Plauener Mittelschule sorgt für Aufsehen

Gewalt und Extremismus ist auch gegenwärtig ein aktuelles Thema, dem besonders in der Arbeit mit Jugendlichen ein hohes Augenmerk zukommen muss. Davon sind die Pädagogen der Mittelschule im Chrieschwitzer Hang überzeugt und haben einen Stolpersteinlauf gegen das Vergessen gestartet. Gemeinsam mit ihren Schülern wollen sie es schaffen, sich auch langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung stark zu machen und ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen.

Ihre Aktion war so simpel wie wirkungsvoll: Viele Schüler hatten sich zum Lauf am Plauener Theaterplatz eingefunden und liefen, nach Altersgruppen gestaffelt, verschieden lange Strecken entlang der Plauener Innenstadt. Ihre maximal 2,5 Kilometer lange Tour führte sie entlang einiger gesetzter Stolpersteine und erinnerte so an das Schicksal vieler im Nationalsozialismus Verfolgter. Viele Eltern feuerten ihre Kinder beim Lauf an. Interessierte Plauener Bürger begleiteten das bunte Treiben.

Der aufmerksame Passant stolpert in Plauen mittlerweile über 18 Steine, die, in den Gehweg engelassen, das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus in Erinnerung rufen sollen. Die meisten erinnern an jüdische Mitbürger, einige thematisieren das Schicksal von Sozialdemokraten oder von Kommunisten.

Beim anschließenden Rundgang mit Erklärungen zum historischen Hintergrund der Stolpersteine führte Lydia Steinbach gemeinsam mit einigen Schülern das Ausmaß der einzelnen Schicksale vor Augen. Die Geschichtslehrerin der Mittelschule wusste zu berichten, dass die Leidenszeit vieler jüdische Familien, die das Plauener Leben mitprägten, 1938 mit dem Anzünden ihrer 1933 errichteten Synagoge begann. Nach dem Völkermord im Dritten Reich gibt es vielerorts keine Möglichkeit des Gedenkens mehr.

"Durch die zahlreichen Schäden durch Bombardierungen sind nur sehr wenige mahnende Andenken übrig, die heute gegen das Vergessen stehen. Da sind die Stolpersteine eine tolle Sache", äußerte sie sich zu den Stolpersteinen als Mahnmal.

In über 500 europäischen Städten kann man vor den letzten freiwillig gewählten Wohnhäusern von Verfolgten des nationalsozialistischen Regimes diese Stolpersteine finden. Auf den Steinen stehen beginnend mit den Worten "Hier wohnte" der Name, die Lebensdaten und Verweise auf das Schicksal der betreffenden Personen.

"Mit dieser Aktion haben wir es geschafft, dass nun alle Schüler unserer Schule wissen, was diese Stolpersteine bedeuten", zeigt sich Jan Göll zufrieden. Der Sportlehrer der Hufeland-Mittelschule, dem als Beauftragter für Schule und Rassismus die Aktion besonders am Herzen liegt, freute sich, das Ziel erreicht zu haben. Für die Schüler der Hufeland-Mittelschule bot die Aktion in jedem Fall einen lebendigen Geschichtsunterricht.