Plauener Kinderklinik hat neue Chefärztin

lauen - Generationenwechsel in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Helios Vogtland-Klinikum: Chefärztin Dr. Simone Pötzsch tritt die Nachfolge von Dr. Jürgen Quietzsch, der nach 39 Dienstjahren in den Ruhestand geht. Mit Oberarzt Dr. Matthias Heiduk gibt es einen weitere Spezialisten in die Kinderklinik.

 

Zwei Jahrzente lang war Dr. Quietzsch, der von der Kinderklinik seiner Heimatstadt Chemnitz ins Vogtland kam, Chefarzt im Vogtland-Klinikum Plauen. Nach 39 Dienstjahren heißt es nun für den 65-Jährigen, Abschied vom Klinikleben zu nehmen. Na, nicht ganz. Drei Mal in der Woche - montags, dienstags und donnerstags jeweils von 13 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung - wird der verdiente Kinderarzt seine Spezialsprechstunde zu Rheumatologie, Immunologie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Nierenerkrankungen in seinem bisherigen Dienstzimmer fortführen. Das war sein Wunsch und vor allem der seiner vielen Patienten von 0 bis 18 Jahren, die aus ganz Sachsen, Franken und Thüringen zu ihm kommen. "Es gibt sehr wenige Kinder-Rheumatologen. Und so hatte ich bislang im Quartal bis zu 200 Rheumapatienten, die oft jahrelang in Behandlung bleiben müssen", erzählt Dr. Quietzsch, der in seiner medizinischen Arbeit immer darauf Wert legte, dass ein Kind kein kleiner Erwachsener ist.

 Mit Dr. Simone Pötzsch, die zum 1. Januar als Chefärztin der Kinderklinik berufen wurde, kam nach Aussage von Geschäftsführer Marcus Sommer eine weitere Spezialistin nach Plauen. Dr. Pötzsch besitze eine Schwerpunktanerkennung für Neuropädiatrie (Nervenerkrankungen bei Kindern) sowie die Zusatzbezeichnung Kinder-Endokrinologie (hormonelle Erkrankungen) und -Diabetologie. Alles medizinische Bereiche der Kinderheilkunde, die in Plauen bisher nicht in dem Umfang abgedeckt werden konnten.

 Seit Anfang April 2010, zwei Tage bevor Dr. Quietzsch seinen 65. Geburtstag feierte, ist die Kinderärztin im Vogtland-Klinikum. Über Umwege kam Dr. Pötzsch so ins Vogtland zurück. 1969 in Rodewisch geboren ging sie nach dem Abitur in Klingenthal und einem Krankenpflegevorpraktikum in Rodewisch im Wendejahr 1989 zum Medizinstudium an die Uni Magdeburg. 1995 legte sie dort ihr Staatsexamen ab. In den Jahren danach war Dr. Pötzsch Assistenzärztin und Fachärztin an der Universitätskinderklinik Magdeburg. Bis zu ihrem Wechsel nach Plauen war sie Ärztliche Leiterin des Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt an der Medizinischen Fakultät der Uni Magdeburg. "Der Kontakt ins Vogtland ist nie abgerissen. Und so habe ich nicht lange nachgedacht und die neue Herausforderung angenommen. Derzeit wohne ich wieder in meinem Heimatort Hammerbrücke. Mein 18-jähriger Sohn indessen ist in Magdeburg geblieben, besucht dort die 12. Klasse", sagte die alleinerziehende Mutter. "Ich habe mich inzwischen gut eingelebt. Mir gefällt die engere Bindung von Patienten und Medizinern in so einem im Vergleich zur Uniklinik kleineren Haus. Auch die Abläufe sind hier schneller und flexibler. Außerdem hatte ich mit Dr. Quietzsch einen super Kollegen, von dem ich mir vieles in dem dreiviertel Jahr enger Zusammenarbeit abgucken konnte. Ich möchte gerne seinen Stil und seine Arbeitsweise weiter mit transportieren", sagte die 41-Jährige. 49 Betten hat die Kinderklinik. In ihr arbeiten zehn Ärzte und 31 Schwestern. "Wir sind ein relativ junges Team", sagte die neue Chefärztin, die sich aus Magdeburg gleich noch Verstärkung mitgebracht hat. Oberarzt Dr. Matthias Heiduk bringt als Kinder-Gastroenterologe (Subspezialist für Magen-Darm-Erkrankungen) und ausgewiesener Neonatologe (Betreuung von Frühgeburten) weitere Spezialkenntnisse in der Kinderheilkunde nach Plauen.

 "An der Universitätsklinik muss man sich irgendwann entscheiden, ob man forschen oder klinisch arbeiten will. Vier Jahre habe ich die Entscheidung vor mich hergeschoben. Als dann Frau Pötzsch nach Plauen ging, habe ich ihr gesagt, sie solle mal die Ohren aufsperren, ob es im Vogtland für mich Arbeit gebe. Dass schon nach einer Woche ein Ja von ihr kam, hatte ich nicht erwartet", sagte der aus Schönebeck stammende Dr. Heiduk mit einem Lachen. "Dr. Quietzsch hatte ich bereits von Vorträgen in der Kinder-Gastroenterologie gekannt und ebenso von Tagungen die Plauener Kinderklinik. Mittlerweile wohne ich in Plauen und es gefällt mir im Vogtland sehr gut", fügte der 38-Jährige hinzu. Gegenwärtig laufen die Prüfungen zu Möglichkeiten, auch eigene Spezialsprechstunden in seinen Fachbereichen abzuhalten.  Das ist das, was sich Geschäftsführer Sommer, der seit einem Jahr am Helios Vogtland-Klinikum ist, stets vorstellte. "Ich möchte, dass jeder Kranke im Vogtland-Klinikum betreut werden kann, ob stationär oder ambulant", sagte er auch gestern bei der Vorstellung der neuen Mitarbeiter. Und dazu soll mit der Fertigstellung des neuen Bettenhauses Ende Mai diesen Jahres und dem Umzug der Kliniken, zu denen auch die Kinderklinik gehört, Nägel mit Köpfen gemacht werden. "Wir planen ein Ärztehaus auf dem Klinikgelände. Dort sollen alle medizinischen Versorgungszentren, die wir bislang schon etabliert haben, zusammengefasst werden", sagte Sommer.

 Gemeinsam mit dem Ärztlichen Direktor, Prof. Dr. Lutz Kowalzick wünschte der Geschäftsführer der Chefärztin und dem Oberarzt alles Gute und bedankte sich sogleich für das fachliche und menschliche Wirken des scheidenden Chefarztes Dr. Quietzsch. "Ihm ist es zu verdanken, dass die Kinderklinik über die grenzen des Vogtlandes hinaus einen guten Ruf besitzt", sagte er. Der 65-Jährige wird mit einem wissenschaftlichen Symposium am 5. Februar würdig verabschiedet. "Dazu haben wir deutschlandweit Kinder- und Jugendmediziner eingeladen. Namhafte Referenten und langjährige berufliche Wegbegleiter werden über aktuelle Aspekte der Kinder-Rheumatologie und -Gastroenterologie berichten", blickte Sommer voraus.

 Dr. Quietzsch freute sich über die Anerkennung seiner Arbeit und verwies aber zugleich darauf, dass alles Erreichte auch seinem engagierten Team zu verdanken sei. "Ich bin zuversichtlich, dass die Plauener Kinderklinik ihren guten Ruf immer weiter ausbauen kann. Und dazu setze ich auf die neue Generation, die jetzt das Steuer in der Hand hält." M. T.