Plauen: Streit um Kauf des einstigen Pionierhauses

Vor sieben Jahren wäre ein Grundstück auf der Böhlerstraße für 35 000 Euro zu haben gewesen. Jetzt kostet es das Vierfache. Die Stadträte üben Kritik.

Plauen - Eigentlich ging es lediglich um den Ankauf eines Grundstückes an der Böhlerstraße und den Verkauf von anderen, an der Burgstraße gelegenen. Doch zuweilen steckt der Teufel im Detail und so barg auch der letzte Tagesordnungspunkt im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung am Dienstag für ausreichend Diskussionsbedarf.

Der Hintergrund: Die Stadt möchte das ehemalige Pionierhaus an der Böhlerstraße, das sich im Besitz der Volkssolidarität befindet übernehmen, um es abzureißen. Hier könnten beispielsweise Parkplätze entstehen, wenn im Weisbachschen Haus mal die Spitzenwelt untergebracht oder das Areal für die Industrieausstellung genutzt werde, argumentierte Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer. Wenn beides nicht greife, habe man immer noch einen tollen Blick auf den Mühlgraben, fügte er an. Die Volkssolidarität habe ihr Einverständnis bereits signalisiert, suche aber im Gegenzug eine Grundstücksfläche in der Innenstadt.

Das könnten die Gebäude an der Burgstraße sein, die sich wiederum in kommunalem Besitz befinden, so der OB. Die Transaktionen könne man ja finanziell verrechnen. CDU-Stadtrat Prof. Lutz Kowalzick sah das etwas anders. Das einstige Pionierhaus hätte man vor sieben Jahren deutlich günstiger - nämlich für 35 000 Euro haben können.

Damit wäre es auch möglich gewesen, die Brücke über den Mühlgraben zweispurig anzulegen. Er beantragte namens seiner Fraktion, die Entscheidung zu vertagen. Nun liegt der Kaufpreis bei 119 000 Euro, auf den ersten Blick kein gutes Geschäft, legt man die Konditionen von damals zugrunde. Auch SPD-Fraktionschef Rainer Kett sah in der Geschichte ein "Geschmäckle". Offenbar habe es vor sieben Jahren in gehörigem Maß an Abstimmung gefehlt. Er schlug vor, den aktuellen Verkehrswert feststellen zu lassen. Trotz zugesagter Fördermittel stehe man nicht unter Zeitdruck - formal bleibe sogar Zeit bis zur Industrieausstellung 2018, wenn man denn den Zuschlag erhalte. Die SPD lehne den Kauf nicht ab, plädiere aber für Nachverhandlungen mit der Volkssolidarität. Kett: Es liegt jedenfalls keine Win-Win-Situation vor.

Oberdorfer erinnerte seinerseits an die Situation von vor sieben Jahren. Die Stadt sei froh gewesen, dass die Volkssolidarität auf der damaligen Auktion mehr geboten habe, weil es eigentlich gar kein städtisches Interesse an dem Grundstück gegeben habe. Die VS ihrerseits habe investieren wollen - aus den verschiedensten Gründen sei nichts daraus geworden. "Ich kann dem Vorschlag, die Abstimmung zu vertagen nicht folgen, zumal Abrissmittel zur Verfügung stehen", so der OB.

Grünen-Fraktionschef Dieter Rappenhöner fand den Verkehrswert der Grundstücke Burgstraße mit 219 000 Euro eindeutig als zu hoch angesetzt. Lediglich Linken-Stadtrat Klaus Jäger konnte in Kauf und Verkauf nichts Nachteiliges entdecken. "Wir machen das, was hier steht, es ist ein gescheites Geschäft", befand er. Das sah die Mehrheit der Stadträte auch so und nun wird das einstige Pionierhaus von der Stadt für 119 000 Euro gekauft, die VS erwirbt die Grundstücke in der Burgstraße für insgesamt 219 000 Euro.