Plauener Rathausbau kann beginnen

Einer leidenschaftlichen Debatte folgte die mehrheitliche Zustimmung des Stadtrates für den Auftrag an das Leipziger Architekturbüro RKW, mit den Planungen für den Rathausbau zu beginnen.

Plauen - "Ich halte es für einen großen Tag", sagte Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer sichtlich erleichtert nach der namentlichen Abstimmung und einem mehrheitlichen Ja zur Planungsvergabe des Rathaus-Neubaus an das Leipziger Architekturbüro RKW. Alle Stadträte zeigten Gesicht - und es gab keine Stimm-Enthaltung. 24 Stadträte antworteten mit einem Ja, 16 mit Nein. Somit kann der Bau des Rathauses beginnen. Doch Sorgenfalten blieben angesichts der Kostenexplosion bei allen zurück. Und die Zerrissenheit innerhalb der Fraktionen machte auch das Abstimmungsergebnis sichtbar.

Leidenschaftlich hat er vor der fast zweistündigen Debatte an die Stadträte appelliert, dem Entwurf zuzustimmen, auch wenn noch Handlungsbedarf bestehe. Dazu möchte er eine Arbeitsgruppe aus Stadträten jeder Fraktion, Bauverantwortlichen der Stadt und den RKW-Architekten bilden, um die geplante neue Rathausfassade in einigen Details noch zu verändern. "Man kann so vieles noch beeinflussen", sagte Oberdorfer, "aber wir brauchen eine Entscheidung, um Fördermittel zu beantragen". Die würde es übrigens vom Land Sachsen auch noch geben, wenn der Neu- und Rückbau der Rathausfassade erst später, nach dem Umzug der Mitarbeiter des Landratsamtes, im zweiten Halbjahr 2015 oder gar erst 2016 beginnen könne. "Dresden versprach das Geld für uns aufzuheben", sagte der OB "und wenn wir es nicht abholen, tun es andere". Oberdorfer bekniete die Abgeordneten, das Projekt nicht fallen zu lassen.

Architektin Daniela Hegner, geboren und aufgewachsen in Plauen, stellte noch einmal den Entwurf des neuen Rathauses vor, bevor Hansjoachim Weiß (CDU) als Erster für seine Fraktion das Wort ergriff. Harsch kritisierte er die Verdopplung der Kosten, die bei der ersten Entscheidung im Stadtrat im Mai 2012 auf etwa sechs Millionen Euro beziffert wurden. "Lange haben wir eine korrekte Kostenaussage gefordert und sie erst vor wenigen Tagen bekommen. Da war plötzlich von 10,5 Millionen Euro die Rede", sagte er und auch, dass deshalb ein Teil seiner Fraktion der Sanierung mehr das Wort rede. "Der andere Teil steht zum Neubau, weil der Stadtrat das damals so entschieden hat und wir im laufenden Verfahren nicht einfach aussteigen sollten oder können", fasste Weiß zusammen und forderte eine Deckelung der Baukosten auf maximal 10,5 Millionen Euro.

"Klarheit und Wahrheit zu den Kosten", forderte auch Sven Gerbeth als Fraktionschef der FDP. "Wenn heute die Mehrheit unserer Fraktion die Hand für das Projekt hebt, dann ist das ein Vertrauensvorschuss und der Auftrag an den OB, ständig über den Stand des Baus und der Kosten zu informieren", sagte Gerbeth und rief auf, im wesentlichen einheimische Baufirmen zum Zuge kommen zu lassen. "Das Rathaus muss gebaut, der umbaute Raum verkleinert und es muss gehandelt werden", sagte Claudia Hänsel für die Linke und auch, dass die Meinung ihrer Fraktion zum RKW-Entwurf geteilt sei. "Aus etwa 1,2 Millionen Eigenmitteln der Stadt werden 2,5 Millionen. Um die Kosten nicht weiter explodieren zu lassen, schließen wir uns der Forderung der CDU an", sagte sie.

Den Vorwurf der nicht korrekten Kosten - "plötzlich tauchen noch Abriss- und Rückbaukosten auf" - führte auch Dieter Rappenhöner als Chef der Bündnisgrünen-Fraktion auf. Er fühle sich auch enttäuscht von der deutschen Architektenschaft, weil der Entwurf so beliebig sei. "Aber wir stimmen heut nicht über den Neubau, sondern nur über die Planungsleistung ab", sagte er. Da bleibe noch Entscheidungsraum. "Bei 100 000 Euro im Jahr - so viel wie für den Flugplatz Hof-Plauen - haben wir in 30 Jahren das Rathaus abgezahlt", so Rappenhöner, der auch die namentliche Abstimmung anregte."Ein Prozess, der vor fast zwei Jahren gut und richtig begann, wurde mit der Zeit immer schlechter. Das ist an dem heute zerrissenen Stadtrat zu sehen", sagte SPD-Fraktionschef Rainer Maria Kett.

"Die Sachlichkeit blieb zunehmend auf der Strecke und Barrierefreiheit oder korrekte Baukosten wurden erst von uns angeschoben", sagte Kett und an den OB gewandt: "Es ist eigentlich schade, dass Sie ein Gespräch zu Alternativen nie wollten." Kett hatte wie schon Weiß Ähnlichkeiten des RKW-Entwurfs mit dem Rathaus von Kleve angesprochen. Eine Erwiderung des Architekturbüros blieb aus. Zu Wort kamen auch die CDU-Stadträte Dieter Blechschmidt und Steffen Zenner, die auch in der Abstimmung das Projekt ablehnten. Kerstin Knabe (FDP) gab dem Entwurf ihre Zustimmung appellierte zugleich, auch bei Geldern für Ortsteile oder Feuerwehrausrüstungen sensibler abzuwägen. "Wie man sieht, ist, wenn man will, immer Geld übrig."