Plauen wird an vielen Ecken noch schöner

Millionen-Investitionen, die lang gehegte Wünsche Wirklichkeit werden lassen, dazu die Aussicht auf junges Leben auf dem alten Schlossberg und die vielen Vorhaben der Stadt - all das sind Elixiere für Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer. Von Amtsmüdigkeit gebe es bei ihm keine Spur.

Plauen - Spitzbübisch lacht der Oberbürgermeister über die Annahme, er sei amtsmüde. Ganz im Gegenteil, ihm mache es gerade jetzt so viel Spaß, Dinge umgesetzt zu sehen, die lange schlummern mussten.

"Plauen wird eine noch tollere Stadt", ist sich der Rathaus-Chef sicher. Und wo es noch knirscht, gebe es sicher Lösungen.

Aber es war schon der Knaller, als Sie beim Neujahrsempfang verkündeten, nicht noch einmal für die Wahl des Oberbürgermeisters antreten zu wollen ....

Eigentlich habe ich eher belanglos nebenbei gesagt, dass die letzte Hälfte meiner Amtszeit angebrochen ist. Das ist eine Tatsache, weil ich glaube, dass niemand denken kann, dass ich nach 21 Jahren im Amt noch auf weitere sieben Jahre spekuliere. Ich halte meine Ankündigung, nicht noch einmal zu kandidieren, für sehr verantwortungsbewusst, weil so klar ist, dass sich andere der Verantwortung stellen müssen.

Und das geht nur langfristig. Aber bis dahin gibt?s für mich keine langsamere Gangart. Immerhin laufen viele Projekte. Und davon einige, auf die wir lange warten mussten, weil das nötige Geld fehlte. Doch wir haben uns auf sie gut vorbereitet und unsere finanzpolitischen Hausaufgaben gemacht. Deshalb können wir jetzt schnell so starten.

Was sind denn für Sie die drei wichtigsten Aufgaben in diesem Jahr?

Wenn wir weiter wirtschaftlich wachsen und Arbeitsplätze schaffen wollen, brauchen wir neue Ansiedlungsflächen und diese an der Autobahn. Deshalb nenne ich zuerst die Erschließung und Anbindung der Industriefläche in Oberlosa. Da sind noch immer Zufahrtsfragen offen.

Die Herausforderung steht. Durch das Ungeschick mit dem Kreisjournal wurde der ursprüngliche Bebauungs- und Verkehrswegeplan künstlich angehalten. Das war auch eine Lösung gewesen, die bei ansässigen Unternehmen und Oberlosaern auf starke Ablehnung gestoßen ist. Jetzt geht es darum, aus der kleinen Not eine Tugend zu machen, das sehe ich als meine Aufgabe.

Ich versuche mit Verkehrsminister Martin Dulig eine verbesserte Zufahrtssituation durch eine direkte Anbindung an die B 92 zu schaffen. Das muss im 1. Halbjahr entschieden werden. Klar ist aber auch, dass ohne Veränderung an anderen Zufahrten nichts Neues geschaffen werden kann. Ich hoffe dabei auf Kompromissbereitschaft bei den Oberlosaern.

Zweite große Aufgabe ist die Schlossbebauung, wozu auch die Investitionen der Stadt in diesem Bereich gehören, wie Schlossterrasse und Parkflächen. Und dann als Nummer drei die ganzen Pakete, die mit dem Förderprogramm "Brücken in die Zukunft" umgesetzt werden können: Das sind die Elsteraue, das Fördergebiet Altstadt und Rathaus und die Investitionen beispielsweise in Kitas, Schulen und Sportstätten.

Spätestens wenn Sie aus dem Amt scheiden, wird sich die Elsteraue so präsentieren, wie sich das die Plauener seit Jahrzehnten wünschen. Doch auch über den Ist-Zustand gibt es sicher schon einiges zu sagen.

Rund sechs Millionen Euro fließen in das Weisbachsche Haus als künftiges Textilzentrum Plauener Spitze, weitere fünf Millionen in die Kita, die in der Hempelschen Fabrik entsteht.

Am Ende werden wir realistischer weise bei insgesamt zwölf Millionen rauskommen. Der städtische Anteil liegt bei 25 Prozent, das ist nicht unerheblich. Wenn sich Projekte während der Bauphase verteuern hört man nicht selten die Frage, ob sich das nicht voraussehen ließ. In der Tat aber ergeben sich im Bauablauf oft unvorhersehbare Probleme, beispielsweise was sich im Boden "versteckt".

Dazu kommen die allgemeinen Preissteigerungen im Baugewerbe. Und es wäre unehrlich zu behaupten, dass daraus kein finanzielles Risiko erwächst. Und genau deshalb war es richtig, auch im aktuellen Haushalt nicht den letzten Euro auszureizen, sondern über Rücklagen zu verfügen.

Und eines muss auch mal erwähnt werden: Für die meisten Investitionsprojekte der Stadt ist kein Nachtrag erforderlich. Von fünf Maßnahmen wird vielleicht eine teurer und geht durch die Medien. Probleme machte die Lindgren- Schule, die anderen Schulprojekt wurden wie geplant abgerechnet.

