Plauener Capitol-Kino-Ära endet vorerst

Plauen - Woran keiner so recht glauben wollte, ist nun doch eingetreten. Das Capitol Filmtheater auf der Bahnhofstraße wird wohl für längere Zeit geschlossen bleiben. Morgen Abend 20 Uhr werden vorerst zum letzten Mal Filme gezeigt. Der bisherige Betreiber CineStar zieht sich aus wirtschaftlichen Gründen zurück. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Eine Kino-Ära endet damit nach 82 Jahren.

 Über Jahrzehnte war das renommierte Filmtheater das Lichtspielhaus in Plauen. Eröffnet wurde es 1928. Zuvor waren mehrere kleinere Läden in dem Gebäude. Früher gab es in Plauen zahlreiche Kinosäle, wie das Royal, das Bioscop, das Edison und das Luna. Nahezu vollständig zerstört wurden die Kinos in Plauen im zweiten Weltkrieg. Das Capitol und die Wintergarten-Lichtspiele an der Gottschaldstraße, unweit des Albertplatzes, waren ausgebrannt, das Alhambra am Oberen Steinweg stark beschädigt, auch das LuLi an der Bahnhofstraße trug Schäden am Gebäude davon, ebenso wie das Tivoli an der Pfaffenfeldstraße. Hier war aber zumindest noch die Vorführtechnik erhalten geblieben.

 Mit zusehen, wie das Capitol am 10. April 1945 ausbrannte, musste Max Hermsdorf. Viele Plauener werden ihn sicher noch kennen. Mehr als 40 Jahre war er der "Oberkontrolleur" in seiner blauen Uniform mit Goldknöpfen. Er riss Eintrittskarten ab, heizte ein, brachte die Filme zum laufen und malte eigenhändig Plakate. Mit seinem Fahrrad holte er die neusten Streifen immer persönlich vom Oberen Bahnhof ab. Die Capitol-Legende ließ an der Tür auch schon mal jüngere Gäste in den Saal, die die Altersfreigabe noch nicht erreicht hatten. Ein Explosion zerstörte damals den großen Saal des Capitol. Jahrelang wurde der "Blick ins Freie" gespielt, wie die Plauener damals sagten. Ein neues Dach bekam das Lichtspielhaus erst Anfang der 50er Jahre. Mit der Defa-Literaturverfilmung "Pole Poppenspäler" wurde das Kino 1954 wiedereröffnet. Max Hermsdorf fing bereits 1947 mit Filmvorführungen wieder an. Mit einer selbst zusammengebauten Maschine zeigte er im Bahnhofshotel in Jößnitz Filme von der Rolle. Auch im Sachsenhof in Haselbrunn machte er Kino.

 Legendär war im Capitol auch die Kinoorgel. Ab 1954 diente sie vor den Vorstellungen zur Unterhaltung und zur Einstimmung des Publikums auf den Film. Die Orgel stammte aus dem damals volkseigenen Betrieb Elektronik an der Schloßstraße in Plauen. Seit diesem Monat befindet sich der Prototyp einer alten Vermona-Orgel in Eisenach in einer Sammlung alter Tasteninstrumente von Vermona.

 Nach der Wende übernahm die Ufa das Capitol und anfänglich auch noch das Tivoli an der Hoferstraße. Der Kinobetreiber ging 2003 pleite, CineStar übernahm. Die Kette investierte und baute 1997 das Kino für 8,5 Millionen Mark aufwendig um. Seit einigen Jahren wird das Capitol von der WVB Centuria Berlin verwaltet. Früher gehörte das Lichtspielhaus dem ehemaligen Ufa-Chef Volker Riech. Mittlerweile sei die Immobilie in den Händen mehrere ausländischer Großinvestoren, heißt es vom Verwalter. Bis ein neuer Betreiber gefunden ist, hat das Malzhaus sein Kinoangebot stark erweitert. Die Plauener können aber auch auf die kleineren Kinos in Auerbach, Falkenstein und Pöhl ausweichen.