Plauener Brauerei belebt alte Biersorte neu

100 Jahre ist her, dass ein "Bürgerbräu" in Plauen gebraut wurde. Seit Donnerstag gibt es die Biersorte wieder. Sternquell hat bereits 120 000 Flaschen abgefüllt und auch die ersten Fässer an fünf Gaststätten in der Plauener Altstadt ausgeliefert - mit dem Pferdefuhrwerk wie vor 100 Jahren.

Plauen - Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit: Vor dem Schalander an historischer Braustätte der Sternquell Brauerei steht ein Pferdefuhrwerk beladen mit Fässern, auf denen ein Bürgerbräu-Etikett prangt, das so vor 100 Jahren schon entstanden sein könnte. Genau zu dieser Zeit nämlich hat die damalige Sternquell Actien Brauerei, wie Geschäftsführer Jörg Sachse mit einer Patent-Urkunde belegt, schon einmal ein Bürgerbräu gebraut. Und nun ist in Anlehnung an das Originalrezept von 1910 das milde, malzige und damit dunklere Vollbier wieder auferstanden.

Nach alter Tradition brachte Schauspieler Jörg Simmat in der historischen Kluft eines Brauers Donnerstagmittag die ersten Fässer des "Sternquell Bürgerbräu" mit einem Pferdefuhrwerk zu Gaststätten in der Altstadt. Vor Handelshaus, Matsch, Café Trömel, Vogtlandgarten und Heinrich's verteilte er die ersten Flaschen mit den Worten. "Bleib dir treu, trink Bürgerbräu". Mit dem Zusatz Sternquell sind Parallelen zum Hofer Bürgerbräu ausgeschlossen.

"Es war schon eine große Herausforderung und Chance für die Techniker, ein Bier der Jahrhundertwende wieder herzustellen, dabei das Rezept an die moderne Technologie anzupassen und dennoch den gleichen Charakter des Bürgerbräus zu behalten. Früher waren die Biere auf Grund der größeren Sauerstoffzufuhr bei den offenen Behältern generell dunkler. Wir haben nun bewusst mehr Malz hinzugegeben, um die Farbe zu bekommen. Das Bürgerbräu ist im Vergleich zum Pils nicht nur deutlich malziger, sondern auch milder und hat einen kräftigen Hopfengeschmack", erklärt Dr. Jörg Lehmann, Technischer Vorstand der Kulmbacher Brauerei AG und Technischer Geschäftsführer von Sternquell Plauen.

"Der älteste Kollege, der noch aussagekräftig ist, hat 1939 seine Lehre bei uns begonnen", antwortete Geschäftsführer Jörg Sachse auf die Frage, ob noch jemand bei Sternquell das alte Bürgerbräu kenne. "Dass ein Produkt mit historischem Bezug neu auf den Markt kommt, ist für mich ein Zeichen dafür, dass unsere Brauerei eine große Tradition hat und mit der Heimat verbunden ist", so Sachse weiter. "Bürgerbräu im Retro-Look ist unsere neue Marke für 2014. Im vergangenen Jahr haben wir die Bierbrause, ebenfalls im Retro-Look und im Neuner-Kasten, sowie das Schwarzbier eingeführt und waren damit erfolgreich. Allein über 10 000 Hektoliter Bierbrause wurden verkauft.

Und an diesen Erfolg wollen wir mit dem Bürgerbräu anknüpfen", betont Sachse. Ein dunkles Blau prägt sowohl die Etiketten als auch die handlichen Kästen mit neun Halbliterflaschen, eine Grafik eines Brauers in historischer Kluft prostet zu. "Das Originaletikett kennen wir nicht. Wir wissen auch nicht, ob das damalige Bürgerbräu in Flaschen abgefüllt wurde. Aber es gibt ein Foto einer Mälzerkolonne, die sich 1910 den ersten Sud vom Bürgerbräu munden ließ. Und so hatten wir unser historisches Vorbild", erzählt Produktmanager Thomas Münzer.