Und dann beginnt ja auch der Bau der Rathauses ...

Der letzte Bauabschnitt am Nord-West-Flügel beginnt. Die anderen Sanierungsarbeiten laufen ja schon länger und sind zum Großteil abgeschlossen. Die Baumaßnahmen sind in drei Komplexe eingeteilt: das Alte Rathaus von 1540, der Teil des Rathauses, der seit 1922 noch ohne Sanierung geblieben ist und nun als letzter Abschnitt sozusagen der Kriegsschadenbau, also die Glasfront.

Die Planung ist ausgeschrieben, der Bau beginnt noch in diesem Jahr. Und Nörglern am Rathausbau sei gesagt, die Verwaltung einer Stadt dieser Größenordnung wird es immer geben, auch bei mehr Internet und Digitalisierung.

Wie arm oder reich ist denn Plauen?

Wir liegen im Mittelfeld. Wir sind keine arme Stadt. Viele Wünsche lassen sich mittelfristig erreichen. Aktuell haben wir einen Haushalt von 130 Millionen Euro, das waren auch schon weniger in den letzten Jahren. Die Haushaltsmöglichkeiten sind etwas größer geworden.

Wir haben eine stabile Kulturförderung, die mit 6,3 Millionen Euro netto und damit sechs Prozent des Gesamthaushaltes deutschlandweit besonders hoch ist. Sie wird auch nicht angerührt durch die Investitionen im Sportbereich und im Sozialwesen. Was in unserer Verantwortung als Stadt steht, wird stabil geleistet.

Es gibt ja ein schönes Bild vom Schloss in Ihrem Zimmer. Was denken Sie, wenn Sie es anschauen?

Wie wunderbar es doch ist, dass dort oben auf der Krone der Stadt bald junges Leben einziehen wird. Über all meine Amtsjahre war es mein großer Wunsch, aus dem Schlossareal wieder etwas zu machen. Ursprünglich gab es ja die Idee, das Schloss wieder aufzubauen. Doch ich denken, der Campus ist die viel schönere und in die Zukunft gerichtete Lösung. Ich freue mich, dass das Land Sachsen als Eigentümer des Grundstücks die Idee so konsequent unterstützt und das Gelände bebaut.

Wie gefährlich lebt es sich in Plauen?

Lassen Sie mich die Frage etwas anders formulieren: Was muss getan werden, damit die Leute sich sicherer fühlen? Tatsache ist, das Sicherheitsbedürfnis ist größer geworden. Und darauf reagieren die Stadträte, darauf reagiert die Verwaltung.

Die Zusammenarbeit mit der Polizei ist intensiver geworden. Es gibt gemeinsame Kontrollen und Absprachen zwischen Polizei und dem Ordnungsdienst der Verwaltung. Die Ausstattung der kommunalen Ordnungshüter wurde verbessert, das Personal in diesem Bereich auf 14 Männer und Frauen aufgestockt, ein zusätzlicher Bediensteter im Streifendienst wird im März seine Arbeit aufnehmen, ein weiterer im April.

In den letzten Monaten wurden ja immer zwei Dinge diskutiert: Videoüberwachung und Alkoholverbot an bestimmten Plätzen der Innenstadt. Ein Alkoholverbot - zeitlich und örtlich begrenzt - unterstütze ich und werde den Stadträten auch einen entsprechenden Beschluss vorschlagen. Für eine Videoüberwachung gibt es weder eine Notwendigkeit, noch eine rechtliche Grundlage. Ein "Kamera-Wald" auf freien Plätzen ist für mich keine Antwort auf die Probleme.

Nochmal nachgehakt: Die Plauener Innenstadt ist aus Ihrer Sicht kein gefährliches Terrain per se?

Es gibt keine Gefahr für die Menschen, sich frei in unserer Stadt zu bewegen. Es gibt keine Angriffe auf Passanten, die gibt es nicht. Übrigens sieht das der Polizeipräsident Westsachsens, Conny Stiehl, ähnlich. Wir pflegen eine Zusammenarbeit, wie sie nicht besser sein könnte. Vor diesem Hintergrund ist es sicher auch wichtig, dass in das Polizeirevier in der Freiheitsstraße kräftig investiert wird. Derzeit laufen die Planungen und dann geht es bald los. Ganz deutlich: Wir werden 2018 Signale setzen.

Nicht nur vor dem Hintergrund des offenbar gesunkenen Sicherheitsempfindens der Bürger gefragt: Hat die Verwaltung das Ohr an der Masse?

Eindeutig ja und das betrifft auch Meinungsäußerungen in den sozialen Medien. Hier kommt ja, zuweilen auch nicht ganz druckreif, das Stimmungsbild eines Teils der Plauener zum Ausdruck. Ich halte mich für sehr nahe dran mit meinen Ohren an der Masse. Und wenn es von Gruppierungen Kommunikationsvorschläge gibt, dann habe ich noch nie jemanden abgewiesen. Das werde ich auch weiter so halten.

