Plauener Kriegsnachwehen

Es ist der 54. Einsatz seit 1990 zur Entschärfung einer Weltkriegsbombe in Plauen. Gefunden wurde das teilintakte Fragment einer 250-kg-Bombe vorgestern bei Tiefbauarbeiten in der Bismarckstraße. Am Donnerstag gegen 11 Uhr rückte die Kampfmittelbeseitigung aus Dresden an.

Von Marko Wild

Nach Kriegsende wies das Stadtgebiet rund 12.600 Bombentrichter auf und Plauen war keine Großstadt mehr. In 14 Angriffen (wikipedia/G. Naumann) warfen US und Royal Air Force zwischen September 1944 und April 1945 knapp 5000 Tonnen Bomben auf die vogtländische Metropole. Damit war Plauen von allen sächsischen Großstädten der höchsten Bombenlast pro Quadratkilometer ausgesetzt. Bis heute werden Blindgänger ausgegraben.
Der vorgestern in der Bismarckstraße gefundenen 250-kg-Bombe wurde noch ein Fünftel ihrer ursprünglichen Sprengkraft zugetraut. Stark genug, um im Umkreis eines halben Kilometers Schäden anrichten zu können. Etwa 1500 Anwohner mussten deshalb ab gestern Mittag ihre Wohnungen verlassen und für die Dauer der Entschärfung bei Verwandten oder in der Festhalle Quartier beziehen. Letzteres Angebot nahmen rund 100 Plauener an. Gegen 16:50 Uhr schloss ein Drohnenflug über das Gebiet die Evakuierung ab. Als niemand mehr zu sehen war, begann die Entschärfung.


Da auch das Vogtlandklinikum zum Teil im Gefahrenbereich lag, sich hier eine Evakuierung jedoch schwierig gestaltete (bzw. "zu vermeiden war", wie es in einer Pressemitteilung der Stadt hieß), errichtete die Plauener Baufirma Keßler einen Schutzwall aus Betonquadern und Verbau-Wänden, der den möglichen Detonationsdruck gegen das Klinikum abschirmen sollte.


Das städtische Katastrophenmanagement setzte ab Mittag den Straßenbahnverkehr aller Linien im Gefahrenbereich aus. Kemmler-Oberschule und Astrid-Lindgren-Grundschule stellten ab 11 Uhr ihren Unterricht ein, Supermärkte schlossen ihre Pforten, ebenso die Zulassungsbehörde in der Reichenbacher Straße. Pflegebedürftige konnten über ein Bürgertelefon Bedarf auf Hilfe anmelden und wurden in einer vom Rettungszweckverband koordinierten Aktion von verschiedenen Rettungsdiensten abgeholt. Im Einsatz waren insgesamt 250 Männer und Frauen aus Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren, der Polizei, Rettungskräften, städtischen Mitarbeitern, sowie 4 Mann vom Kampfmittelbeseitigungs-Team aus Dresden.
Das eigentliche Werk ging dann zügig und ohne Zwischenfälle vonstatten: Punkt 17:30 Uhr war die Bombe entschärft. Stadtsprecherin Silvia Weck gab die Meldung mit gelöster, freudiger Stimme durch.