Plauener Asylbewerberheim: Keiner will Chef sein

Wenn in diesen Wochen und Monaten die Bewohner des Plauener Asylbewerberheimes ein Problem, eine Sorge oder eine Anfrage haben, und diese gibt es im Heim viele, bleibt den Menschen der Gang zur Ausländerbehörde, den oder die Hausmeister (es gibt sechs, die im Schichtbetrieb arbeiten), oder auch zur langjährigen Sachbearbeiterin des Hauses, Gabi Weiß. Von vielen Bewohnern, vor allem denen, die schon etliche Jahre hier sind, wird sie "Frau Gabi - gute Frau", genannt.

Das eigentliche Problem ist ein Großes, wenn gleich nicht ohne Weiteres lösbares: "Das Asylbewerberheim hat eine freie Stelle, die des Chefs oder der Chefin", sagt Christina Uhlenhaut, Dezernentin des Vogtlandkreises für Recht, Sicherheit und Ordnung. Inzwischen sind schon Anzeigen in Zeitungen geschaltet worden, die Stelle ist ausgeschrieben, Vollzeit, ein Sozialpädagoge, eine Sozialpädagogin wird gesucht. Dringend!

Dabei war das Problem eigentlich schon mal gelöst. Doch gleich zwei Leiter "hat das Haus binnen eines halben Jahr verschlungen". Stress, die vielen Nöte der Bewohner, die Ungeduld im Haus, die Abläufe und dauernden Spannungen, die latente Gewalt, verbal und auch schon mal körperlich, das mussten die Männer mit ansehen. Sie strichen die Segel.

Die Chefin per se ist seit längerem also wieder in Personalunion Frau Weiß, die kein Blatt vor den Mund nimmt, dass der Job als Leiter kein Zuckerschlecken sei. Sie ist eine Kämpferin, sie kann gut mit den vielen Charkateren aus aller Herren Länder umgehen, das ahnt man, wenn sie gelassen, tatkräftig und freundlich zugleich mit den Leuten spricht, die in ihr Büro kommen, die sie in ihren Zimmern besucht oder mit denen sie Behördengänge erledigt. Das Asylbewerberheim ist das einzige im Vogtlandkreis. Derzeit leben 226 Menschen - Kinder, Frauen und Männer aus 24 Nationen in dem Gebäudekomplex, der früher unter anderem einmal eine Kaserne der Sowjetarmee war.

Die Asybewerber haben verschiedene so genannte Aufenthaltstitel, beschreibt Ute Röder, Sachgebietsleiterin der Ausländerbehörde. Von Aufenthaltsgestattung bis zu Duldung lauten diese Titel. Im besten Fall wird ein Flüchtling als Asylbewerber anerkannt. Doch das geschehe nicht sehr oft, vielmehr werden nicht wenige Menschen abgelehnt und haben die Aufforderung in der Tasche, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. "Aus verschiedenen Gründen ist mitunter die Ausreise nicht möglich. Pass verloren oder das Heimatland verweigert die Einreise", berichtet Uhlenhaut.

Dann beginnt der öde, zermürbende Kreislauf: in Deutschland dürften diese Leute nicht sein, ins Heimatland kommen sie nicht rein. Warten, warten, warten ist die Folge. Mitunter jahrelang. "Was soll dann ein Leiter des Heimes diesen Menschen sagen? Der kann ihnen keine Perspektive bieten, was für ihn gleichfalls ernüchternd ist", sagt Uhlenhaut. "Inzwischen ist die Praxis der Aufenhaltserlaubniserteilung in Deutschland schon gelockert worden angesichts dieser Situation", so die Fachfrau. Dass das Bundesleistungsgesetz für Asylbewerber verbessert wurde durch den Urteilsspruch des Bundesverfassungsgerichts, begrüßt Uhlenhaut ausdrücklich. Nun bekämen die Bewerber etwas mehr Geld. Als Beispiel: Früher gab es Taschengeld in Höhe von 40,90 Euro im Monat, jetzt sind es 134 Euro.

Uhlenhaut und Röder konstatieren, dass die Situation der Asylsuchenden in der Bundesrepublik weiter der Verbesserung bedarf, wenngleich sich in den vergangenen Jahren einiges getan habe. Dessen ungeachtet erwartet Christina Uhlenhaut eine Zunahme der Asylbewerberzahlen auch hier in Plauen.