Plauen: Soll "Platte" abgewickelt werden?

Die Anwohner empfinden die Schließung der Postfiliale am Chrieschwitzer Hang als herben Verlust.

Plauen - Einst gab es am Wartberg im Chrieschwitzer Hang eine richtige große Poststelle, noch heute kündet ein gelber Postkasten vor der Tür des ehemaligen Ladengeschäftes von besseren Zeiten. Nach Schließung der Filiale konnten die Chrieschwitzer ihre Postgeschäfte im Geschäft "Willi's Geschenke" erledigen, wo auch Blumen und eben Geschenkwaren angeboten wurden. Ende des vergangenen Jahres machte das Geschäft nach der Vertragskündigung die Schotten dicht, der Laden findet sich nun in der Innenstadt am Altmarkt.

Auf der Strecke blieben die Postdienstleistungen - heute gibt es lediglich noch eine Packstation am einstigen Nahversorgungszentrum. "Die Platte" verliert handelsseitig an Vielfalt. Das beklagen auch die Bewohner. Bei Nachfragen vor Ort ergibt sich ein eindeutiges Bild. Jürgen Günther beispielsweise wohnt im oberen Chrieschwitzer Hang und hat den Laden hin und wieder genutzt. "Ich habe hier manchmal Blumen gekauft oder auch mal Postdienstleistungen in Anspruch genommen. Gerade für die vielen älteren Leute hier ist der Weggang ein herber Schlag."

Ganz ähnlich sieht das Gabriele Gotter, die in Reusa wohnt und häufiger Pakete hier abgeholt hat. Am Tag der Befragung steht sie mit einem Paket, das sie abgeben möchte, vor verschlossener Tür. Sie hatte noch nichts davon gehört, dass die Poststelle nun dicht ist. "Jetzt muss ich deswegen in die Stadt fahren. Das ist völlig unverständlich, schließlich war der Laden nach meiner Beobachtung gut frequentiert", sagt Frau Gotter.

"Das betrifft uns sehr, weil wir den Laden oft genutzt haben", schätzt Ilona Schaarschmidt ein. Man müsse nun in den Elster-Park oder in die Stadt fahren, nur um mal ein paar Briefmarken zu erwerben. Sie habe täglich auch eine Zeitung hier gekauft, nun müsse sie dafür extra in die benachbarte Kaufhalle gehen. Dass es die Packstation gäbe, sei zwar eine gute Sache, aber gerade ältere Leute hätten doch eine große technische Hemmschwelle zu überwinden, um diese auch zu nutzen.

Dieter Liebold, ein einstiger Markthändler, weiß natürlich, dass sich Geschäfte rechnen müssen. Er diskutiert mit Roland Klein, der in den Elfgeschossern in der benachbarten Gelbke-Straße wohnt. "Das ist aus meiner Sicht Immobilienspekulation. Der Holländer, dem das hier gehört, der muss doch einen Plan haben. Das ist schon eine schlimme Lumpenbande in der Stadt, die das alles an den verhökert, der das meiste zu zahlen bereit ist", ärgert sich Liebold, der regelmäßig Briefmarken und Zeitungen gekauft habe und auch häufiger Einschreibebriefe abholte.

Roland Klein sieht das nicht ganz so krass, aber auch er beklagt, dass keiner erfährt, was hier künftig passieren soll: "Für die Bewohner der Umgebung ist das sehr negativ. Das lag doch sehr zentral und war gut erreichbar auch mit der Straßenbahn. Ich habe hier hin und wieder Blumen gekauft. Man hat das Gefühl, dass 'die Platte' nach und nach abgewickelt werden soll."