Plauener Kitaleiterin wendet sich an Wöller

Mit einem offenen Brief hat sich die Leiterin der Kita "Pusteblume" an Kultusminister Roland Wöller gewandt. Eine Antwort steht noch aus.

Elke Ordnung ist keine Frau, die ihre Meinung lautstark formuliert oder gar an Drohungen knüpft. Wenn ihr der "Kragen platzt", findet sie immer noch respektvolle, sachliche Worte. Wie in dem Brief, den die Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte "Pusteblume" vorige Woche an Kultusminister Roland Wöller formulierte.

 

Hauptanliegen: Die Entscheidung der Landesregierung, das bisher beitragsfreie Vorschuljahr an Einrichtungen in freier Trägerschaft zu streichen. "Bei aller Ihnen gebührenden Achtung" ... möchte ich mir dennoch erlauben", "meine Enttäuschung und Kritik zum Ausdruck zu bringen", schreibt Frau Ordnung. Geholfen hat ihr die Achtung vor dem Minister bislang nichts. Denn eine Antwort sei bisher nicht eingetroffen, und auch seitens der Landtagsfraktionen, die sie ebenso wie die Fraktionen des Plauener Stadtparlamentes anschrieb, gibt es mit Ausnahme der SPD keine Reaktion.

Dabei will die Pädagogin die sächsische Bildungswelt nicht aus den Angeln heben und gleich gar nicht eine Revolution anzetteln. "Sachsens Bildungsplan ist inhaltlich wunderbar", sagt sie, "nur die Rahmenbedingungen stimmen nicht, da muss was verändert werden". Diese Meinung teilt sie übrigens auch mit der Stadtverwaltung, die ebenfalls Kitas in Trägerschaft besitzt. Im Schreiben an Wöller macht sie darauf aufmerksam, dass die Rücknahme des beitragsfreien Vorschuljahres zwar alle Familien unvorbereitet und massiv treffe, vor allem aber einkommensschwache.

 

Als die Entscheidung für das beitragsfreie Jahr vor der Landtagswahl getroffen wurde, habe sie sich dagegen gewehrt, dies als Wahlgeschenk zu verstehen. Gerade diese Sicht dränge sich ihr mittlerweile aber auf, wenn die Beitragsfreiheit so plötzlich beendet wie beschlossen wird. Die Konsequenz daraus werde vermutlich sein, dass etliche Kinder aus finanziellen Gründen der Eltern die Einrichtung nur noch sechs statt bisher neun Stunden besuchen werden. Es zeichne sich somit nicht nur eine soziale Ausgrenzung der Vorschulkinder aus diesen Familien ab, gleichzeitig drohe auch ein Personalabbau in allen sächsischen Kitas.

Kritik übt die Pädagogin vor allem auch an dem noch immer unveränderten Personalschlüssel, hier sei die Schmerzgrenze inzwischen erreicht. Ursprünglich war geplant, Minister Wöller heute den Bildungsplan symbolisch zurückzugeben, doch auch mit Vermittlung von CDU-Landtagsabgeordneten Frank Heidan habe sich kein Termin bei Wöller finden lassen. "Also hatten wir keinen Adressaten für die Aktion", sagt Frau Ordnung und fügt - wieder ganz die verantwortungsbewusste Kita-Leiterin - hinzu, man wolle ja auch keine falschen Signale setzen. Andererseits: Eine Reaktion noch vor Weihnachten fände sie schon toll.