Plauener Panzer in der Heide

Die meisten verabschieden sich in diesen Tagen von der Hoffnung, in diesem Jahr den Sommerurlaub an fernen Gestaden verbringen zu können. Fakt aber ist auch: Das Leben nach Corona geht weiter, wenn auch anders als bisher. Und interessante Ausflugsziele in der näheren und ferneren Umgebung in Deutschland gibt es allemal. Beispielsweise ein Panzermuseum mit "Plauener Beteiligung".

Von Karsten Repert

Munster Die aktuellen Beschränkungen sorgen vielerorts für Tristesse und Langeweile. Alle sehnen die Zeit nach Corona herbei. Und dabei stellt sich immer wieder die Frage: Wohin können wir überhaupt noch fahren? Ein Tipp wäre beispielsweise Munster.
Die Kleinstadt liegt in der Lüneburger Heide, 25 Auto-Minuten vom Heidepark Soltau entfernt. Nicht nur für Familien empfiehlt sich ein Abstecher ins Deutsche Panzermuseum. Denn dort warten unglaublich spannende Geschichten, die gerade in Krisenzeiten zeigen, was darüber hinaus nie in Vergessenheit geraten sollte.
In Munster steht nämlich auch ein Kampfpanzer aus Plauen. Der Panzer IV reiht sich ein in die 6000 Exponate, die in fünf Hallen dicht beieinander stehen. Zu den Militärgeschützen gibt es jeweils kurze Erklärungen und in den Hallen steht sich übrigens Kriegsgerät von Nato und Warschauer Pakt gegenüber wie einst. "Ich hätte im Vorfeld nicht für möglich gehalten, dass ich nach anderthalb Stunden so angetan bin von diesem Museumsbesuch", berichtet Tino Pietzsch. Der Plauener war Ende Januar von seinem Freund Bernd Märtner überredet worden, auf der Rückfahrt einer Hamburg-Reise in Munster Halt zu machen. Mit dabei auch Kevin Reißner, der bereits zum zweiten Mal in die Historie der Kampf-, Schützen- und Flakpanzer, Sturmgeschütze und Panzerartillerie eintauchte. "Es war auch beim zweiten Mal megaspannend, weil es einfach ganz viel zu sehen gibt. Wer von Technik begeistert ist, der schnalzt hier mit der Zunge", verspricht der Plauener. Gerade über Plauen als früherem Rüstungsstandort ist heutzutage nicht mehr allzuviel bekannt. Mit den Panzern der Wehrmacht bringen die meisten die Modelle Tiger und Panther in Zusammenhang. Doch es war dieser Panzer IV aus Plauen, der zwischen 1939 und 1945 fast ein Drittel aller deutschen Kampfpanzer stellte. Im Museum erfahren die Vogtländer: "Der im Museum gezeigte Panzer wurde 1942 in Plauen gebaut und nach Nordafrika verschifft. Dort wurde er in Tobruk entladen." Wenige Tage später blieb die fünfköpfige Besatzung mit dem Kampfpanzerwagen IV liegen. Das Kettenfahrzeug wurde von der britischen Armee erbeutet. Insgesamt 8.635 Exemplare wurden in verschiedenen Versionen gebaut. Mit seinen 300 PS brachte es der Panzer IV auf 20 Stundenkilometer im Gelände und auf das Doppelte auf der Straße.
Wozu sind Kriege da?, fragte nicht nur Musikerlegende Udo Lindenberg. Auch der Panzer stand nach 100 Jahren seiner Existenz auf dem Prüfstand. Die Völker der Welt wünschten sich Frieden und so folgte nach dem Ende des sogenannten "Kalten Krieges" zwischen Ostblock und Westmächten eine weitgehende Abrüstung.
Die europäischen Armeen reduzierten von 1990 an ihre Panzerflotten drastisch. Im Museum erfährt man: Die Bundeswehr hielt 1985 rund 3.500 Panzer einsatzbereit. Im Jahr 2015 verfügte das 1990 wiedervereinigte Deutschland nur noch über 225 Kampfpanzer. So gesehen ist das Panzermuseum in Munster auch ein Stück deutsch-deutscher-Friedensgeschichte. Es ist ein wahnsinnig tolles Gefühl, wenn du als Vogtländer gut gelaunt zwischen amerikanischen und russischen Panzern stehen kannst. Sie haben ihren Schrecken verloren. Wie schön, dass wir in Deutschland in Frieden leben dürfen", sagt Honorarprofessor Dr. Bernd Märtner, der als Dozent an der Berufsakademie weiß, dass nicht alle Jugendlichen wirklich viel über die Zeit des II. Weltkrieges haben.