Plauen verliert Endmontage an Polen

ABM Greiffenberger eröffnet im Herbst ein Werk im polnischen Lublin. 120 Mitarbeiter will das Unternehmen aus Marktredwitz hier beschäftigen. Aus Plauen wird die Endmontage abgezogen - und die Hälfte der 60-köpfigen Belegschaft entlassen.

Marktredwitz/Plauen - Bis Ende des Jahres wird die Marktredwitzer ABM Greiffenberger Antriebstechnik GmbH in Polen einen neuen Standort aufbauen. Wie Geschäftsführer Robert Lackermeier im Gespräch mit unserer Zeitung sagte, handelt es sich bei dem neuen Unternehmen um eine hundertprozentige Tochter der ABM Greiffenberger Antriebstechnik. "Wir wollen in Lublin die verlängerten Werkbänke bei ausländischen Partnern und Lieferanten durch ein Werk unter unserer Leitung ersetzen. Dadurch wird das Lieferketten-Management insgesamt schlanker, flexibler und effizienter. Dies stärkt unsere globale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig." Auch sieht Lackermeier Polen langfristig als gute Basis für künftig vermehrte Geschäfte in Osteuropa.

Aus dem Werk in Plauen wird die Endmontage nach Lublin verlagert, wovon 30 Mitarbeiter betroffen sind - wir berichteten. "Das Werk Plauen wird sich zukünftig allein auf die spanende Fertigung konzentrieren. Der neue Standort hat keine personellen Auswirkungen auf den Stammsitz des Unternehmens in Marktredwitz", sagt Lackermeier. Hier sind derzeit etwa 550 Mitarbeiter beschäftigt, ein Teil davon kommt seit Jahren aus dem Vogtland. Die in Lublin gefertigten Baugruppen werden künftig auch in der Endmontage am Standort Marktredwitz verwendet.

Die Standortsuche für das neue Werk hat knapp drei Monate gedauert. Ausschlaggebend für die polnische Stadt waren mehrere Faktoren, von denen die im Vergleich zu Westeuropa niedrigeren Lohnkosten laut Lackermeier eine eher untergeordnete Rolle spielten. "Wir hatten mehrere Regionen in verschiedenen Ländern zur Auswahl. Letztlich haben die hervorragende Infrastruktur, gute Investitionsbedingungen und vor allem das große Fachkräftepotenzial für Lublin gesprochen." So gebe es in Lublin fünf Universitäten, unter anderem mit technischer Ausrichtung sowie eine Automobil-, Luftfahrt- und Traktorenindustrie.

ABM Greiffenberger wird für das Lubliner Werk eine neue Industriehalle beziehen und langfristig mieten. Außer in die Montage werde in Lublin auch in Prüf- und Fertigungstechnik investiert. Bis Ende des Jahres sollen 120 Mitarbeiter an dem neuen Standort beschäftigt werden - durchwegs Fachkräfte aus der Elektrotechnik und dem Maschinenbau. Damit die polnischen ABM-Mitarbeiter die unternehmensspezifischen Abläufe kennen lernen, werden sie in Marktredwitz geschult.

"Wir erwarten uns mit der neuen hundertprozentigen Tochter eine weitere Stärkung unseres Unternehmens, da wir bisher verteilte Unternehmensprozesse zusammenführen können", sagt Lackermeier. Der Geschäftsführer will nicht nur den Aufbau des neuen Werkes forcieren, sondern auch Marktredwitz weiter stärken. "Hierzu planen wir einige größere Investitionen im Bereich der Getriebe- und der Motorenfertigung." Nach einem etwas schwächeren zweiten Halbjahr 2012 verzeichnet ABM Greiffenberger laut dem Geschäftsführer zum Jahresbeginn wieder "ordentliche Auftragseingänge".

Für das laufende Jahr rechnet ABM Greiffenberger mit einer leichten Umsatzsteigerung. Als etwas problematisch empfindet Lackermeier, der seit eineinhalb Jahren Geschäftsführer ist, die Akquise von Führungskräften in der Region. "Wenn wir einen Produktmanager für den Standort Marktredwitz suchen, wird es schwierig, jemanden mit einem Großstadt-Hintergrund in die Region zu locken." Daher wünscht sich Lackermeier, der aus dem Raum Nürnberg stammt, ein noch intensiveres Standortmarketing.

"Wir haben hier etliche Global Player in der Automobilindustrie, der Antriebstechnik oder dem Maschinenbau. Da muss sich niemand verstecken." Etwas einfacher sei es noch, Lehrlinge für die technischen Berufe zu finden. "Aber auch dies wird immer schwieriger. Wir bieten unseren Nachwuchskräften gute Aufstiegschancen und ein gutes Umfeld. Dies müssen wir immer wieder im Rahmen von Ausbildungsmessen den jungen Leuten vermitteln." ABM hat vor einiger Zeit ein Weiterbildungsprogramm für Fach- und Führungskräfte und ein Nachwuchsförderprogramm gestartet. va