Plauener Mietspiegel in Frage gestellt

In Plauen gibt es laut Experten keinen funktionierenden Wohnungsmarkt. Ein Mietspiegel steht damit in Frage. Hinzu kommt, dass die aktuelle Ausgabe auch noch mit falschen Zahlen veröffentlicht worden sein soll.

 

Plauen - Der neue einfache Mietspiegel für die Stadt Plauen sorgt weiter für Unstimmigkeiten. Das Datenblatt gibt das tatsächliche Bild nicht wieder, sagt Marlies Hager vom Vogtländischen Mieterverein. Die Zahlen sind "stellenweise nicht richtig." Der Mietspiegel sei ohne die Auswertung langjährig gesammelter Daten veröffentlich worden, wirft Hager der Stadtverwaltung vor, die im März die Broschüre herausgab. "Wir wollten ein realistisches Bild. Deswegen waren wir so vehement gegen die Veröffentlichung." Es geht besonders um die Preisangaben in der höchsten Miet-Kategorie, also Wohnungen in guter Lage und mit hochwertiger Ausstattung. Hier sind zwischen 5,37 Euro und 7,53 Euro pro Quadratmeter angegeben. "Das bekommt man in Plauen nicht", so Hager. Investoren würden damit an der Nase herumgeführt werden.

Am aktuellen Mietspiegel hat neben dem Mieterverein und der Stadtverwaltung auch Detlev Braun vom Vermieterverein Haus und Grund mitgearbeitet. Er hält die Kritik für überspannt. "Wir sollten es bei dem Mietspiegel so belassen." Die Nachfrage nach dem Zahlenwerk sei gering. Bisher hätten kaum Vermieter anhand der überarbeiteten Daten die Miete erhöht, so Braun. Ob sich die Arbeitsgruppe "Mietspiegel" nun noch einmal an einen Tisch setzt und die Zahlen ändert, ist unklar. Die Seiten sind verhärtet. Ernst Hofmann, Fachgebietsleiter Wohnhilfen und soziale Angebote in der Stadtverwaltung, kündigte an, ein Infoblatt an den Mietspiegel zur Erklärung anzuhängen. Der Wohnexperte im Rathaus hält den Plauener Mietspiegel für sinnlos, da es keinen funktionierenden Wohnmarkt in der Stadt gebe. Es steht in Plauen zu viel Wohnraum zur Verfügung, sagt Stadtumbauexpertin Antje Härtl. "Der Mieter ist König."

 

Die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt in Plauen gestaltet sich in den nächsten Jahren schwierig. Nachdem die Branche nach der Wende wegen Wegzug einbrach und sich nur langsam erholte, droht in fünf bis zehn Jahren die nächste Leerstandswelle, so die Prognosen im Rathaus. Aktuell sind in Plauen 24 Prozent aller Wohnung frei. Hinzu kommt, dass staatliche Fördermöglichkeiten für Immobilien-Sanierer auslaufen. Wegen den niedrigen Mietpreisen, Plauen hat mit Hof die geringsten Mieten im ganzen Bundesgebiet, haben es Investoren schwer, aus eigener Kraft Gebäude ohne finanzielle Hilfe zu sanieren. Bürgermeister Uwe Täschner formuliert das drohende Problem so: "Wir zehren von der Substanz und wohnen wieder ab." Der Markt sei derzeit verschoben. Ziel müsse es sein, anstatt günstige Mieten, marktfähige Preise zu erzielen, so Antje Härtl.