Plauener Plamag-Mitarbeiter kündigen Kampf an

Die IG Metall und die Mitarbeiter der manroland Plamag haben sich am Donnerstag dem Druck des Konzerns gebeugt. Doch der Kampf gehe erst los. Wenige Stunden vor Ablauf des von der Konzernleitung für den Abend gesetzten Ultimatums haben Gewerkschaft und Belegschaft bei einer Betriebsversammlung die Reißleine gezogen und ihren Widerstand gegen die geplante Einstellung der Endmontage im Frühjahr 2011 aufgegeben.

 

"Wir beugen uns", sagte der IG-Metall-Bevollmächtigte Stefan Kademann, "aber der Kampf geht jetzt erst los". Nach seinen Angaben haben Gewerkschaft und Betriebsrat den Mitarbeitern vorgeschlagen, sie zu unterstützen, das Restrukturierungskonzept zum Wohle von manroland und desWerkes Plauen positiv zu begleiten. Der mit viel Beifall quittierte Vorschlag sollte amAbend demVorstandsvorsitzenden Gerd Finkbeiner nach Augsburg übermittelt werden. Am Nachmittag gab es laut Kademann somit nur noch einen Abtrünnigen im Konzernverbund, nämlich dasWerk in Offenbach. Die Kollegen dort beharrten weiterhin auf die Einschaltung eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers und einem Verzicht auf weitere Lohnkürzungen. Wieweit diese Haltung Auswirkungen auf die Plamag haben wird, ist noch offen. Finkbeiner hatte in vorhergehenden Gesprächen geäußert, bei Nichtzusage eine Zweier-Standortvariante umzusetzen - ohne Plauen.

 

"Es war eine schwere Geburt. Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen", sagte Betriebsratschef Udo Meyer. "Aus dem Inneren heraus lehne ich das Konzept heute noch ab, weil ich es in vielen Punkten für nicht nachvollziehbar halte. Vor allem aber, weil mit dem Verlust an Eigenständigkeit als Druckmaschinenhersteller ein Stück Geschichte in Plauen zu Ende geht", ergänzt Kademann und fügt hinzu: "Wir wollten aber nicht als diejenigen gelten, die den Standort vernichtet haben". Die Gewerkschaft setze nun darauf, bei einzelnen Schritten der Umstrukturierung positiv verändernd eingreifen zu können. Das bedeute, all das zu vermeiden, was betriebswirtschaftlich unsinnig ist. Ob es dazu führe, angedachte Verlagerungen zu verhindern, werde die Zukunft zeigen. "Uns geht es darum, das wirtschaftlich sehr schwierige kommende Jahr zu überstehen. Dazu gehört auch, von uns georderte Aufträge und die dazu gehörenden Arbeiten nicht an Augsburg abgeben zu müssen", sagte Meyer.

 

Mit der Umstrukturierung hin zu einem Kompetenzzentrum für industrielle Fertigung komme auf die Plamag-Belegschaft eine riesige Umschulungswelle zu. "Wir haben 240 Mitarbeiter, die ihre angestammten Arbeitsplätze verlieren werden und umgeschult werden müssen", sagte Meyer. Einige Konstrukteure, Inbetriebnehmer und Projektierer würden wohl im Werk bleiben, aber das meiste ingenieurtechnische Personal nicht mehr gebraucht. "Hier bleibt kein Stein auf dem anderen", betonte Kademann: "Und deshalb haben wir noch viel Klärungsbedarf, angefangen von Einkommenssicherungen, über den Erhalt der Auszubildenden bis hin zur Übernahme der Azubis. Wir wollen Beschäftigungsgarantie und ein Zukunftssicherungsprogramm." Aus der gestrigen Diskussion vorerst ausgeblendet worden sei das Thema Lohnverzicht. "Finkbeiner hatte mir gestern Abend dazu versichert, dass alles im tariflichen Rahmen bleibt. Tarifverhandlungen führen wir aber in Frankfurt/Main."

 

Sauer ist Kademann darüber, dass sich keiner von Stadt und Kreis für die Situation in der Plamag interessierte. "Auch wir wurden von den Prozessen überrollt, die eine Entscheidung innerhalb von wenigen Tagen forderte." Und Meyer ergänzte: "Als wir am 22. Juni für die Narva mit auf die Straße gingen, haben wir im Traume nicht daran gedacht, wie schnell sich das Damoklesschwert über den Plamag-Standort Plauen drehen würde." M.T.