Plauen: Verstärkte Nachfrage nach Jodtabletten

Plauen/Rodewisch -Besorgt verfolgen die Vogtländer die dramatischen Ereignisse im Erdbebengebiet in Japan und die Entwicklung im stark geschädigten Atomkraftwerk Fukushima. In einigen Apotheken steigt die Nachfrage nach Jodtabletten. Für das Vogtland besteht laut des Plauener THW-Ortschefs Jörg Sünderhauf keine Gefahr aus Japan.

 

Auch am vierten Tag nach dem Mega-Beben in Japan spitzt sich die Situation im Krisengebiet weiter zu. Mit Sorge schaut die Welt auf das Atomkraftwerk Fukushima 1. Die Nachrichtenmeldungen überschlugen sich gestern.

Während immer mehr Bundesbürger vor allem in den Großstädten wie Berlin überlegen, sich mit Atemschutz und so genannten Jodtabletten einzudecken, gibt es in vielen vogtländischen Apotheken so gut wie kaum eine Nachfrage. Das hat eine Umfrage von Vogtland-Anzeiger unter mehreren Apotheken ergeben. Anders sieht es in der Pluspunkt Apotheke in der Stadt-Galerie in Plauen aus, sagt Inhaber Klaus Krebs. Er habe mehr Kunden, die in den letzten Tagen danach fragten. Krebs rät genauso wie Apotheker Dr. Thomas Maschke aus Rodewisch vom Kauf und der Einnahme der Tabletten klar ab. Dies sei unnötig. Jodtabletten sollten nur nach einer Empfehlung der Regierung oder der Strahlenschutzkommission und in einem Katastrophenfall wie in Japan verabreicht werden. Erst bei einer erheblich erhöhten Strahlengefahr sei die Einnahme sinnvoll. "Es ist ein nicht so einfach einzunehmendes Medikament. Man darf davon auch nicht zu viel zu sich nehmen", so der Experte auf Anfrage.

In einem Ernstfall würde in kürzester Zeit eine ausreichende Menge an Jodtabletten für die Bevölkerung zur Verfügung stehen, schätzt Maschke ein. Für die Region sieht der Apotheker "momentan" keine Gefahr vor einer eventuellen radioaktiven Wolke, die von Japan ins Vogtland ziehen könnte. "Ich sehe es eher für den Bereich rund um Japan als sehr kritisch an." Das stark beschädigte japanische Kernkraftwerk Fukushima 1 ist rund 9000 Kilometer vom Vogtland entfernt.

Bei den Bildern aus Japan kommen auch bei Thomas Maschke die Erinnerungen an die Reaktorkatastrophe im April 1986 im Atomkraftwerk Tschernobyl wieder in den Kopf. Der Apotheker befand sich zu dieser Zeit gerade im Studium. "Das war damals eine wesentlich höhere Gefahr für uns."

Auch der Chef des Ortsvereins Plauen des Technischen Hilfswerkes (THW), Jörg Sünderhauf, sieht für die hiesige Region keinerlei Gund zu Panik. Sünderhauf, der über eine Spezialausbildung verfügt, um in Katastrophengebieten weltweit eingesetzt zu werden, bezieht derzeit seine Informationen wie jeder andere aus den Medien, dem Internet, zusätzlich aber auch über die THW-Zentrale in Bonn. "Die sind natürlich detaillierter, da fließen auch Insiderinformationen der Botschaft mit ein", sagt Sünderhauf.

 

Aufgrund seiner Zusatzausbildung befindet er sich in erhöhter Alarmbereitschaft. "Ich habe meinen Koffer gepackt und alle sonstigen persönlichen Vorbereitungen getroffen", sagt er. Im Fall der Fälle müsste er sich binnen sechs Stunden am Flughafen Frankfurt/Main einfinden. Dieses Szenario hält er aber für eher unwahrscheinlich. Auch sein unmittelbar bevorstehender Einsatz zu Jahresbeginn ins Erdbeben-Katastrophengebiet nach Haiti fand dann doch nicht statt. mar/tp