Plauener Elsteraue erwacht

Die Elsteraue verändert ihr Gesicht und wird mehr und mehr zum attraktiven Eingangstor von Plauen mit multimedialem Spitzenzentrum im Weisbachschen Haus, mit neuer Kita, Hempelschem Garten, Elsterterrassen mit Mehrgenerationenspielplatz, Handwerkerhäusern samt Kulturbühne.

Von Marlies Dähn

Plauen Vorhang auf für die Elsteraue. Das Areal ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht. An allen Ecken und Enden herrscht rege Bautätigkeit. Der Phase der Sichtung und des Abrisses folgen nun Umgestaltung und Wiederaufbau. Gleich fünf Fördergebiete aus unterschiedlichen Förderprogrammen nutzt die Stadt, um dieses Kleinod zu entwickeln und fit zu machen für die Zukunft.
Aktuell wird sozusagen an den Kulissen gebaut. Unterschiedliche Akteure und Eigentümer sind angehalten, Hand in Hand zu agieren. Weberhausverein, Stadt und Privateigentümer. Das geht verständlicherweise nicht ohne Reibungen. Schließlich gehen die zu gestaltenden Areale beinahe nahtlos ineinander über. Möglichst keines davon solle nach der Neugestaltung sein "Gesicht" verlieren, so der Plan.
Was wann und wie vorgesehen ist, darüber informierten Donnerstagmorgen als sachkundige Gesprächspartner für Medienvertreter Kerstin Wolf, Fachbereichsleiterin Bau und Umwelt, Markus Löffler, Fachgebietsleiter Stadtplanung und Umwelt sowie Axel Markert, Teamleiter Technisches Gebäudemanagement. Eben mal so auf einen Sprung kam auch Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer dazu. Ihm war wichtig, an das Elster-Forum zu erinnern, an die prima Ideen, die hier von vielen Akteuren eingebracht wurden und deren Hartnäckigkeit es zu verdanken sei, dass in der Elsteraue samt seiner Industriebrachen nicht "Tabula rasa" gemacht wurde. Nun entstehe Großartiges. Allein die Umgestaltung der Industrie-Hallen zu einer modernen Kindertagesstätte mit Zwischenbau und interessanter Architektur für knapp acht Millionen Euro werde ein Hingucker. Fertigstellung ist im zweiten Quartal 2021. Noch nicht zu den Akten gelegt wurde das Projekt Kreativ-Wirtschaft in der Hempelschen Fabrik. Man wartet hier auf neue Fördermöglichkeiten, so der OB.
Kritische Stimmen hatte es zu einer Abholzaktion im Park gegeben. Um die Beseitigung "wild wuchernder Sträucher und Bäume" im Park des Hempelschen Areals sei man nicht umhin gekommen, fand der OB. Man müsse die Gesamtmaßnahme betrachten, so Oberdorfer. Laut Markus Löffler werden die historisch überlieferten Sichtachsen für die künftige Parkgestaltung herangezogen und Kerstin Wolf fügte an, dass Unmengen an Müll zum Vorschein kamen. Ursprünglich befanden sich im Park auch ein Brunnen und ein Pavillon. Möglicherweise erleben sie eine Renaissance.
Freigelegt wurde bei der Abholzaktion eine uralte Rotbuche. Mit ausladender Krone und weißem Stamm fordert der mächtige Baum Aufmerksamkeit. Baumexperten verpassten dem Stamm vorsorglich einen schützenden Anstrich, um ihn so vor einer Austrocknung durch Sonneneinstrahlung zu bewahren. Wenig bekannt sei auch, dass durch den Park einst die Elster floß. Daher sei der Boden so fruchtbar, feucht und von teils exotischen Pflanzen bedeckt. An privat verkauft ist die kleine denkmalgeschützte Villa im Park.
Überall im Gelände sind momentan Pflasterarbeiten im Gang, auch rund um den alten Wasserturm. Für den denkmalgeschützten Turm wird noch an Konzepten gebastelt.
Neu ist die Idee, den verwunschenen Garten der Weberhaus-Hexen mittels einer Bühne in Richtung Handwerkerhäuser einzubinden. Die Weberhaus-Bibliothek markiert die Grenze der Gelände. Dort wird eine Mauer mit Durchlass entstehen. Vor der Bühne ist eine Grünfläche geplant. Dort befanden sich drei größere Bäume. Die wurden durch das Weberhaus-Team umgesetzt an den Zaun, der künftig die neue Kita Richtung Weberhausgarten abgrenzt. Die Weberhaus-Hexen bauen derweil weiter an den Handwerkerhöfen, die sie per Erbpacht nutzen. Man brauche Planungssicherheit, sagt dazu Leiterin Kerstin Rüffer, die im Gespräch auf einen bedauerlichen Umstand aufmerksam macht. Der Eigentümer der Weberhäuser, Matthias Oertel, habe für die Kellerräume im sogenannten Hexenhaus Eigenbedarf angemeldet. "Wenn wir die dort befindliche Kerzenwerkstatt nicht nutzen können, nutzt uns auch das Hexenhaus darüber nicht viel", so die Leiterin des Unikat-Verein. Daher räume man das älteste der Weberhäuser-Zeile bis 31. Oktober 2020 komplett für den Eigentümer.
Wie sich das Areal der Elsteraue verändert, wird übrigens per Kamera vom Malzhaus aus festgehalten. "Eine Dokumentation im Zeitraffer entsteht", so Markus Löffler.