Plauener Ami setzt auf Sanders

Der Präsidenten-Kandidatenwahlkampf in den USA läuft derzeit bei den Demokraten auf Hochtouren. Der aktuelle Präsident Trump ist für die Republikaner erneut erste Wahl, für die Demokraten könnte im Herbst Bernie Sanders antreten: Das wünscht sich der Plauener, US-Bürger Michael Marianek, der das Geschehen in seiner Heimat aufmerksam verfolgt und schon Wahlkampf-Erfahrungen besitzt.

Von Frank Blenz

Plauen/Chicago  Vor vier Jahren kämpfte Michael Marianek von Plauen aus für einen hoffnungsvollen Kandidaten: Bernie Sanders von den Demokraten. "Ich habe damals - wie es in den Staaten üblich ist - mit Telefonaten Wähler versucht für Bernie zu gewinnen. Von meinem Büro in Plauen rief ich viele Leute an und warb für Bernie", erzählt Michael Marianek. Geholfen hat es ein wenig, gereicht hat es jedoch nicht, denn die Gegenkandidatin Hillary Clinton konnte sich durchsetzen.
Das war keine seriöse Geschichte damals, empfindet Marianek bis heute, Worte wie Establishment und Wall Street fallen. Nun aber ist ein neuer Anlauf für Bernie Sanders gestartet und es läuft derzeit für den Kandidaten ganz gut. Sanders hat gerade seine zweite Wahletappe klar gewonnen, mit über 40 Prozent. Und der Plauener US-Amerikaner Marianek drückt die Daumen noch fester als sonst.
Denkt Marianek über seine amerikanische Heimat nach und sieht die dortigen gegenwärtigen Entwicklungen in der Gesellschaft, aber auch weltweit, ist er mitunter wie im Gedicht Heinrich Heines "um den Schlaf gebracht": "Reiche werden immer reicher, die Armen werden vergessen, die Gesellschaft ist gespalten. Und die Leute, die was zu sagen haben, so wie der Präsident, tun nichts, dass sich was ändert. It's a shame, i's not easy there", meint Michael Marianek, der aus Chicago stammt und dessen Herz mittlerweile für plauen und das Vogtland schlägt.. Der junge Mann verfolgt die Entwicklung seines Landes aufmerksam, seine Kenntnisse sind umfangreich. Kein Wunder, reist er doch beruflich regelmäßig über den "großen Teich". Er ist Filmer und Autor und seine Kundschaft hat er vorrangig in Übersee. Sein Vater lebt dort und versorgt ihn mit den neuesten News.
"Die Präsidentschaftswahl 2020 steht vor der Tür und der amtierende Donald Trump walzt und fegt und schnauft wie eine wild gewordene Dampfwalze durch die Gesellschaft und die ganze Welt", sagt Marianek. Die Republikaner hätten ihn gern für weitere vier Jahre im Weißen Haus gesehen. Die politische Gegenseite will diesen Mann mit ihrem Kandidaten (der noch zu wählen ist) möglichst heute als morgen aus dem Amt jagen.
Die Geschichte mit der Kandidatenfindung bei den Demokraten ist eine monatelange. Neben Sanders sind da Joe Biden, Amy Klobuchar, Mike Bloomberg, Elizabeth Warren und Pete Buttigieg auf der Liste, so Marianek. Die Vorwahlen mit diesen Leuten laufen bis in den Sommer. Und innerhalb der Partei stehen sich zwei Blöcke gegenüber: auf der einen Bernie Sanders allein, mit einem klar sozialen, humanistischen Programm und als Person in den USA überaus integer und anerkannt selbst bei seinen Gegnern - auf der anderen zum Beispiel Biden, ein Ex-Vize-Präsident oder Bloomberg, ein Milliardär, der aus der Portokasse seinen Wahlkampf bestreiten kann und so die eine Person eines Wahl-Duells zweier Milliardäre werden würde: Trump vs. Bloomberg.
Doch würde sich dann etwas ändern?, fragt sich Marianek. Er hofft auf den Kandidaten, den die Etablierten verspotten und fürchten, gar einen Kommunisten nennen.
"Sanders ist seit vielen Jahren bis heute seinen Prinzipien treu geblieben, er ist unbestechlich. Ich merke aber auch, dass viele in den USA sich gar nicht so sehr Gedanken machen, wer der nächste Präsident wird, sie wollen einfach nur, dass Trump es nicht macht", so Marianek. Und so kann es gut sein, dass der Wahlplauener im Fall einer Kandidatur Bernie Sanders' wieder Schichten schiebt und um jede Stimme kämpft - per Telefon.