Plauener Rathaus: Jury einigt sich auf Favorit

Da war es nur noch ein einer: Die Jury des Architektenwettbewerbes zur Umgestaltung des Plauener Rathauses einigte sich in ihrer Sitzung am Dienstag auf einen der bisher drei gleichrangigen Entwürfe.

Favorisiert wird nun das Projekt der Architekten von RKW. Die beiden Arbeiten von "bhss" und "atelier st" sind raus. Der Sieger-Entwurf soll in den nächsten Wochen weiter verfeinert werden, damit der Stadtrat spätestens bis zur Sommerpause den Startschuss für die Sanierung geben kann.

Plauen - Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer war am Dienstag in Feierlaune. "Ich habe extra meine Feiertagskrawatte angezogen", sagte der OB bei der Bekanntgabe der Jury-Entscheidung zu den drei im Dezember ernannten Preisträgern. Das Preisgericht ist am Dienstag im Rathaus zu seiner abschließenden Sitzung zusammengekommen. Die drei Leipziger Architekturbüros legten ihre überarbeiteten Entwürfe vor. "Alle drei Arbeiten haben sich extrem stark verbessert", sagte Jury-Mitglied Dr. Eberhard Pfau vom Bund Deutscher Architekten aus Dresden.

Anlehnung an alte Fassade

Durchsetzen konnte sich am Ende der von Oberdorfer seit Beginn an favorisierte Entwurf von RKW Architektur und Städtebau. Ohne zu historisierend zu wirken, passe er sich der bestehenden Bebauung besonders gut an. "Für mich ist es ein wundervoller Entwurf", so der OB. Der Vorschlag führte von Beginn an auch in den Umfragen. Allein bei der umstrittenen Bürgerbefragung der Stadtverwaltung bekam der Entwurf gut 1700 der insgesamt 2800 abgegebenen Stimmen. Auf den Plätzen folgte die gewagte Idee von bhss und das markante Projekt von atelier st.

Der Siegerentwurf wurde vor allem optisch verändert, weg vom Stil zweier Bürgerhäuser hin zu einer geschlossenen und einheitlichen Fassade. Die Gauben im großzügigen Dach sind in die Mitte gerutscht und der Eingangsbereich ist überarbeitet worden. "Es ist ein Eingang für alle Bürger", sagt Jury-Mitglied und Architektin Canan Rhode-Can aus Dresden. Das Gebäude sei sehr kompakt.

Die jetzige Tiefe wird stark zurückgenommen, um einen offenen Bürgerhof schaffen zu können. Die hintere Fassade wird von oben bis unten verglast sein und so für viel Licht im Haus sorgen. Das Foyer wird sich über anderthalb Geschosse erstrecken und soll die jetzige Decke des Ratssaales erhalten.

Darüber werden sich die Büros für die Fraktionen befinden und unterm ausgebauten Dach ist bisher der neue Ratssaal geplant. Dieser könnte durchaus noch für Diskussionen sorgen. "Darüber ist vielleicht noch zu befinden", so Eberhard Pfau.

Das letzte Wort ist bei dem Entwurf noch lange nicht gesprochen. "Es muss nicht das sein, was gebaut wird", meint Oberdorfer. In den nächsten Wochen soll der RKW-Entwurf weiter angepasst und geprüft werden. Spätestens bis zur Sommerpause soll der Stadtrat darüber entscheiden. Das Vorhaben wird voraussichtlich rund zehn Millionen Euro kosten. Der städtische Eigenanteil liege bei maximal drei Millionen Euro, so der OB: "Wir bauen kein Dorfgemeinschaftshaus."

Moderner Entwurf raus

Der moderne Entwurf von bhss dürfte nach dem Urteil der Vergabekammer in Leipzig keine große Rolle mehr bei der Jury gespielt haben. "Wir dürfen den Bau nicht weiter verfolgen", sagte Ralf Oberdorfer, der sich darüber nicht wirklich verärgert zeigte. Die Leipziger hatten sich bei ihrer Arbeit über Kriterien der Ausschreibung hinweggesetzt. Sollte das Verfahren in die Revision gehen, würde das dem Vorhaben weitere wichtige Zeit kosten. Bis 2016 muss das Rathaus auf Grund der auslaufenden Förderprogramme saniert sein.

Hinter dem Sieger-Entwurf steht auch der Denkmalschutz. Es gebe keinen Konflikt, der Kompromiss schaffe Ruhe, so Thomas Noky vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. "Die Formsprache des Baus lebt weiter", sagt der Experte.