Plauener erfolgreicher Krisenmanager

Plauen - Fachleute sind unbezahlbar, nicht umsonst genießen deutsche Ingenieure im Ausland hohes Ansehen. Wie wertvoll dieses Wissen sein kann, zeigt sich auch im Falle von Diplom-Ingenieur Rainer Vollstädt, Sachverständiger für Schäden an Gebäuden.

Geboren 1950 in Plauen, wohnt er noch heute hier, wenn er mal nicht in den Krisengebieten der Welt unterwegs ist. Der 60-Jährige ist seit dem Elbehochwasser im Jahr 2002 als Krisenmanager ein sehr gefragter Fachmann. "Damals half ich als Ingenieur im Raum Pirna und Glashütte, kümmerte mich um die Wasserversorgung und Wiederherstellung des Versorgungssystems", blickt der hagere Sachverständige zurück.

Aufgrund der fachlichen Qualitäten und des zielorientierten Arbeitens rückte der Plauener immer mehr in den Kern des ADRA-Krisenteams. Dabei handelt es sich um eine Hilfsorganisation der evangelischen Freikirche der "Siebenten Tags Adventisten". Diese gehört neben "Malteser", dem "Arbeiter Samariter Bund" oder "Die Johanniter" zum Bündnis der zehn Organisationen, die sich unter dem Dach der "Aktion Deutschland hilft" immer wieder um die Krisenherde der Welt verdient macht.

Im Herbst 2009 fegte ein Taifun über die Philippinen, eines der ärmsten Länder der Welt. Natürlich klingelte auch in Plauen das Telefon. Rainer Vollstädt hängste seinen Beruf vorübergehend an den Nagel und betätigte sich als Helfer in der Not. Anfang Januar kehrte der Vogtländer von den Philippinen zurück und wurde prompt r Ende Januadirekt ins Katastrophengebiet nach Haiti ge schickt. Sein Einsatz war auf einen Monat begrenzt und verlängerte sich schließlich auf insgesamt vier Monate. "Bilder aus dem Fernsehen waren noch harmlos gegenüber den verheerenden Bedingungen, die ich vorfand", beschreibt Vollstädt die Lage vor Ort. Mit einem Team suchte sich die Hilfsorganisation einen Ort, der noch nicht versorgt war und begann umgehend mit der Wiederherstellung der Grundversorgung. Petit Goave, etwa 25 Kilometer von der Hauptstadt Port-au-Prince, wurde zum Camp ernannt. "Der Ort lag im Epizentrum des Erdbebens, dementsprechend sah es auch aus" schaut der Plauener zurück.

 

Die Wasserlöcher enthielten katastrophale Wasserqualitäten, aber die Menschen nutzen diese trotzdem. So begann man zunächst mit der einfachen Wasseraufbereitung. Nach wenigen Tagen wurde auch die georderte Pumpe mit Wasseraufbereitungsanlage eingeflogen, drei Tanks folgten. Bereits nach wenigen Tagen konnte die Bevölkerung und das zusammengestürzte Krankenhaus mit Wasser nach deutschen Standards versorgt werden. Etwa 4000 Liter stieß die Maschine aus, insgesamt 20 000 Liter am Tag. "Mit Kleinlastern und Pickups fuhren wir durch den Ort und verteilten Wasserbehälter, die Fahrzeuge wurden regelrecht gestürmt!" erzählt Vollstädt voller Freude.

Der erste Monat verging wie im Fluge, in den folgenden kontrollierte er Gebäude, gab sie zum Abriss frei oder setzte sich für den Erhalt ein. Mit der neuen Baufreiheit begann auch umgehend der sogenannte Shelterbau. Dabei handelt es sich um einfache Gebäude für die Bevölkerung, welches in Masse hergestellt werden sollte. Laut UN-Richtlinien durften diese Lösungen den Selbstkostenrahmen in Höhe 1500 Euro je Gebäude nicht überschreiten. Rainer Vollstädt begann umgehend mit Planung und Zeichnung, beachtete Materialbeschaffung und Arbeiter, und blieb über 10 Prozent unter dem Richtwert. Zum Spitzenfest am Samstag wird der Krisenhelfer am ADRA-Stand am Tunnel Rede und Antwort stehen. km