihnachtsfiguren gehören Moosmann und Wattefrau. Arnhelm Trillitzsch informierte die Anwesenden, dass sein vorgestellter Moosmann im Originalkostüm über und über mit Moos bestückt sei. Der "Moosmaa" linderte in der Sage die Leiden der armen Waldbauern. Ähnlich dem Rumpelstilzchen verwandelte er Laub zu Gold. Die ersten Beschreibungen gehen bis ins 18. Jahrhundert zurück.

Um 1900 wurde er zur lichttragenden Figur und erst in den 50er Jahren zur Weihnachtsfigur im Vogtland. Die Wattefrau soll laut Überlieferung ein reales Vorbild haben. Die arme Holzhauerwitwe Kräuter-Hanne zog auf beschwerlichen Wegen durch den Wald und kümmerte sich um Arme und Kranke. Am Zwotaer Oberhammer wurde sie von einem Schneesturm überrascht und erfror. Zugeschneit, wie in Watte gehüllt, wurde sie Wochen später gefunden.

Als fünfter im Bunde bietet die Stadt den traditionellen Weihnachtsmann an. Dietmar Hiergeist präsentierte den Rotkittel mit einem kräftigen "Hohoho". Roter Mantel, Rauschebart und Sack ließen keinen Zweifel an seiner Echtheit. Erste Nennungen stammen von 1835. Laut Überlieferungen soll der Weihnachtsmann den braven Kindern Geschenke und den bösen die Rute bringen.

Die Plauener haben die Qual der Wahl. Was ist besser - Weihnachtsmann, Bornkinnel, Rupperich, Moosmaa oder Wattefrau ? Bis zum 24. Mai läuft dafür eine Umfrage. Abgestimmt werden kann per Karte, die im Mitteilungsblatt in die Haushalte kommt, und online auf www.plauen.de. Im Juni wird das Ergebnis bekannt gegeben. Danach kann sich jeder bewerben, der das Plauener Weihnachtsoriginal verkörpern will. Im Sommer werden die Castings durchgeführt. Die Stadtverwaltung hofft, den Sieger und dessen Stellvertreter bereits zum Plauener Herbst vorstellen zu können. va