Plauener Schüler im "Rauschbrillen-Parcour"

Plauen - Wie viel von welchem alkoholischen Getränk getrunken werden kann ohne den Blutalkoholwert von 0,5 Promille zu überschreiten, sollten gestern die Schülerinnen und Schüler der achten Klasse der Friedrich Rückert-Mittelschule schätzen und errechnen.

Als sozusagen Testlauf fand gestern ein Projekt unter dem Titel "Ein Schlückchen in Ehren..." statt. Schon seit mehreren Jahren arbeitet die Plauener Schule eng mit der Mobilen Jugendarbeit (MJA) zusammen. Viele Themen, wie Demokratie, Geschichte oder Sexualität, wurden schon gemeinsam aufgearbeitet. Da Alkohol einerseits ein selbstverständliches Getränk auf Partys oder gesellschaftlichen Veranstaltungen ist und er andererseits als eines der gebräuchlichsten Suchtmittel gilt, wurde dieses Projekt entwickelt.

Im Alter zwischen 10 und 14 Jahren trinken Jugendliche in der Regel zum ersten Mal Alkohol. Meist geschieht dies mit Billigung Erwachsener beispielsweise auf Familienfeiern. In den folgenden Jahren bilde sich dann ein Konsumverhalten aus, das in Grundzügen meist ein Leben lang beibehalten wird. Gerade jetzt, kurz vor der Jugendweihe, sei ein günstiger Zeitpunkt sich intensiv mit dem Thema auseinander zu setzen, denn zum Unterrichtsstoff gehöre es erst in Klasse neun. "Es geht nicht darum zu sagen, wie schlimm Alkohol ist oder ähnliches, sondern es sollte das Bewusstsein dafür geschärft werden und das geht praktisch meist am besten. Die Jugendlichen sollen sich damit auseinander setzen.

 

Es soll zur Aufklärung beitragen oder zu Gesprächen im familiären Kreis oder dem sozialen Umfeld anregen. Natürlich kann dabei auch der persönliche Umgang mit Alkohol hinterfragt werden, der in diesem Alter noch sehr unterschiedlich zu sein scheint", so Kerstin Kunze von der MJA.

 

Mit einem Film gab es einen Einstig in das Thema. "Abgefüllt und Spaß dabei" zeigt Wuppertaler Gymnasiasten und ihren Umgang mit den promillehaltigen Getränken. Im Anschluss daran gab es eine Gesprächsrunde im Beisein von Mitarbeitern der Sucht- und Behandlungsstelle. Im dritten Teil wurden die 44 Achtklässler in drei Gruppen aufgeteilt. Während sich die einen den Kopf über die Antworten auf die Quizfragen zerbrachen und die anderen eifrig rechneten, ging es auf dem Gang sehr aktiv zur Sache. Der "Rauschbrillen- Parcours" sorgte für richtig Stimmung und kitzelte den Ehrgeiz an. Hindernislauf um Kegel, Zusammenstecken von Bausteinen und Zielwurf eines Balles in einen Eimer meisterten alle im "Normal-Zustand" gut. Durchschnittlich 17 Sekunden brauchten die meisten dafür. Ganz anders sah es aus, als die Brille einen Alkoholpegel von 0,8 Promille simulierte. Weit über eine Minute dauerte das Stolpern und Taumeln entlang der Strecke. Was für die anderen lustig aussah, war für denjenigen der am Start war wirklich anstrengend und unerwartet. Das Projekt ist so ausgelegt, dass es auch von anderen Einrichtungen ausgeliehen werden kann.  S. Rössel