Plauen: Wie viel Spitzenzentrum darf?s sein?

Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zur Frage, ob sich das Weisbachsche Haus für eine Spitzenwelt eigne, hat die Debatte um Größe und Kosten des geplanten Zentrums neu entfacht. Wie viel Spitzenzentrum darf es sein und wie viel kann sich die Stadt überhaupt leisten?

Plauen - Fakt ist: Nur geringfügig teurer wird der Standort an der Elsteraue im Vergleich zum Oberen Graben nicht. Ein Wildwuchs an Meinungen hat Architekt Bernd Müller von der Bauplanung Plauen in den letzten Wochen bei der Erstellung einer Machbarkeitsstudie zum Weisbachschen Haus wahrgenommen. Man dürfe nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Die Pläne für den Standort Oberer Graben sind inzwischen sechs Jahre alt. Noch Jahre werden vergehen bis das Projekt beginnt. Das Konzept von damals ist aus heutiger Sicht bereits überholt. Dies zeigt allein die Ausstellungsfläche für die Spitzenwelt von anfänglich rund 900 Quadratmeter. Laut einer Studie von Tourismusexperten muss eine Erlebniswelt, die Zehntausende Besucher jährlich anlocken will, mindestens 2000 Quadratmeter groß sein.

Am Oberen Graben nicht machbar. Möglich sind hier maximal 1400 Quadratmeter. "Da wäre die Fläche dann bis auf den letzten Quadratmeter belegt. Selbst die Besenkammer müsste zur Ausstellungsfläche werden", sagt Rainer Maria Kett. Der SPD-Fraktionschef ist gleichzeitig Vorstandsvorsitzender des Deutschen Innovationszentrums für Stickerei (DIS). Die Dachorganisation der vogtländischen Textilindustrie neben dem Branchenverband Plauener Spitze soll die Spitzenwelt betreiben. "Der Stand von 2007 stimmt nicht mehr", meint Kett. Die Aufgaben seien heute klarer. Die alten Pläne können nicht einfach über das Weisbachsche Haus gestülpt werden. Ein Kostenvergleich mit dem Oberen Graben ist durch die neuen Erkenntnisse hinfällig.

Noch dazu, dass das Tourismus- und Branchenvorhaben nur geringfügig teurer werden würde, sollte im Weisbachschen Haus eine "kleine" Spitzenwelt einziehen, wie zu Beginn für den Oberen Graben geplant war. Das Konzept für die Erlebniswelt mit Shop, Gastronomie und Räumen für Archiv, Forschung und Bildung ist allerdings inzwischen längst über den Platz des Oberen Grabens hinausgewachsen. Soll an der Elsteraue ein Magnet und weiterer Impulsgeber geschaffen werden, müsse deutlich mehr Geld in die Hand genommen werden. Mit einer Verdopplung der geschätzten Gesamtkosten rechnet die Stadt bereits in ihrer Informationsvorlage zur Studie. Am Oberen Graben werde demnach mit einer Summe von etwa zehn Millionen Euro geplant und für das markante alte Fabrikgebäude an der Elster seien mindestens gut 20 Millionen Euro nötig.

"Wird das ganze Weisbachsche Haus umgebaut mit Erweiterungsbau dann stehen zur doppelten Fläche doppelte Kosten im Raum", sagt Architekt Bernd Müller. Das Erweiterungspotenzial des Hauses lasse mit Blick in die Zukunft kaum Wünsche offen. Rainer Maria Kett macht auf ein weiteres Grundproblem an der Elster aufmerksam: "Wir können in die Ruinenlandschaft kein Schmuckkästchen reinstellen. Es muss großflächig aufgeräumt werden." Die in der Machbarkeitsstudie angegebenen mehr als 15 Millionen Euro für die Gesamtsanierung des Gebäudekomplexes seien nicht von der Hand zu weisen. "Das Haus muss von oben bis unten saniert werden", so Kett. Sollte sich die Stadt für den Standort entscheiden, müsste hier auch für die nächsten Jahre der Investitionsschwerpunkt liegen, meint Kett im Vogtland-Anzeiger-Interview.

Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer möchte sich noch nicht auf einen der beiden Standorte festlegen. Im Herbst wird der Stadtrat entscheiden. "Ich denke aber, dass das Weisbachsche Haus den Stadträten mehr aus dem Herzen sprechen würde", sagt der OB. Tatsache sei aber auch, dass ohne einen Anbau die Spitzenwelt nicht am Mühlgraben realisiert werden kann. Mit einer Nord- und Süd-Anbau-Variante werden in der Studie zwei Möglichkeiten vorgeschlagen. Noch gehört das Weisbachsche Haus der Familie Weisbach.

Fällt die Entscheidung für den Standort, würden die Weisbachs die Immobilie der Stadt zum Geschenk machen. Noch werden die Eigentümer aber wohl einige Jahre auf ihrem Gebäude sitzen. Das Vorhaben könne erst umgesetzt werden, wenn die aktuellen Projekte abgeschlossen sind, so Ralf Oberdorfer. Vor allem vom Bau des Rathauses hänge der Startschuss für die Spitzenwelt ab. Der Oberbürgermeister schätzt, dass etwa 2016 oder sogar erst 2017 begonnen werden kann. Dies wäre zehn Jahre nach der Stadtratsentscheidung, ein Spitzenzentrum zu etablieren.