Plauener Psychiatrie hat neuen Chef

Plauen - Stabwechsel an der Spitze der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Neuer Chefarzt ist Priv.-Doz. Dr. med. Francisco Pedrosa Gil.

 

Seine Patienten werden anfangs etwas Mühe haben, den Namen ihres Chefarztes richtig auszusprechen. Aber der Mann ist quasi von Berufs wegen geduldig und einfühlsam. Seit 1. Oktober ist Privatdozent Dr. med. Francisco Pedrosa Gil Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Helios Vogtland-Klinikum.

 

Am Mittwoch wurde er von Geschäftsführer Marcus Sommer offiziell vorgestellt. Nicht körperlich, sondern vielmehr fachlich stellt der Neue ein respektables Schwergewicht dar, mit seiner wissenschaftlichen Reputation dürften ihm neben der Plauener wohl auch zahlreiche andere Kliniktüren offen gestanden haben.

Doch Dr. Pedrosa entschied sich aus fachlichen wie persönlichen Motiven für die hiesige Region. Zum einen habe ihn die Tatsache gereizt, dass das Vogtlandklinikum den Status eines Lehrkrankenhauses genieße, zum anderen stamme die Familie seiner Frau aus dem Erzgebirge, sagt der Arzt mit unverkennbar spanischen Wurzeln. Und in der Tat siedelten seine Eltern in den 60er Jahren nach Deutschland um, er selbst wurde 1966 in Frankfurt/Main geboren. Dort begann er nach dem Abitur auch sein Medizinstudium, nach dessen Abschluss er 1991 mit seiner wissenschaftlichen Arbeit in der Neuropathologie der Goethe-Universität begann.

 

Bereits zwei Jahre später folgte die Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Lehrkrankenhaus der Uni Heidelberg, wo er auch mehrjährig als Oberarzt von drei akutpsychiatrischen Stationen tätig war. Um seine wissenschaftliche Arbeit zu komplettieren wechselte er zunächst an das Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie, bevor er von 2002 bis 2008 als Oberarzt an der Maximilians-Universität tätig war, an der er im Vorjahr auch habilitierte. Unmittelbar vor seinem Wechsel nach Plauen leitete er eine bayerische Fachklinik für Psychosomatik.

Wissenschaftlich reitet Dr. Pedrosa eine ganze Herde von Steckenpferden. Er selbst sieht seine Schwerpunkte in der Streßforschung - mit einem Kollegen entwickelte er ein Verfahren zur Messung von Stresshormonen - und in der Behandlung von Burn Out. Große Erfahrungen sammelte er zudem in der Psychotherapieforschung sowie der Behandlung von Magersucht und Persönlichkeitsstörung. Mit Dr. Pedros sei man einen wichtigen Schritt vorangekommen auf dem Weg, dem Klinikum Leuchtturmcharakter über die Landesgrenzen hinaus zu verleihen, freute sich Marcus Sommer gestern über den "Neuzugang".

Der machte übrigens kein Hehl daraus, dass es ähnlich wie beim Trainerwechsel im Fußball üblich sei, dass der Neue "gewisse Vorstellungen" habe, die er gern umsetzen möchte. Dr. Pedrosa liegt es nach eigenen Worten am Herzen, weitere, vor allem junge, Ärzte nach Plauen zu holen. Auf Nachfrage bestätigte er, dass entsprechende Stellen zur Verfügung stünden.

Vor allem möchte er seinen Fachbereich entstigmatisieren, zumal psychische Erkrankungen - keiner wüsste das besser als er - rasant zunehmen. Er denkt an einen Tag der offenen Tür, um im Wortsinne Schwellenängste vor "seiner" Klinik abzubauen, das Vorurteil zu nehmen, hier werde der Patient lediglich mit Medikamenten "vollgestopft". Die Zukunft, die bereits begonnen habe, liege in der Vernetzung der einzelnen Fachbereiche. Daher wird Dr. Pedrosa verstärkt den Kontakt zu niedergelassenen Fachkollegen suchen und gleichzeitig in die Öffentlichkeit gehen.

 

Die nächste Mittwochsvorlesung am 20. Oktober, 17 Uhr, im Konferenzraum des Vogtlandklinikums, widmet sich bereits dem Thema "Stress und Burnout". In der Fachklinik stehen 80 Betten für stationäre Patienten zur Verfügung, ebenso groß ist die Dr. Pedrosa zur Seite stehende Mitarbeiterzahl.