Plauen Standort für rumänische Diplomfabrik?

Plauen/ Berlin/ Bukarest - Ob Plauen eine richtige Privat-Universität bekommt oder nicht, könnte vom erneuten Engagement des Theumaer Bundestagsabgeordneten Joachim Günther (FDP) abhängen. Der ruderte mit Allgemeinaussagen gegenüber dem "Vogtland-Anzeiger" allerdings zurück.

 

Spiru Haret heißt die Hochschule, die der Plauener Politiker gern mit einem Standbein in Plauen sehen würde, immerhin sei die Uni mit zahlreichen Außenstellen eine der größten Privatuniversitäten in Europa. Der frühere Vize-Rektor der Uni Aurelian Bondrea jr. weilte 2009 mit Günther schon zu Gesprächen im Vogtland, die Pläne wurden aber wieder in die Schublade gelegt. Denn es soll hektisch und turbulent im vergangenen Jahr um die Belange der Universität Spiru Haret Bukarest zugegangen sein, berichtet Günther.

Was ist geschehen? An der Uni gab es einen Führungswechsel. Aurelian Bondrea Senior, der alte Rektor gab seinen Posten an den Sohn ab, der bisher Vize war. Außerdem soll es zu politischen Turbulenzen um und zu Umstrukturierungen an dem Institut gekommen sein, von Korruption, Ausbildungsmängeln und Diplomaberkennungen sei die Rede.

Die Uni-Außenstellenleitung habe nun Günther versichert, diese Turbulenzen, in deren Zuge die Universität in einen zweifelhaften Ruf geriet, seien in Rumänien beendet worden, so der Politiker. "Inzwischen habe die Spiru Haret University für alle Abschlüsse, die man dort erlangen kann, die Autorisierung. Spiru Haret habe mit der Studentenanzahl in den diesjährigen Semestern an die der Vorjahre anknüpfen können", warb Günther weiter. Nach Abschluss der Umstrukturierungen im Personalbereich wolle die Uni verstärkt ihre Arbeit im Ausland wieder aufnehmen. "Dann soll auch das Projekt Plauen neu bewertet und angegangen werden", hofft der Theumaer, der Ehrenprofessor der Uni ist und so ein verstärktes Interesse an einem Standort in Plauen hat.

Die aktuelle Einschränkung für ein Plauener Engagement benannte Günther auch. "Nach Aussagen der Außenstellenleitung in Berlin ist das Ziel nun allerdings, in Deutschland eine eigenständige Universität zu gründen. Der Standort Plauen, so wurde mir versichert, ist nach wie vor ein Ausgangspunkt für die weiteren Überlegungen der Rumänen", sagte Günther, doch viele Fragen müssten beantwortet werden.

Die Überlegung für eine rumänische Uni-Außenstelle erfährt derweil weiter Gegenwind. "An meiner Ablehnung gegenüber diesem windigen Uni-Projekt hat sich nichts geändert", sagt Rolf Schwanitz, Plauener Bundestagsabgeordneter (SPD). Selbst wenn die Turbulenzen beendet seien, mache das noch längst kein seriöses Hochschulprojekt, so der Politiker gegenüber dem "Vogtland-Anzeiger".

"Der Übergang des Uni-Rektorenpostens von Aurelian Bondrea an dessen Sohn erinnert mich mehr an die Thronfolge in einer Erbmonarchie als an die Gepflogenheiten in der zentraleuropäischen Wissenschaftslandschaft", kritisiert Schwanitz, der einen engegengesetzten Schwerpunkt anspricht: "Tatsächlich geht es um etwas ganz anderes: Die sächsische Staatsregierung darf nicht am falschen Ende sparen. Sie muss endlich grünes Licht für den weiteren Ausbau der Staatlichen Studienakademie in Plauen geben. Mit dem Büro einer rumänischen Diplomfabrik ist dem Vogtland nicht geholfen."