Plauener lebt in verwahrloster Wohnung - tote Tiere

Am 23. September 2008 informierten Mieter eines Mehrfamilienhauses an der Karolastraße in Plauen den Hauseigentümer, weil aus einer Wohnung im ersten Obergeschoss unerträglicher Verwesungsgeruch drang.

 

Die hinzu gerufene Polizei öffnete die Tür und fand die Wohnung in einem vollkommen verwahrlosten und verdreckten Zustand vor. Besonders erschütternd: Unterm Wohnzimmertisch lag der fast vollständig skelettierte Leichnam eines Hundes. "Das Fell war noch drauf. Wir haben uns dann noch weiter umgeschaut und auch noch eine kleine tote Ratte gefunden", erinnerte sich ein Polizeibeamter an die Situation vor Ort. Wegen strafbarer Tiertötung in zwei Fällen musste sich jetzt der erwerbslose Hilfskoch Ron (32, Name geändert) vorm Amtsgericht Plauen verantworten.

Für Staatsanwalt Gernot Güßregen war die Sache klar: Wohnungsinhaber Ron ließ den Schäferhundmischling und auch die Ratte auf jämmerliche Weise verhungern und verdursten. Dafür sprach auch der sonstige Zustand der Wohnung. Überall lag Hundekot herum. Eine CD-Box und andere Einrichtungsgegenstände waren umgeworfen worden: Alles Anzeichen, die dafür sprachen, dass hier ein verzweifeltes Tier sich selbst überlassen wurde. "Das sieht ganz so aus, als ob der Hund langsam verrückt gespielt hat, weil er so lange alleine war", schätzte Richter Josef-Martin Oppermann ein. Da wirkte die Version des Angeklagten wenig glaubhaft, wonach der Vierbeiner am 15. Juli 2007 eines natürliches Todes gestorben sei. Er habe ihn noch einmal gestreichelt und danach die Wohnung verlassen, erklärte Ron. Die Ratte sei schon vorher verschwunden gewesen. Fortan lebte der Beschuldigte bei einer jungen Frau in der Fabrikstraße. Nach eigenem Bekunden kehrte er kein einziges Mal mehr in die Karolastraße zurück.

 

Der Staatsanwalt sah die Schuld des Angeklagten als erwiesen an. Er beantragte die Verhängung einer Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen zu je 16 Euro, also unterm Strich 1920 Euro. Diesem Antrag entsprach der Richter in seinem Urteil in vollem Umfang. Außerdem wurde Ron das Halten von und jeglicher sonstige Umgang mit Tieren für die nächsten drei Jahre untersagt. Wie das realisiert werden soll, bleibt allerdings unklar: Im Haushalt seiner Gefährtin, einer mehrfachen Mutter, leben auch ein Hund und eine Katze. S.G.