Plauen und Gera historische Geschwister

Die 25. Ausgabe der Jahresschrift des Vereins für vogtländische Geschichte, Volks- und Landeskunde ist im Stadtarchiv vorgestellt worden. Die Vorstände warfen einen Blick auf die dort veröffentlichten Texte und einen kleinen Blick auch voraus auf die nächsten Ausgaben.

Plauen Auf 191 Seiten und mit 74 teils farbigen Illustrationen lässt der Verein die Geschichte der Region einmal mehr schlaglichthaft, aber tiefgründig vorbeiziehen. Ganze fünf Euro müssen Geschichtsfreunde investieren, um die Jahresschrift im Buchhandel, im Vogtlandmuseum oder über die Homepage des Vereines (www.vogtland-geschichte.de) zu erwerben.
"Zentrale Themen sind in diesem Jahr ein vergleichender Blick auf die frühen Stadtgründungen im Vogtland. Dr. Christine Müller aus Lindenkreuz in Thüringen hat dafür einen Vortragstext umgearbeitet und zeigt die Rolle der Vögte als Stadtgründer und vor allem die beinahe parallele Entwicklung der Städte Gera und Plauen über die Jahrhunderte", sagt Vereinsvize Dr. Cristian Espig. Man könne nachvollziehen, wie sich die Bebauung in beiden Städten beinahe zeitgleich ganz ähnlich entwickelt habe. Die Stadtgrundrisse weisen sehr ähnliche Züge auf, vor allem in Hinblick auf die Marktplätze und die Stadtmauern.
Stadtburgen und Freihäusern wird sich ebenfalls im Haupttext der Jahreschrift gewidmet. Die gleiche Autorin zeichnet auch für einen zweiten spannenden Beitrag verantwortlich. Sie betrachtet die Bergwerkstradition in Fürstenberg und Hohenforst und stellt die Frage, ob dies letztlich ein Bergwerk gewesen sei oder zwei getrennt zu betrachtende.
Prof. Siegfried Schönherr widmet sich der Geschichte des Dörfchens Sohl im Elsteraner Land und der renommierte Plauener Baudenkmalpfleger Jörg Fischer wirft einen Blick auf die beiden vogtländischen Reuths, die beide - auf den ersten Blick merkwürdigerweise - eine Befestigungsanlage (Wal) zu bieten haben.
Interessant ist auch die Betrachtung von Christian Passon aus Zwota, der sich die Plauener Gründungsurkunde des Jahres 1122 noch einmal ganz genau angeschaut hat und eine Neuinterpretation der bisherigen Grenzziehung der Bistumsgrenze am Eisenbach. "Es ist erstaunlich, dass aus der Urkunde immer wieder neue Erkenntnisse herausgefunden werden können. Es ergeben sich immer wieder spannende neue Gedanken, die hier niedergeeschrieben sind", so Espig. Vereinschefin Ina Schaller wies zur Präsentation auf einen spannenden Beitrag zur Kulturgeschichte hin, den Dr. Wolfgang Viebahn aus Reichenbach verfasst hat. Er widmet sich in einem interessanten Überblick den Parkanlagen und allerlei öffentlichem Grün im nördlichen sächsischen Vogtland.
Zudem schildert Falk Drechsel anhand historischer Zeitungsausschnitte eine Zäsur in der Geschichte seiner Familie. Denn im August 1903 brannte ein Gut in Remtengrün bis auf die Grundmauern ab - sechs der sieben Kinder der Familie Neudel starben damals in den nächtlichen Flammen. Der Autor schildert in bewegenden Worten die Dramatik dieses Tages und die Hilfsbereitschaft der Dorfbewohner im Angesicht des Unglücks.
Spannend auch im Hinblick auf heutige Geschehnisse erscheint Werner Pöllmanns kirchengeschichtlicher Blick in die Organisation der hiesigen Glaubensgemeinschaft. Zum 1. Januar werden die Kirchenbezirke des Vogtlands nämlich zu einem einzigen Konglomerat verschmelzen. "Diese Veränderungen gab es über die Jahrhunderte im evangelisch-lutherischen Bereich immer wieder - erstaunlicherweise - oder vielleicht auch ganz logisch - zumeist in Zusammenhang mit politischen Veränderungen", beton Christian Espig, der die Fäden der Jubiläumsausgabe mit seinen Mitstreitern Ronny Hager und Jens Geipel, sowie Vereinschefin Ina Schaller in den Händen hielt.
Für die kommenden Ausgaben gäbe es schon einige spannende Ansätze, sagt Ina Schaller und berichtet von einem zweigeteilten Beitrag, der gerade zum Thema des Erbgesundheitsamtes Plauen und der Euthanasie in der Region zur Zeiten des Nationalsozialismus erarbeitet wird.
Christian Espig sieht generell eine gewisse Geschichtslastigkeit und möchte gern auch ein wenig mehr volkskundlerlsche Publikation in den Jahresschriften einbringen. Deshalb habe man bei einem der 92 Vereinsmitglieder angefragt, ob dieser nicht einmal eine schöne Geschichte zu Kuhnamen im Vogtland schreiben könnte. Ingo Eckardt