Plauener Grundschule feiert Jubiläum ausgiebig

Samstag nachmittag. "Wann geht die Party denn richtig los?" Die Frage ruft ein kleiner Bursche nach der Rede des Rektors Uwe Schmidt laut mitten in die Festgästerunde der Turnhalle. Die Kinder mit weißen und blauen T-Shirts springen von ihren Plätzen auf und tanzen ausgelassen zu lateinamerikanischen Sommerrhythmen, den älteren Herrschaften auf den Stühlen entlockt die Szene ein Mitwippen der Beine und Beifallsbekundungen.

Aufwändig und einfallsreich haben die Schulkinder, ihre Lehrerinnen, der Schulleiter, der Hausmeister, Eltern und weitere Helfer ihre Schule in eine einzige Party-Lern-Feierzone umfunktioniert. Bunte Tücher, Blumen, Plakate, Infostände, Hinweisschilder, Weg weisende Linien auf den Fußböden. Im Speiseraum lockt ein Riesen-Torten-Kuchen-Bufett.

Die Schule hat gleich zwei Gärten, im vorderen wird getanzt und gesungen, es kann im Verkehrsrondell mit Miniautos herumgekurvt werden, auf einem großen Grill duften Roster und Steaks, mancher Papa stillt seinen Durst entspannt mit einem Bierchen, was der Chef der hiesigen Brauerei höchst selbst zapft. "Klar, mache ich doch gern, ich hab ja schon lange eine Verbindung hier zur Schule, meine Frau arbeitet hier", sagt Jörg Sachse.

Im zweiten Garten, dem Sportbereich, haben fleißige Erwachsene etwas Besonderes aufgebaut: eine Sommerschlittschuh-"Eisbahn", eine Fläche, die aus glatten weißen Spezialplatten zusammengefügt ist den Läufern ein Gefühl vermittelnd, auf Eis Bahnen zu ziehen. Vorsichtig, behutsam und nach und nach mutiger werdend, rutscht es sich mehr und mehr erbaulich auf diesem herrlichen Areal.

1992 wurde die Einrichtung zur Grundschule umgestaltet. 2005 bis 2007 erhält die Schule ihr jetziges, modernes Aussehen. Und der Namensgeber? Seine Freunde nannten ihn Mohr, er kämpfte gegen Kinderarbeit, er liebte Kinder, war Wissenschaftler und Denker. Karl Marx, ein Mann mit weißem Rauschebart und gutmütigem Blick. Die Infos lesen Besucher auf einer Tafel im Erdgeschoss. Im Eingangsbereich schaut der Marx von einem Gemälde auf die Festgesellschaft.

1962 begann das Lernen in der Karl-Marx-Oberschule. Einer von den ersten Schülern ist am Samstag auch vor Ort. Friedbert Sammler heißt er. Und wie das Leben spielt, ist der Schüler von einst jetzt ein Lehrer, der sogar an dieser Schule unterrichtet. "Ich bin der Werklehrer für zwei Tage", sagt der Pädagoge. Wie war das damals eigentlich, Herr Sammler? "Am 2. September 1962 bin ich hier eingeschult worden. Ich habe eine gute Grundbildung erhalten und erinnere mich auch, dass zu damaligen DDR-Zeiten das Politische, Ideologische auch sehr hochgehalten wurde und unser Direktor, Herr Damisch, sehr streng war."

Ein Funkeln in den Augen blitzt auf, als Friedbert Sammler von der Jugendzeit berichtet: "Lange Haare trugen wir, die 'Matte' sollten wir öfters kürzen, doch wir standen zur aufkommenden Flower-Power-Zeit im FDJ-Hemd und langen Haaren auf dem Schulhof. Es war eine schöne Zeit mit großem Zusammenhalt, der bis heute besteht." Denn wie die Zeit vergeht, so Sammler, im September 2012 feiern er und seine "Karl-Marxer" 40 Jahre Schulaustritt zum Klassentreffen im Malzhaus. Das Fest läuft. Die kleine Lena Schicketanz singt und rappt mit ihren Schulkameraden: "Die Karl Marx Schule - die ist eine ganz, ganz coole!" Da hätte der Mohr mitgerappt.