Plauener erpresst Freundin mit Urne

Eine angeblich mit der Urne ihres verstorbenen Sohnes erpresste Frau hat zum Prozessauftakt am Donnerstag jegliche Tatbeteiligung bestritten. Vor dem Amtsgericht Gera zeigte sie sich entsetzt über den Vorwurf, gemeinsam mit dem Angeklagten eine Erpressung vorgetäuscht zu haben. "Das ist schockierend und nicht wahr", sagte die 50-Jährige. Zuvor hatte der Angeklagte eingeräumt, die Erpresserbriefe geschrieben zu haben. Damit habe er aber nur seiner damaligen Lebensgefährtin helfen wollen, die Urne ihres verunglückten Sohnes ohne Aufsehen zurückzubringen, nachdem sie plötzlich in ihrem Besitz gewesen sei.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-jährigen gebürtigen Thüringer, der inzwischen in Plauen lebt, Störung der Totenruhe und versuchte Erpressung vor. Er soll im Juli vergangenen Jahres die Urne mit der Asche des bei einem Unfall ums Leben gekommenen Sohnes seiner Lebensgefährtin auf dem Friedhof in Sorge-Settendorf im Landkreis Greiz ausgegraben haben, um 10 000 Euro zu erpressen. Zur Übergabe des Geldes war es nicht gekommen.

Die Frau sagte weiter, über das Verschwinden der Urne fassungslos gewesen zu sein. Sie habe anfangs niemanden im Verdacht gehabt. Allerdings hätte sie das Ausgraben der Urne ihrem Ex-Mann zugetraut, der inzwischen verstorben sei. Dieser sei psychisch krank gewesen und habe bereits ein anderes Grab verwüstet.

Erst später habe sie begonnen, ihren Lebensgefährten zu verdächtigen, als dieser merkwürdige Fragen stellte, sagte die Frau. Dennoch sei sie fassungslos gewesen, als die Polizei die Urne im Auto des Mannes fand. Den Kontakt zu ihm habe sie trotzdem zunächst nicht abgebrochen. Sie habe nicht glauben wollen, dass ihr Partner sie mit der ausgegrabenen Urne erpresse. Inzwischen hätten sie sich aber getrennt.

Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt angegeben, dass die Erpressung nur vorgetäuscht gewesen sei und er die fingierten Briefe geschrieben habe. Am Tag des Verschwindens der Urne sei er auf dem Friedhof gewesen, um Blumen am Grab niederzulegen. Beim Verlassen sei er dann dem Ex-Mann seiner Lebensgefährtin und Vater des verstorbenen Sohnes begegnet. Mit dem Ausgraben habe er jedoch nichts zu tun. Vielmehr habe ihm die Frau irgendwann mitgeteilt, dass sie die Urne habe und nicht wisse, wie sie sie zurückbringen könne.

Woher sie das Gefäß hatte, habe sie nicht gesagt. Um ihr zu helfen, sei dann die Idee mit der vorgetäuschten Erpressung entstanden. Irgendwann habe er in seiner Garage ein Paket mit der Urne gefunden und sei damit auf Arbeit gefahren. Wer sie dorthin gestellt hat, wisse er nicht. Auf seiner Arbeitsstelle habe die Polizei das Gefäß dann sichergestellt. Nach Aussage eines Polizeibeamten ist noch immer unklar, wer die Urne stahl. Die ehemalige Betreuerin des Ex-Mannes der Frau gab an, dass sie den mittlerweile verstorbenen Vater des Kindes verdächtige. Der Prozess soll mit weiteren Zeugenvernehmungen am 9. Oktober fortgesetzt werden. va