Plauener Maschinenbau Herold investiert trotz Krise

Plauen - Das Gebäude schlicht-funktional. Ins Innere öffnen sich die Türen selbstständig und geräuschlos. Auf dem Weg zum Beratungs- und Aufenthaltsraum kommt der Besucher an modernen Getränkespendern vorbei, fällt sein Blick auf den Eingang zu einer behindertengerechten Toilette.

 

Willkommen in der Herold Maschinenbau GmbH im Gewerbegebiet Neuensalz. Ob Inhaber Helmut Herold das eingangs Beschriebene als Luxus ansieht, darf bezweifelt werden. Viel mehr wohl als seine Firmenphilosophie, gute Arbeit mit ebensolchen Bedingungen zu würdigen. Am Montag hatten die Mitglieder des Wirtschaftsförderungsausschusses Gelegenheit, sich am nicht mehr ganz so neuen Produktionsstandort umzusehen und die Situation des Unternehmens aus erster Hand kennenzulernen.

Geschichte reicht bis 1923 Einige Plauener werden sich noch an den Sitz des Familienunternehmens in der Stresemannstraße erinnern. Und genau da setzt Herold seinen kurzen Exkurs in die Vergangenheit an. Denn eigentlich begonnen hat die Firmengeschichte 1923, als Großvater Albert Herold eine Werkzeugschleiferei für Sticknadelprodukte gründete. Und bereits da ergeben sich Parallelen ins Heute. "Mein Großvater hat die damalige Krise durch Qualitätsarbeit überstanden", sagt der jetzige Firmenchef.

Wenige Jahre nach dem Krieg führt der Vater den Betrieb weiter, startet mit einer Dreherei. 1988 soll Helmut Herold, bis dato Mitarbeiter der Entwicklungstechnologie der Plamag, die Firma übernehmen. Doch es soll gerade noch ein Jahr dauern, in dem sich Herold geordneter Verhältnisse erfreuen kann. "Unmittelbar nach der Wende waren unsere Erzeugnisse nicht mehr absetzbar", erinnert er sich. "Wir mussten uns ganz schnell neu orientieren."

Startkapital 200 D-Mark Mit einem Startkapital von 200 D-Mark kauft er das Objekt in der Stresemannstraße und mit dem Abstand von 20 Jahren weiß er, dass auf diese Art heute keine Firma mehr zu gründen wäre. Drei Millionen Euro investiert er in den Folgejahren in Maschinen und Fertigung. Bereits kurz nach der Jahrtausendwende ist klar, dass man sich vergrößern muss. Mit dem Neubau auf der "grünen Wiese" im Gewerbegebiet Neuensalz wird 2004 begonnen. Und offenbar hat Herold bisher nichts falsch gemacht. Sein Gedankenansatz: Man muss antizyklisch investieren, sich in schwierigen Zeiten auf bessere vorbereiten. "Wir haben seit der Wende nie Gewinne ausgeschüttet, alle Mittel in der Firma gehalten, weshalb wir momentan auch liquid sind", beschreibt Herold, was der Volksmund unter "Spare in der Zeit, dann hast du in der Not" versteht.

 

Und genau deshalb denkt er jetzt akut über eine neuerliche Erweiterung der Produktionsfläche nach, beschäftigt sich mit neuen Feldern des Maschinenbaus und erneuerbaren Energien. Komponenten für Werkzeug- und Druckmaschinen hat die Herold Maschinenbau bisher gefertigt. Eine Branche, die von der derzeitigen Krise besonders gebeutelt wurde und wird. Und deshalb macht der Chef auch kein Hehl daraus, dass sein Unternehmen keine Insel der Glückseligkeit ist. Anfang des Jahres musste für drei Monaten komplett geschlossen werden, von den 50 Mitarbeitern arbeitet ein Teil kurz. Wohl wissend, dass sie bei Auftragsstabilisierung die ersten sind, die wieder ins Boot geholt werden.

Früchte hängen sehr hoch "Im Maschinenbau hängen die Früchte sehr hoch", weiß Herold, "da kann eine gute Maschine schon mal über eine Million Euro kosten. Zehn Millionen Euro hat er in den letzten Jahren investiert. Was sich im Wortsinne auszahlte, denn seit 1991 bis 2008 konnte der Umsatz in schöner Regelmäßigkeit alle vier Jahre verdoppelt werden. Und nun? Soll ein neuer Hallenkomplex entstehen. Nicht irgendein kleiner Anbau, verdoppelt werden soll die Fläche von derzeit 24 000 Quadratemeter auf 48 000.

 

Und es erweist sich, dass das Gebäude in der Tat schlicht-funktional ist. Mit modularer Bauweise kann der Verwaltungstrakt einfach aufgestockt werden. Das vierte Hallenschiff kann entstehen, ohne die Produktion unterbrechen zu müssen. "Die gegenwärtigen Planungen sind strategischer Natur", erklärt Herold und einmal mehr fällt der Begriff vom antizyklischen Investieren. Weil man in Krisenzeiten nun mal Maschinen und Arbeitsleistungen samt Material billiger bekommt als in "fetten Jahren".

In kurzer Zeit beim Kunden Dass sein Standort auf einem Industrieatlas eher weiß schraffiert ist, also als ungünstige Lage ausgewiesen, weiß Herold. Er weiß aber auch, dass der Weg zu seinen Kunden maximal zwei, drei Stunden beansprucht. Wo also liegt das Problem? Mit seinem Optimismus verblüfft der Firmen-Chef sogar gestandene Ausschuss-Mitglieder. "Die Aufträge sind um die Hälfte zurück gegangen, 30 Prozent der Mitarbeiter mussten vorübergehend entlassen werden, aber ich sehe die Krise als überwindbar an", ist Herold überzeugt.

No Problems? "Die qualifizierten Arbeitskräfte wandern ab", weiß er aus Erfahrung. "Obwohl wir unsere Azubis nach Tarif bezahlen, verlassen uns die Besten nach der Lehre Richtung Altbundesländer." Besonders aber watscht er das Schulsystem ab. 2005 habe man 205 Bewerber gehabt, zwei eigneten sich schließlich, sagt Herold. "Was die Schüler von der Schule mitbekommen ist eine Katastrophe."

Gewerbesteuer knickt ein Und macht es am Beispiel fest. "Wenn jemand keinerlei räumliche Vorstellungskraft besitzt und in den Grundrechenarten versagt, kann ich ihm doch keine Hunderttausende Euro wertvolle Maschine anvertrauen." Als "Sofortmaßnahme" hat Herold jetzt jedem Azubi einen erfahrenen Kollegen zur Seite gestellt. Was in Krisenzeiten auf die Kommune zukommt, ist ihm freilich auch bewusst. "Wir waren immer gute Gewerbesteuerzahler, das ist erst mal vorbei" macht er auf Ausfälle in Größenordnungen aufmerksam. Dass sich das im Falle seines Unternehmens bald wieder ändern wird, daran lässt der agile Bilderbuch-Unternehmer allerdings auch keinen Zweifel. tp