Plauener löscht Brand beim Nachbarn

Plauen - "Ich würde es noch einmal machen", sagt Hans-Jürgen Riedel. Der couragierte Plauener löschte in Eigenregie die brennende Wohnung seines Nachbarn und verhinderte so einen möglichen Großbrand.

 Als das Feuer ausbrach befanden sich keine Personen in der Wohnung. Die Flammen hätten sich auf alle Räume ausbreiten können, wenn Hans-Jürgen Riedel eine Etage höher in seiner Küche nicht plötzlich einen beißenden Geruch wahrgenommen hätte. Es war Samstagabend gegen 11 Uhr. "Ich dachte erst, dass etwas bei mir schmort. Meine Frau und die Kinder haben schon geschlafen. Als ich in der Küche dann das Fenster aufmachte, kamen mir schon dicke Qualmwolken entgegen." Sofort rannte der 55-Jährige zur unteren Wohnung, klopfte und klingelte an der Tür. Doch keiner machte auf. Noch wusste der mutige Plauener nicht, dass niemand da ist.

 Das Feuer sah er schon vom Fenstern im Treppenhaus aus. "Dann habe ich Anlauf genommen und die Tür eingetreten. Eine dicke Nebelwand kam mir entgegen." Ohne zu überlegen steuerte Hans-Jürgen Riedel zur Küche, die bereits in Flammen stand. Er schnappte sich Handtücher, Kleidungsstücke und wässerte sie in der Badewanne. Mit den nassen Sachen wollte er den Kampf mit den Flammen antreten. "Am Anfang hatte ich Panik, ob das klappt." Die Küche wurde fast vollständig zerstört. Riedels-Plan schien aber aufzugehen. Nach etwa 20 Minuten hatte der Plauener den Brand unter Kontrolle und gelöscht. Feuerwehr und Polizei waren noch nicht da, "die habe ich erst danach angerufen", sagt Riedel dem Vogtland-Anzeiger.

 Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Vermutet wird ein technischer Defekt eines Wasserkochers. In der Wohnung wohnt die Familie Dhifallah aus Tunesien. Erst am nächsten Tag erfuhren sie vom Küchenbrand und das ihr Nachbar die Flammen selbst mit eigenen Händen löschte. "Wenn Riedel nicht da gewesen wäre, hätte es eine Katastrophe gegeben", sagte der Nachbar. Er schätzt das seine Schwiegermutter noch einmal für die Kinder mit dem Wasserkocher Tee gemacht hat, bevor sie alle die Wohnung verlassen hatten. Die größten Schäden hat die Familie Dhifallah seit dem Brand am vergangenen Samstag bereits wieder behoben. "Viermal haben wir die Wand schon überstrichen." Die Nacht nach dem Brand konnte die Familie noch nicht wieder in der Wohnung schlafen, so intensiv waren die Gerüche der Flammen noch. mar