Plauener Amtsberg wird "Studenten-Stadt"

Die Zeiten, da auf dem Amtsberg mehr oder weniger "schwere Jungs" einsaßen, sind vorbei. Die letzte Führung durch das verwaiste Gefängnis ist ebenso Geschichte. Jetzt hat auf dem Gelände Technik Einzug gehalten, die den Amtsberg auf seine neue Rolle als Studienstandort und Campus vorbereitet.

Plauen - Machen die Bagger Pause, dann ist auch ihr Klopfen und Hämmern zu hören. Seit kurzem haben auf dem Amtsberg Archäologen ihre Zelte aufgeschlagen. Neue Erkenntnisse über die Anwesenheit der alten Römer in Plauen werden sie kaum finden, denn römische Münzen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., die Plauen als Durchzugsgebiet römischer Legionen ausweisen, wurden längst entdeckt. Weitere Puzzle zur Stadtgeschichte erhoffen sich die wissenschaftliche "Maulwürfe" aber denn doch, bevor das Areal einer Bestimmung übergeben wird, die es in all den Jahrhunderten noch nicht hatte.

Auf dem Amtsberg soll in den nächsten Jahren studentisches Leben einziehen, mindestens 400 junge Leute der Staatlichen Berufsakademie sollen neues Wissen in alten Gemäuern "tanken".

Umbau mit 15 Millionen Euro veranschlagt

Eingangs der jüngsten Stadtratsitzung informierte Diana Weber vom Sächsischen Immobilien und Baumanagement (SIB) Zwickau über die geplanten Schritte. Zunächst ließ sie Zahlen sprechen. Der Umbau des Areals mit dem beeindruckenden Blick auf die Stadt werde 15 Millionen Euro kosten. Von rund 400 Studierenden, 21 Mitarbeitern und weiteren Honorarkräften können insgesamt 2300 Quadratmer für Studium und Lehre genutzt werden. Die Außenfläche erstreckt sich auf 1,2 Hektar bis hinunter zur Hammerstraße.

In dem von Diana Weber umrissenen ersten Bauabschnitt erfolgt zunächst der Ausbau des ehemaligen Amtsgerichtes - auf vier Etagen entstehen Seminarräume, Labore, Verwaltungs- und Nebenräume. Das Gebäude werde somit "bis unters Dach" belegt sein, ein Anbau mache sich aber nicht erforderlich, so die Fachfrau.

Abgerissen werden das einstige Gefängnisgebäude, die Produktionshalle, die Garagen und das marode Heizhaus. Die Schlossruine beherberge künftig im Dachgeschoss einen geräumigen Mehrzwecksaal, im ersten Obergeschoss wird die Bibliothek einziehen. Außerdem wird das historische Eingangsportal der Ruine wieder als Haupteingang genutzt werden.

Historisches und Modernes miteinander verknüpfen

Die noch erhaltenen Schlossmauern samt Arkaden-Rudimenten werden ebenfalls in den Neubau integriert und sollen so zu einem prägenden Element des Schlosshofs werden. In Hauptelementen, so Diana Weber sei man bestrebt, die Schloss-Silhouette wieder herzustellen, die beiden Türme und das Schloss sollen zu einer "gemeinsamen Formensprache" finden.

Das Versprechen, die Schloss-Silhouette weitgehend wieder herzustellen, veranlasste Stadtrat Prof. Lutz Kowalzick (CDU) zu der Frage, inwieweit das Aufsetzen eines Dachreiters auf den Schlossbau in den Planungen berücksichtigt oder vorgesehen sei. Kowalzick kann sich dabei die historische Stadtkrone ebenso vorstellen, wie barocke Elemente oder modern stilisierte.

Die Expertin vom Zwickauer ISB ließ freilich wenig Hoffnung. Derart verspielte Details brauche man in der heutigen Zeit wohl eher nicht, außerdem sei das Ganze auch eine Geldfrage.

"Ein absoluter Zugewinn für die Stadt"

Der vorgestellte erste Bauabschnitt soll 2015 in Angriff genommen werden, erste Entkernungen bereits Ende dieses Jahres. Bezüglich des zweiten Bauabschnittes, dem eigentlichen Schloss, wollte sich die Expertin nicht aufs Jahr festlegen lassen.

Und auch Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer, dessen "Lieblingskind" der Campus samt studentischen Lebens ist, sprach von einem "schrittweisen Umzug" der jetzigen BA von der Melanchthonstraße auf den Amtsberg. Er bezeichnete das Areal als die "Krone Plauens". Höhere Bildungsangebote zu schaffen gehöre zu den Prioritäten was andererseits nicht heiße, dass junge Leute auch mal raus" müssten, Erfahrungen anderswo sammeln, um im günstigsten Falle wieder zurückzukehren. Oberdorfer: Ein gesundes Oberzentrum verfügt auch über genügend Studienplätze.

Diana Weber nannte den für alle Bürger frei zugänglichen Campus einen "absoluten Zugewinn für die Stadt". Allerdings müssten die Pläne auch von den Menschen angenommen werden, weshalb zu gegebener Zeit auch eine umfassende Präsentation für die Plauener Bürger geplant sei.