Plauener als "Macher" bekannt

Was in Plauen vor 30 Jahren geschah, war von nationaler Bedeutung. Diese geschichtliche Einordnung traf gestern der Bundesbeauftragte der Stasi-Unterlagen, Roland Jahn. Und er machte eine bedeutsame Zusage.

 

Von Torsten Piontkowski

Plauen Wie meistens in Schwarz gekleidet, ist Roland Jahn weder ein Schwarzmaler, noch ein Schwarzseher. Gestern stattete er Plauen einen Kurzbesuch ab, nachdem er am Wochenende bereits an einem Gesprächsforum im Vogtland teilgenommen hatte und am Nachmittag bereits in Leipzig erwartet wurde. Und ja, dieser Besuch sei ihm ein persönliches Bedürfnis, weil man - und dieser Begriff fällt zur Freude von Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer mehrfach - die nationale Bedeutung Plauens für die Friedliche Revolution herausstellen müsse. Dass Menschen ihre Geschicke in die eigene Hand nahmen wie in Plauen, suche Seinesgleichen, so Jahn, der zugleich auf die Bedeutung seines eigenen langjährigen Arbeitsfeldes aufmerksam machte. Die Stasi-Dokumente seien zum einen Unterlagen begangenen und erlittenen Unrechts, zum anderen Dokumente des Freiheitswillens der Menschen. Und auch dass die Feuerwehr während seiner wenigen Stunden in Plauen die Tribüne für das abendliche Gedenken am Wendedenkmal errichtete, stellte er in historischen Kontext - damals habe man versucht, auch die Feuerwehr im Wortsinne gegen die Menschen in Stellung zu bringen. In Plauen sei nicht nur die Anzahl der Demonstranten im Verhältnis zur Bevölkerung "enorm groß" gewesen, sondern auch der zivile Uingehorsam eines beträchtlichen Teils der Kampfgruppen. Von 320 zur Gefechtsbereitschaft aufgerufenen Kampfgruppenmitgliedern sei gerade mal ein Drittel dieser Aufforderung gefolgt. Der oft skandierte Ruf "Wir kommen wieder" sei zugleich ein Dialogbeginn gewesen, die Machthaber konnten sich diesem Dialog nicht mehr entziehen.
Freudig nahm Oberdorfer nicht nur die anerkennenden Worte Jahns zur Kenntnis - er nahm sie auch zum Anlas, dem Gast Pläne für eine Tourist-Info in direkter Nähe des Wendedenkmals zu erläutern. Darin, so der OB, ließe sich eine Dauerausstellung mit Dokumenten, Filmen und anderen Zeitzeugen der Friedlichen Revolution in Plauen etablieren. Um Unterstützung gebeten, fand Jahn klare Worte. Was die Plauener auszeichne sei, einfach zu "machen". Überdies seien die Chancen der Unterstützung seitens Bund und Land groß und er selbst werde sich im Bundestag und bei der zuständigen Beauftragten für Kultur und Medien dafür einsetzen, dass - und da war sie wieder - die nationale Bedeutung Plauens in dieser Form zum Tragen komme. Gern stelle seine Behörde entsprechende Dokumente für die Ausstellung zur Verfügung. Natürlich sei ein gutes Konzept wichtig, fügte er an. Und die Argumente für eine Dauerausstellung lieferte er gleich mit: Man müsse der nächsten Generation Angebote unterbreiten, damit diese sich mit ihrer Heimat identifiziere. Generell habe er beobachtet, dass der Stolz auf die Friedliche Revolution in Deutschland zu wenig entwickelt sei. "Wir brauchen was Bleibendes, um uns mit der jüngeren Geschichte auseinanderzusetzen", sprach er dem OB aus dem Herzen. Fast schon staatsmännisch tauschten beide schließlich Bücher aus, die sich mit den Ereignissen in Sachsen vor 30 Jahren beschäftigten.
"Überprüfung der Stadträte
Zeichen von Transparenz"

Auf den zur heutigen Stadtratssitzung anstehenden Beschluss zur Überprüfung möglicher Stasi-Mitarbeit der aktuellen Stadträte angesprochen, äußerte sich Jahn deutlich. Zwar solle niemand auf "ewig verdammt" sein, der sich als Jugendlicher mit der Stasi - aus den unterschiedlichsten Gründen - einließ. Andererseits sei es ein richtiges Zeichen demokratischer Institutionen, Transparenz herzustellen. Die Frage sei, wie die Leute drei Jahrzehnte mit ihrer Vergangenheit umgingen und wenn sie "dunkle" Kapitel verschwiegen, inwieweit man ihnen dann vertrauen könne. Sprach der Betreffende offen darüber, suchte er den Dialog, zeigte er tätige Reue - all das müsse das Parlament in die Auseinandersetzung einbeziehen. Jahn fügte an, dass der Bundestag beschlossen habe, dass die Herausgabe der Unterlagen noch bis 2030 möglich sei. Wie mit diesen Informationen umgegangen werde, obliege allerdings im konkreten Falle den Parlamentariern.