Plauener "Altersbaum" hat einen zu flachen Stamm

Auch wenn es manche mit Skepsis sehen mögen: Ohne den Zuzug ausländischer Bürger nach Plauen sähe es mit der demografischen Entwicklung der Stadt noch trüber aus.

Plauen - Fast zeitgleich mit den jüngsten Zahlen der Bertelsmann-Stiftung für Deutschland, machte Steffen Kretzschmar von der Stadtverwaltung die Mitglieder des Wirtschaftsförderungsausschusses am Montag mit der demografischen Situation in Plauen bekannt. Und die stellt sich dann doch nicht so dramatisch dar, wie es die Experten aus Güterloh bundesweit voraussagen. Deren Prognose zufolge braucht es jährlich mindestens 260 000 gut ausgebildete Bürger aus EU- und anderen Ländern, um das Ausscheiden von 16 Millionen Menschen aus dem Arbeitsleben bis 2060 "aufzufangen" - aber auch dann nur unter der Voraussetzung der Rente ab 70 und einer nahezu gleich hohen Beschäftigungsquote von Frauen und Männern.
Doch zurück in die "Provinz". Exakt 65 599 Bürger wies Plauen zum Stichtag 31. Dezember 2018 auf. Unterschiedliche Zahlen mit denen des Statistischen Landesamtes resultieren daraus, dass die Landesbehörde "ihre" Zahlen erst Mitte des Folgejahres veröffentlicht. Kretzschmar machte am Beispiel der bekannten Alterspyramide die "Verformungen" des Baumes deutlich. "Der Plauener Baum hat einen flachen Stamm und trägt wenige Blätter." Dennoch wuchs die Einwohnerzahl der Spitzenstadt von 2011 bis 2018 um 1,9 Prozent. Man könnte es noch positiver formulieren: Die Stadt verzeichnet mehr Zu- als Wegzüge, was Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer als Indiz der Attraktivität "seiner" Stadt wertete. Dennoch können die jährlich 60 Neubürger nicht den Trend nach unten stoppen, und auch eine seit Jahren relativ konstante "Babyquote" von 540 hilft angesichts von jährlich rund 1000 Sterbefällen nicht wirklich weiter. Doch Kretzschmars Statistik kann noch mehr: Beispielsweise zeigt sie an, dass Stadt- und Ortsteile wie Kauschwitz/Zwoschwitz, die Süd-und Ostvorstadt Einwohner Richtung Zentrum und Altstadt verlieren, und sich die jüngsten Einwohner vor allem an der Elsteraue und Preißelpöhl "ballen". Mit 92 Zuzügen konnte sich vor allem die Bahnhofsvorstadt verstärken. Exakt 4741 Menschen mit ausländischem Hintergrund lebten im Vorjahr in Plauen, die meisten - nämlich 1088 - im "besten" Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Und natürlich verkündet die Statistik nichts Überraschendes, wenn sie 61 Prozent der Ausländer als männlich ausweist. Mit 15,5 Prozent leben vergleichsweise viele Ausländer in der Elsteraue - in Oberlosa gerade mal 0,2 Prozent. Für Kretzschmar ist klar, dass auch die relativ hohe Geburtenrate ausländischer Familien dafür sorgt, dass Plauen nicht schneller schrumpft, als auf die Ende 2025 prognostizierten 57 000 Bürger. 
Um die Reproduktionsrate zu erhalten, müsste sie bei über 2 liegen, derzeit beträgt sie 1,7, nennt Kretzschmar ein Detail. "Ich sehe aber darin kein Problem, sondern eher eine Aufgabe", fügt er an. Die Aussage des OB, es sei eine positive Tendenz zu erkennen, reizte CDU-Stadtrat Ingo Eckardt zur Nachfrage. "Wie bringt sich Plauen im Wettbewerb um gute Fachkräfte in die Pole Position?" wollte er wissen und ob bekannt sei, woher die Leute und aus welchen Motiven die Zuzügler nach Plauen kämen. Wirtschaftsförderer Eckard Sorger verwies auf diverse Kampagnen zur Arbeitskräftegewinnung wie die Fachkräfteallianz im Vogtland, oder auch die europaweite Anwerbung für spezifische Berufsgruppen. In der Tat kämen die meisten Neu-Plauener aus dem eigenen Freistaat - aus welchen Motiven sie aber den Wohnort wechselten, das ließe der Datenschutz nicht zu. Zuzüge nach der Qualifikation auszusuchen, sei nicht seine Intention, fügte Oberdorfer an.    T. Piontkowski