Plauener Drama-Prozess: Zehneinhalb Jahre Haft

Weil er seine Geliebte mit einem Messer verletzt und dann zu spät den Notarzt gerufen hat, ist ein 47-jähriger Mann aus Plauen zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Das Landgericht Zwickau sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass die Körperverletzung zum Tod der 45 Jahre alten Frau führte. Der alkoholkranke Mann muss zudem eine Entziehungskur machen. Angeklagt worden war er wegen Mordes. Die Tötungsabsicht sei jedoch nicht nachweisbar, begründete der Richter das Urteil. Die Version eines Selbstmordversuchs der Frau nahm das Schwurgericht dem Angeklagten allerdings auch nicht ab.

Im Prozess hatte der Mann bis zuletzt behauptet, seine damalige Geliebte habe sich selbst teilweise die Beinarterie in der Leiste durchtrennt. Dies sei laut Gutachter aber anhand des Stichkanals von unten nach oben so gut wie ausgeschlossen, erläuterte das Gericht. Zudem wiesen etliche blaue Flecke auf dem gesamten Körper der Frau, darunter ein massives Hämatom im Gesicht, auf die Gewalttätigkeit des einschlägig vorbestraften Mannes hin. Auch habe dieser zum Tatzeitpunkt noch unter Bewährungsauflagen gestanden.

Weil die Wunde vorübergehend aufgehört hatte zu bluten, und um seine Tat zu vertuschen, hatte der Mann erst nach mehreren Stunden einen Notarzt gerufen. Selbst als der damals zwölfjährige Sohn seiner Geliebten nach der Schule nach Hause kam und auf Hilfe drängte, habe er weiterhin gezögert. Hätte er damit nicht so lange gewartet, hätte die Plauenerin gerettet werden können. "Der Sohn wird sich ewig vorwerfen, dass er Ihnen nicht mehr Paroli geboten hat", sagte der Richter. Die Staatsanwaltschaft hatte elfeinhalb Jahre Haft gefordert, die Verteidigung eine Strafe wegen unterlassener Hilfeleistung für ausreichend gehalten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. va