Plauener Pfarrer stellt Opferstock-Dieb

Manchen Menschen ist nicht mal die Kirche heilig. Dazu zählt der 19-Jährige, der einen Opferstock in der Plauener Luther-Kirche mit brachialer Gewalt aus der Wand riss. Pfarrer Andreas Gräser vereitelte den Diebstahl in letzter Minute.

Plauen - Mittwochnachmittag, gegen 14.30 Uhr, erhält die Plauener Luther-Kirche ungebetenen Besuch. "Ich habe vom Fenster aus jemanden gesehen und mich gleich gefragt, was der junge Mann da wollte", erinnert sich Pfarrer Andreas Gräser. Dann hat der Gottesmann den halb aus der Wand herausgerissenen Opferstock gesehen - und den "Gast" sofort zur Rede gestellt, noch ehe dieser fliehen konnte. Der junge Mann habe die Tat abgestritten, sagt der Pfarrer. Gräser habe daraufhin die Polizei gerufen und den mutmaßlichen Dieb bis zu deren Eintreffen festgehalten. Die Polizei habe dann Fingerabdrücke von dem Verdächtigen genommen. Die Beamten fanden bei dem jungen Mann außerdem gestohlene Dokumente.

Ganze elf Euro hätte der Dieb erbeutet, wenn nicht der Pfarrer dazwischen gekommen wäre. Mit 200 Euro - nämlich der kaputte Opferstock aus Sperrholz - liegt der Sachschaden bei weitem höher. Das seien arme Leute, die so was machten. Die benötigen Geld, ließen sich nicht helfen. Ganz unbekannt sei ihm der junge Mann nicht gewesen, deutet der Pfarrer an.

Während Andreas Gräsers achtjähriger Amtszeit in der Luther-Kirche gab es vier "Attentate" auf Opferstöcke. Zuvor, als Gräser Pfarrer in Eibenstock war, kam das da auch vor. Auch Pfarrerkollege Hans-Jörg Rummel kann Geschichten über Opferstöcke erzählen. Vor etwa einem halben Jahr erst vereitelte auch er einen Angriff auf den Spendenstock. Der verhinderte Dieb flüchtete. Damals waren zwei Euro im Stock. "Die Leute müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Spende auch bei der Kirche bleibt. Sie vertrauen auf die Sicherheit der Opferstöcke. Deshalb leeren wir sie täglich."

Die Kunde von der täglichen Leerung soll möglichst auch Diebe abschrecken und ihnen suggerieren: Es lohnt sich nicht. Zugenommen hat die Plünderei in Gotteshäusern, seitdem diese ganztägig für Besucher offen stehen. In der Johanniskirche ist es derzeit der gut besuchte Orgelsommer, der viele Gäste bescherte. Auch wer in der Mittagspause ein wenig Stille sucht oder in einer besonderen Lebenssituation göttlichen Beistand braucht, kommt auf ein Gebet vorbei.

Touristen, Reisegruppen und Gäste der Jugendherberge kommen gern in die Gotteshäuser. Pfarrer Andreas Gräser hebt hier den spätgotischen Altar der Lutherkirche hervor, der neben Johanniskirche und Komturhof zu den historischen Besonderheiten zählt, den ein Plauen-Besucher gesehen haben sollte. Trotz der Angriffe auf Opferstöcke wolle man die offene Kirche außerhalb der Gottesdienste nicht schließen, handele es sich doch um eine Stätte der inneren Einkehr.