Plauen: Strafanzeige gegen Nazi-Webseite

Sie zeigten Gesicht gegen Rechts, wie viele andere Plauener am 13. April bei den Kundgebungen gegen den Trauermarsch der Neonazis. Mehr noch: Sie sprachen auf dem Albertplatz oder waren maßgeblich an den Vorbereitungen der Aktionen beteiligt. Nun reagierten die Rechten auf ihre Weise.

Plauen - Sie wehren sich nicht nur, sie verleihen ihrem Protest Stimme und Gesicht, wenn es darum geht, Plauen und die gesamte Region nicht zum Aufmarschgebiet von Neonazis werden zu lassen. Politiker und Gewerkschafter, Mitglieder von Vereinen, erfreulich viele Jugendliche. Damit geraten sie - und das wissen sie - auch ins Visier der Neonazis. Auf besonders üble Weise geht es auf der rechten Facebook-Seite der Nazi-Gruppe "Generation für die Zukunft" zur Sache.

Dort ist beziehungsweise war die Reihe der genannten Namen, versehen mit volksverhetzenden Kommentaren, besonders lang. Landrat Dr. Lenk ist im Umfeld einer Zyankali-Dose zu sehen, auch das Engagement von Plauens SPD-Chef Benjamin Zabel, Jörg Menke von der Bürgerplattform, Gewerkschafter Stefan Kademann, dem Sprecher des Aktionsbündnisses, Stefan Postier, oder auch Nele Wolfram vom Jugendparlament wird entsprechend "gewürdigt". Mit Hetzparolen und persönlicher Bedrohung.

Nun hat ein Teil der Betroffenen reagiert. Sowohl Landrat Lenk, als auch Stefan Postier und Nele Wolfram stellten Strafanzeige. Der Sprecher des Aktionsbündnisses wandte sich an die Plauener Polizei, die die Anzeige an den Staatsschutz weiterleiten werde. Postier verklagt die Betreiber der Seite wegen Volksverhetzung und Bedrohung, sagt er gegenüber dem Vogtland-Anzeiger.

Auch die 18-jährige Sprecherin des Jugendparlaments, Nele Wolfram, holte sich juristischen Beistand, nachdem sie nach Veröffentlichung unseres Beitrages in der Ausgabe vom Dienstag erneut auf der besagten Neonazi-Seite eine sie beleidigende Rolle gespielt haben soll. Sie wandte sich an den Plauener Rechtsanwalt Oliver Bittmann. Dieser erstellte Strafanzeige. Straf- und zivilrechtlich werde die Sache nun verfolgt.

Die Äußerungen auf der Seite des sozialen Netzwerkes haben eine bisher nicht dagewesene Form angenommen. "Wir hoffen, dass die Behörden schnell ermitteln", sagt Bittmann auf Anfrage. Er sieht die Seite als einen klaren Aufruf zu Gewalt. "Angst habe ich nicht. Es ist aber erschreckend." Schon vor der Gegendemonstration am 13. April in Plauen habe Nele Wolfram im Visier der Neonazis im Netz gestanden. Als "Volksschädling" soll die junge Frau bezeichnet worden sein.