Plauener schippen des anderen Last

Wer glaubt, Schnee schippen braucht nur Muskelkraft, der kennt nicht das Team um Andreas Meybohm. Denn für die Schneelogistik GmbH aus Plauen ist dabei vor allem Köpfchen gefragt, um gefahrlos durch den Winter zu kommen. Und deshalb steigen sie anderen aufs Dach. Und das bereits im Sommer.

Von Marjon  Thümmel

 

Plauen - Sicherheit ist für das Plauener Unternehmen das A und O - für die Menschen, die im Winter den Schnee von den Dächern räumen, aber auch für jene, die in den Hallen arbeiten oder gefahrlos im Supermarkt um die Ecke einkaufen wollen. Denn wie schnell ein Dach unter der Schneelast nachgeben kann, hat das tragische Unglück in Bad Reichenhall vor einigen Jahren gezeigt, als eine Eishalle einstürzte. Auch in diesem Jahr haben mehrere Gebäude Schaden genommen durch hohe Schneelasten. 
 Nun mögen manche sagen, soviel Schnee wie damals dort fällt doch bei uns gar nicht. Erstens hat dieser Winter schon anderes bewiesen und zweitens sind die Vorgaben diesbezüglich für ein Haus in den Alpen oder in Mecklenburg-Vorpommern recht unterschiedlich. "Deutschland ist in verschiedene Schneelastzonen eingeteilt, der Wert dafür ist aus der durchschnittlichen Wetterlage der vergangenen 50 Jahre errechnet worden. Auf Gebäuden in Leipzig dürfen, um die Standsicherheit zu gewährleisten, beispielsweise maximale 68 Kilogramm pro Quadratmeter Dachfläche liegen, in Oberwiesenthal sind es hingegen 450 Kilo pro Quadratmeter. Würde es in Leipzig so viel schneien wie im Erzgebirge würden schon viele Dächer eingestürzt sein", sagte Andreas Meybohm und warnt aber auch davor, dass es die absolute Sicherheit nicht gibt.
 "Weil man nicht alle Extremwetterereignisse abdecken kann und diese immer mehr werden, wird der Winter für viele Unternehmen zu einem unkalkulierbaren Risiko. Starke Schneefälle führen in kürzester Zeit zu gefährlichen Schneemengen, vor allem auf Flachdächern", ergänzt Standortleiter Ronny Grüner, der sich als Sicherheitsingenieur für Leib und Leben der Menschen auf dem Dach und in der Halle verantwortlich fühlt. "Für die Bewertung der Schneelasten und ihre Auswirkungen auf die Standsicherheit des Gebäudes werden neben Messdaten und Prognosen des Deutschen Wetterdienstes auch Vor-Ort-Messungen herangezogen, wenn Risikowerte überschritten wurden", erklärt Grüner und nennt auch ein deutschlandweites Dienstleisternetzwerk für die Dachschneeberäumung, das im Bedarfsfall kurzfristig mobilisiert wird. "Für uns gilt aber der Grundsatz: Nur beräumen, wenn es wirklich notwendig ist. Die beste Schneeberäumung auf dem Dach ist noch immer die, die man sicher vermeiden kann. Und das hilft wiederum den Unternehmen viel Geld zu sparen."
 Aber genau dafür braucht man all jene vier Module, die das Plauener Unternehmen aus einer Hand anbietet - vom Konzept bis zur letzten Schneeflocke, die vom Dach geworfen wird. "Unser Angebot beginnt immer mit einer Standsicherheitsprüfung und einem Arbeitsschutzkonzept für jede neue Dachfläche. Dafür sehen sich unsere Architekten, Bau- und Sicherheitsingenieure das Objekt genau an, welche Bedingungen vorhanden sind und wo mögliche Gefahren bestehen. Weil man Risiken nur beherrscht, wenn man gut vorbereitet ist, wird auch die passende Räumungsstrategie für den Ernstfall entwickelt", erläutert Meybohm und auch, dass solche Vorbereitungen auf den Winter mindestens im Sommer starten sollten. "Wir haben das Rad nicht neu erfunden, wir haben aber die verschiedenen Dienstleistungen für den Kunden so miteinander verbunden, dass dieser den größten Nutzen daraus erzielt. Wir haben das Risiko Dachschnee für unsere Kunden radikal verringert", sagte der studierte Biologe, der 2011 mit zwei Partnern die Firma Schneelogistik gegründet hatte. Seit 2016 heißt sie Schneelogistik GmbH und hat zehn Mitarbeiter. 
 "Wir suchen händeringend noch weitere Mitstreiter, Architekten und Bauingenieure", sagte Meybohm und erzählt, wie alles begonnen hat: "Bei einer herausfordernden Mission auf dem Dach der Sternquell Brauerei, wo ich im Winter 2010/11 selbst als Schneeräumer mit eingesetzt war, ist die Idee entstanden. Immerhin habe ich selbst gesehen, welche Gefahrenquellen sich auf Dächern befinden können. Bei einem weiteren Einsatz bei Magnetto in Treuen ist mir dann auf dem Parkplatz der passende Namen eingefallen, unter dem wir dann das Start-up-Unternehmen gründeten", sagt er: Die beiden Unternehmen sowie die plus H GmbH & CoKG (ehemals Plauener Handstickerei) sind Vorreiter in Sachen Sicherheit im Vogtland. Für sie haben wir unsere ersten Schneelogistikkonzepte gemacht. Unsere heutige Dienstleistung ist auch in enger Abstimmung mit diesen drei vogtländischen Unternehmen entstanden" fügt Meybohm hinzu und zählt auf, was in den Jahren für die Kunden hinzu gekommen ist: arbeitsschutzrechtliche Betreuung, Sicherheits- und Gesundheitskoordinierung auf Baustellen, Planung, Einbau und Abnahme von Absturzsicherungen auf Dachflächen, Standsicherheitsprüfungen von Dachtragwerken, ebenso die Erstellung von Sanierungskonzepten und die Unterstützung bei Ausschreibungen von Bauleistungen. 
 "Wir haben so das ganze Jahr über zu tun. Rund 300 Objekte deutschlandweit werden von uns betreut. Und wie gesagt, wenn wir mehr Personal haben, können wir noch mehr Anfragen bedienen", sagt der Geschäftsführer und denkt schon weiter in die Zukunft: "Wir entwickeln ein eigenes Equipment zur Schneeräumung und werden stärker auf die digitale Vernetzung setzen. Denn unsere Risikoleitstelle Schneelasten hat noch gewaltiges Potenzial." Immerhin will die Schneelogistik GmbH noch anderen aufs Dach steigen.