Plauener Rocker quittiert Knast mit Grinsen

Zwickau/Plauen - Das Strafverfahren gegen vier Mitglieder des inzwischen verbotenen Plauener Motorradclubs Gremium MC, dessen Hauptanklagepunkt ursprünglich auf Geiselnahme lautete, endete am Dienstag vor dem Landgericht Zwickau mit Bewährungsstrafen für drei der vier Angeklagten.

Lediglich Markus F. muss für anderthalb Jahre ins Gefängnis. Sein Urteil ist noch nicht rechtskräftig, seine Mitangeklagten akzeptierten noch im Gerichtssaal ihre Strafen. Daniel G. und Sebastian G. wurden zu je einem Jahr Gefängnis sowie Geldstrafen von je 500 Euro und Nils S. zu zehn Monaten Haft und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Wegen der Bewährung bliebt ihnen der Strafvollzug erspart. Im Wesentlichen, so stellte der Vorsitzende Richter Gerolf Müller in der Urteilsbegründung fest habe sich der angeklagte Sachverhalt als wahr herausgestellt. Da sich das Opfer Michael M. jedoch in Widersprüche verstrickte und offenbar das Geschehen auch etwas dramatischer schilderte, als es tatsächlich war, fiel das Urteil deutlich milder aus, als am Anfang des Verfahrens erwartet.

Der Tatvorwurf der Geiselnahme wurde bereits während der Verhandlung fallen gelassen. An der Aussage verbal mit dem Tode bedroht worden zu sein, hatte das Gericht ebenso Zweifel, wie an der Bedrohung mit einer Schusswaffe. Daher wurden alle Angeklagten wegen versuchter Nötigung in Tateinheit mit Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Das Gericht geht nach fünf Verhandlungstagen von folgendem Ablauf der Ereignisse aus. Zwischen den Angeklagten Daniel G. und Sebastian G. sowie dem Opfer Michael M. soll es schon länger Spannungen wegen offener Forderungen gegeben haben. Die Rede war von einem nicht bezahlten Tattoo und einer offenen Rechnung über einen Aufenthalt in Köln.

Michael M. wiederum hielt dem entgegen, dass 250 Euro zu Unrecht von seinem Konto abgebucht worden seien. Am Abend des 24. Februar 2012 war der Streit eskaliert, nachdem Michael M. seinen ehemaligen Freund Daniel G. mit einer SMS mit der Aussage provoziert hatte: "Passe auf Dein Auto auf". Zudem soll er gedroht haben, mit drei Mann vor seiner Tür zu stehen. Das wollten sich die beiden Angesprochenen nicht gefallen lassen und standen gemeinsam mit Nils S. nun ihrerseits in der Wohnung des Opfers, zu der Daniel G. noch einen Schlüssel hatte.

Er war es auch, der als Erster auf Michael M. einschlug. Später trat auch Sebastian G. zu, während sich Nils S. zurückhielt. Michael M. blieb schließlich keine andere Wahl als den dreien in das Life-Style, dass damals zentraler Treff des Rockerklubs war, zu folgen. Als dort niemand angetroffen wurde, fuhren sie in ein Waldstück. Zuvor war Markus F. zugestiegen. Dort wurde Michael M. nochmals geschlagen, bevor die Aktion abgebrochen wurde. Auf der Rückfahrt wurde Michael M. aufgefordert seine ausstehenden Mitgliedsbeiträge bis 22 Uhr zu zahlen. Dazu kam es nicht mehr, weil dieser die Polizei informiert hatte. Markus F. nahm das Urteil mit einem breiten Grinsen entgegen. F. Dörfelt

Ihr Vogtland-Anzeiger auf Facebook! Jetzt Fan werden!