In Sachen Umzug der Falknerei auf einen Teil des Geländes des Pfaffengutes boten Sie sich als Vermittler zwischen den Parteien an. Inzwischen ist die Kiste ziemlich verfahren?

Ein Umzug der Falknerei Herrmann auf ein Stück Gelände des Pfaffengutes ist wohl vom Tisch. Dieser Tage lehnte der BUND in einem Schreiben das Ansinnen ab. Als ich mit Herrn Herrmann eine Ortsbegehung machte, schien mir sein Wunsch sehr schlüssig. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass dies auf derartigen Widerstand stößt.

Nun müssen wir mit der Tatsache leben, dass es kein Einvernehmen gibt. Eine rechtliche Möglichkeit gibt es nicht. Dazu sei ein kleiner Rückblick gestattet: Vor 17 Jahren ging es darum, das Pfaffengut vor dem Verfall zu bewahren. Das lag mir selbst am Herzen und ich bin immer noch voller Dankbarkeit, mit dem BUND, den Naturfreunden und später dem Pfaffengutverein so gute Partner gefunden zu haben.

Um deren ehrenamtliches Engagement auf tragfähige Füße zu stellen, wurden auch die Verträge langfristig gestaltet. Und eine Änderung der jetzigen Vertragslaufzeit bis 2026 wäre eben nur einvernehmlich zu machen. Da fehlt es aus meiner Sicht einfach auch am Willen. Und nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Falknerei bleibt an ihrem bisherigen Standort.

Da es sich aber um Gewerbeflächen handelt, ist nicht auszuschließen, dass sich dafür Kaufinteressenten finden. Davon unabhängig werden wir dem Falkner noch verschiedene Standorte in der Stadt anbieten. Ob die sich eignen, kann nur Herr Herrmann einschätzen. Dazu wird es demnächst ein Gespräch geben.

Kaum ist das Parktheater wieder in städtischer Hand geht die Diskussion über maximal zugelassene 2.000 Besucher los. Bringt sich Plauen damit nicht selbst um seine Naturbühne?

Der Zeitpunkt mit dem Übergang des Parktheaters in die Hände der Stadt und die Diskussion sind ein Stück selbst gemacht durch die Bauaufsichtsbehörde. Sie begründet die maximale Besucherzahl mit den zur Verfügung stehenden Parkflächen. Wenn wir mehr Parkmöglichkeiten bereit stellen können, kann sich auch die Besucherzahl ändern. Und daran arbeiten wir zur Zeit.

Derzeit laufen Verhandlungen mit der Deutschen Bahn AG. Vielleicht bekommen wir Gelände am Güterbahnhof für weitere Parkflächen. An dieser Stelle möchte ich mich aber beim Parktheaterverein und besonders bei Steffen Krebs und Jens-Uwe Köhler bedanken, die 20 Jahre lang das Parktheater bewirtschafteten. Die Stadt hat dabei immer mitgeholfen. Nun gehören Parktheater und Festhalle zusammen. Um das Parktheater noch anziehender zu machen werden wir die Bänke mit Lehnen versehen, so dass auch ältere Besucher bequemer sitzen können. Und unser Ziel ist es auch, das Dach der Bühne zu dem es ingenieurtechnische Bedenken gibt, zu erneuern.

Wer von außerhalb mit dem Auto nach Plauen kommt, weiß ohne hinzusehen, dass er wieder daheim ist. Schlechte Straßen und Gehwege gibt es genügend, was wird dagegen getan?

Plauen ist für insgesamt mehr als 300 Kilometer Straßen zuständig. Jährlich fließen Millionen-Investitionen in den Straßenbau. Und auch in diesem Jahr sind wieder Straßenbaumaßnahmen im Wert von rund 4,3 Millionen Euro geplant. Dazu kommen noch einmal rund 3,3 Millionen Euro für die Instandhaltung.

Die größten Vorhaben im Straßenbau sind dieses Jahr die Straße Am Reuthübel, Ausbau Krausenstraße und die Straße zum Plohm. Insgesamt stehen 34 Straßen auf dem Programm. Im Zeitraum von 2018 bis 2021, wofür insgesamt 15,82 Millionen Euro für Straßenbau vorgesehen sind, sind es die Straßberger Straße von Siegener Straße bis Ortsausgang, die Alte Jößnitzer Straße mit Stützmauer in Kauschwitz.

Bei den Instandsetzungsmaßnahmen fließt im gleichen Zeitraum von den geplanten 8,5 Millionen Euro das meiste Geld in die Deckensanierung und in die Instandhaltung von Pflasterstraßen. Für die Gehwege sind rund eine halbe Million Euro eingeplant. Wir tun was gegen kaputte Straßen und Gehwege. Nur geht das nicht so schnell, wie sich das mancher wünscht. Und oft fließen die Zuwendungen aus dem Land so spät, dass die Fördermittel nicht mehr in dem laufenden Jahr verbaut werden könne. Viele Straßenbaustellen zur gleichen Zeit verärgern auch oft die Bürger.