Plauener macht Nationalspieler fit

Sebastian Köhler, Inhaber des Plauener Therapiezentrums "in motio", ist in dieser Woche wieder dienstlich unterwegs - als Physiotherapeut bei den EM-Qualifikationsspielen der deutschen U 21-Fußball- Nationalmannschaft.

Plauen - Lewis Holtby, Sebastian Rode, Kevin Volland - sind oder waren einige der deutschen U21-Nationalspieler, die sich an den "goldenen Händen" von Sebastian Köhler erfreuen und erfreuten. Als einer von drei Physiotherapeuten der deutschen Auswahl kümmert sich der Vogtländer darum, dass die Kicker fit sind. So auch an diesem Freitag, wenn in Wiesbaden das nächste EM-Qualifikationsspiel gegen Montenegro ansteht. Bereits am Montag reist das Team an. "Am ersten Tag steht traditionell ein medizinischer Check an", so Köhler. Es werde unter anderem geschaut, ob der Spieler das eine oder andere Wehwehchen aus dem vergangenen Meisterschaftsspiel mitbringt.

Bei jedem Training - zwei Mal täglich - ist das medizinische Betreuerteam dabei. Das besteht aus zwei Ärzten und drei Physiotherapeuten. Neben Sebastian Köhler sind die beiden Regensburger "Physios" Jan Kerler und Joachim Schmidt für die Kicker- Waden und mehr zuständig. "Von 8 Uhr bis Mitternacht ist immer jemand da, der sich um die Spieler kümmert", so Sebastian Köhler. Der 38-Jährige hat seine Karriere beim Deutschen Fußballbund in der Saison 2009/10 begonnen - zunächst beim U 15-Nationalteam, das von Frank Engel betreut wird. 2011 half er erstmalig bei der U21 aus. Seit der aktuellen Saison 2013/14 gehört er fest zum Team, hat den deutschen Nachwuchs in diesem Jahr im Juni bei der Europameisterschaft in Israel mit betreut.

"Das ist wie ein Traum und jedes Mal etwas Besonderes", so Köhler. "Es sind gute Jungs, die sofort merken, wenn man sich Mühe gibt", fügt er hinzu. Man wachse bei jeder Begegnung mehr und mehr zusammen. Während des Spieles wird von der Bank geschaut, ob alle Spieler "rund laufen". Dass er dabei aber auch Fan ist, versteht sich fast von selbst. Und dass die Physiotherapeuten nach einer Niederlage auch mal Trost spenden - ebenfalls. "Zu einem perfekten Umfeld gehört auch das Funktionsteam dazu", davon ist Köhler überzeugt. Profis sind eben nicht nur auf dem Platz am Werk - sondern auch außerhalb.

Die Arbeit so gut wie möglich machen - nicht nur bei der U 21. Das ist der Anspruch Köhlers. Der gute Ruf des Therapiezentrums in Punkto Sport-Rehabilitation hat sich herumgesprochen. In Sachsen und über die Landesgrenzen hinaus. So ließ sich Langlauf-Hoffnung Franz Göring im Mai und August dieses Jahres bei den Profis in Plauen fit machen für die bevorstehenden Olympischen Spiele in Sotschi. "Wir sind individuell für den Sportler da. Auch am Sonntag und Feiertag", betont Köhler. Hiesige Sport-Asse wie Andre Wagenknecht (Mountainbike) oder Jana Richter (Triathlon) zählen zu den "in motio"-Kunden - genauso wie die Fußballer des VFC Plauen, die Handballer des HC Einheit oder die Homesquad-Basketballer der Spitzenstadt. Mit Tobias Gatter und Christian Kaiser kümmern sich zudem zwei "in motio"-Therapeuten um die deutschen U 19-Fußball-Auswahl. Nick Bauer macht seit drei Jahren die U23-Nationalmannschaft der Kanuten fit. "Wir haben viele ambitionierte Therapeuten im Sportbereich. Da kann sich auch künftig einiges ergeben", so Sebastian Köhler.

Täglich zu Gast bei "in motio" in der Plauener Bahnhofstraße ist seit rund zwei Wochen Ivan Gonzalez. Der Neuzugang des FC Erzgebirge Aue hat sich in seiner ersten Partie für die Veilchen einen Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen und wird täglich mehrere Stunden lang behandelt, damit der Ex-Kicker von Real Madrid schnell wieder einsatzfähig wird. Hauptsächlich von Nick Bauer, der auch beim Training der Veilchen dabei ist. In Plauen ansässig - fast in der Nachbarschaft - ist auch Gonzalez? behandelnder Arzt Dr. Karsten Albig. "Die Nähe und der kurze Dienstweg sind optimal", so Köhler, der sich äußerst lobend über seinen Patienten äußert: "Er ist willig, diszipliniert und nimmt seine Reha sehr ernst. Das zeichnet einen Profi aus".

In Plauen geht der Spanier aber nicht nur zur Behandlung, sondern auch zu einem Deutschkurs. Da Gonzalez kein Englisch spricht, ist bei seiner Reha übrigens mitunter eine Dolmetscherin dabei. Vor zehn Jahre hat Sebastian Köhler "in motio" eröffnet - mit damals drei Angestellten. Heute sind es über 40. "Das hätte ich mir damals nicht träumen lassen. Jetzt gilt es, das Erreichte die nächste Jahre zu halten", sagt der gebürtige Rodewischer, der übrigens 1999 den besten Physiotherapeuten Abschluss von ganz Sachsen gemacht hatte. Und wer weiß: Vielleicht sieht man Sebastian Köhler ja auch in Zukunft irgendwann im Fernsehen zur besten Sendezeit im Einsatz - bei einem Länderspiel der deutschen A-Nationalmannschaft.