Plauener ist Pendler zwischen Gerichten

Der Plauener Marcus F., einst Präsident der Motorrad-Rocker MC Gremium, sieht sich gleich zwei schwerwiegenden Anklagen gegenüber - in Zwickau und Cottbus.

Zwickau/Plauen - Marcus F. ist derzeit sehr mit Reisen beschäftigt. Der 29 Jahre alte Plauener pendelt ständig zwischen Zwickau und Cottbus hin und her. Allerdings tut er das weder freiwillig, noch kann er die Reiseroute oder das Fahrzeug selbst bestimmen. Das Ziel ist in beiden Städten das jeweilige Landgericht und das Fahrzeug ein Gefangenentransporter, der ihn von einer Haftanstalt in die andere bringt.

Der stark tätowierte Motorradrocker sieht sich derzeit gleich mit zwei schwerwiegenden Anklagen konfrontiert. In Zwickau muss er sich seit dem 7. Januar unter anderem wegen Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Einen Tag zuvor bereits hatte in Cottbus ein Strafverfahren begonnen, in dem ihm die Beteiligung an versuchtem Mord, räuberischer Erpressung und schwerem Landfriedensbruch vorgeworfen wird. Wie in Zwickau sitzt er gemeinsam mit drei weiteren mutmaßlichen Tätern auf der Anklagebank. Unter ihnen ist auch ein weiterer junger Mann, der bis zu seiner Inhaftierung in Plauen lebte und dem inzwischen verbotenen Motorradklub MC Gremium angehörte. Bis zur zwangsweisen Auflösung der Truppe war Marcus F. in der Vogtlandstadt deren Präsident.

Nach der Cottbusser Anklageschrift haben F. und sein Kumpan auch in Brandenburg eine Spur der Brutalität hinterlassen. Unter anderem sollen die beiden nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder an einem Mordversuch in Königswusterhausen beteiligt gewesen sein. Gemeinsam mit etwa 40 Männern einer Rockerbande aus Brandenburg haben sich die beiden Plauener in der Nacht vom 30. zum 31. Dezember 2011 Zutritt zu einer Diskothek verschafft - ohne jedoch auch nur einen Cent Eintritt bezahlt zu haben.

Ihr Ziel sei es gewesen, Mitglieder verfeindeter Rockergruppen aufzuspüren und "aufzumischen". Als sie in der Disco keine fanden, versetzten sie die Gäste durch ihr Verhalten in Angst und Schrecken, bevor sie wieder abzogen. Später entdeckten sie einen 16-jährigen Jugendlichen, den sie für ein Mitglied der verhassten Hells Angels hielten. Das jedoch stellte sich als Irrtum heraus. Offen ist, ob sie ihre Fehleinschätzung während der blutigen Attacke bemerkten.

Der Staatsanwalt geht davon aus, dass sie den Jungen verfolgt und schließlich überfallen haben um ihn zu demütigen und zu töten. Marcus F. wird dabei vorgeworfen, mehrfach mit einem Schlagring auf den Kopf des Jugendlichen eingeschlagen zu haben. Der andere Angeklagte aus Plauen soll mit einem Messer zugestochen sowie mit einem Gegenstand auf das Opfer eingeprügelt haben. Alle an der Tat Beteiligten hätten erst von dem 16-Jährigen abgelassen, als sie annahmen er sei tot oder werde an seinen Verletzungen sterben. Nur durch eine Notoperation konnte das Leben des Jugendlichen gerettet werden.

Wie auch in Zwickau sind in Cottbus eine ganze Reihe von Zeugen, darunter der Geschädigte, vom Gericht angehört worden. Termine hat die erste Strafkammer des dortigen Landgerichtes bereits bis zum 28. März festgelegt. "Ob bis dahin ein Urteil ergehen wird, kann heute noch nicht gesagt werden", sagte Pressesprecher Frank Merker. In Zwickau könnte das schneller gehen. Anfang Februar ist hier die Urteilsverkündung geplant. Danach wird zumindest die Reiselust von Marcus F. gebremst werden.