Plauener Bergknappen vermelden Besucherrekord

Plauen -Das Plauener Alaunbergwerk "Ewiges Leben" hat 2010 einen neuen Besucherekord aufgestellt. Die Grube ist die zweit älteste in Deutschland, in der Alaunschiefer abgebaut wurde. Bis zu 430 Millionen Jahre alt ist das Alaungestein.

 

Das Alaunbergwerk "Ewiges Leben" in der Plauener Innenstadt hat noch viele Geheimnisse. Längst ist noch nicht alles entdeckt worden, sagt Gert Müller vom Vogtländischen Bergknappenverein zu Plauen. Zwischen Syra und dem Oberen Bahnhof vermutet der Plauener Bergbauexperte noch viele unentdeckte Schächte und Stollen.

 Nach dem es Jahrzehnte ruhig um das Bergwerk war, begannen die Vereinsmitglieder 1996 damit, das Höhlensystem wieder begehbar zu machen. Ein Jahr später zum Tag der Sachsen konnte erstmals die Grube wieder besichtigt werden. Im ersten Jahr kamen bereits rund 2000 Besucher. Letztes Jahr sind im Vergleich mehr als 8600 Besucher gezählt worden. Rekord. Inzwischen sind rund 400 Meter des gesamten Systems erschlossen und zugänglich.

 Die Geschichte des Bergwerkes gibt den Historikern noch Rätsel auf. "Es gibt viele Unbekannte", meint Müller. Über 15 Jahre befasst er sich bereits mit der Vergangenheit. Unzählige Stunden verbrachte er bereits in Archiven. Viele Details stünden zwischen den Zeilen. Erstmals nachweislich erwähnt wurde das Alaunbergwerk 1542. Zunächst bis zum Schmalkaldischen Krieg 1548 wurde der Bergbau betrieben. Zentnerweise wurde der Alaunschiefer für die technologische Herstellung des damals sehr wertvollen Alaunsalzes abgebaut. Ein begehrter Rohstoff, der vor allem von den zahlreichen Weißgerbern und Färbern genutzt wurde, die vornehmlich am Mühlgraben ihre Werkstätten hatten. Das Alaunsalz ermöglichte erstmals auch leuchtende Stoffe herzustellen. Eine Revolution für die damalige Zeit. Doch mit dem verheerenden Stadtbrand 1548 endete von heute auf morgen die Produktion. Erst gut 40 Jahre später taucht in einer Chronik das Bergwerk wieder auf. Bis 1826 wurde wieder Alaunschiefer abgebaut. Dann hätte es sich nicht mehr gelohnt, erzählt Gert Müller.

 

Das Alaunsalz ließ sich leichter herstellen. Es wurde wieder still um das Bergwerk. Bis 1939 die Stadt die Schächte wieder nutzbar machen wollte. Sie sollten als Luftschutzräume genutzt werden. Doch bis zum ersten Luftangriff 1944 wurde das Vorhaben vernachlässigt. Erst danach begann man fieberhaft mit französischen Kriegsgefangenen die Keller für hunderte von Menschen auszubauen. Tonnenweise Ziegel sind bis zum März 1945 verbaut worden. Mit dem Kriegsende stoppte auch sofort der weitere Ausbau. Der abrupte Baustopp ist an mehreren Stellen noch deutlich zu sehen.

 Das Bergwerk ist früher auch für die Trinkwasserversorgung der Plauener genutzt worden. Aus einem großen Trog konnte sich die Bevölkerung damals mit Frischwasser aus der Plauener Unterwelt versorgen. Minütlich fließen auch heute noch Tag und Nacht in einer Abflussrinne, die sich durch das gesamte System zieht, rund 30 Liter Wasser in der Minute aus dem Stollensystem. Eine Mischung aus Grund- und Grubenwasser, das vermutlich vor allem aus einem verschütteten Stollenabschnitt beim Oberen Bahnhof kommt, vermutet Müller. Er geht davon aus, dass sich der nicht zugängliche Stollen auf einer Länge von einem Kilometer vollständig mit Wasser gefüllt hat. Grabungen in diesem Bereich seien lebensgefährlich, so Müller. Für Besucher ist der Gang Richtung Bahnhof nicht zugänglich.

 Bei der Erschließung des Bergwerkes sind auch kuriose Geschichten zutage gefördert worden. So tauchten einmal in einem Schacht 17 Damenrevolver aus der Zeit um 1915 mit noch funktionstüchtigen Patronen auf. Der Hintergrund zu den Pistolen ist nicht eindeutig geklärt. Die Fundstücke sind im Bergwerk hinter einer verschlossenen Scheibe zu sehen. Genutzt wird heute das Besucherbergwerk auch für verschiedene Feierlichkeiten. Zwei größere Räume können für Anlässe gemietet werden.

????? www.alaunbergwerk-plauen.de