Plauen: Plastikstühle sorgen für Eklat

Da haut es einen vom Sitz! Die neuen Designerstühle im Festsaal des Vogtlandmuseums sorgten in der Sitzung des Kulturausschusses am Donnerstag für einen handfesten Eklat.

Plauen - Die Mitglieder des Kulturausschusses hatten sich für die Abarbeitung der überschaubaren Tagesordnung gleich den Ort des Geschehens herausgesucht. Im schicksten Raum des Museums nahmen sie auf geschwungenen Designerstühlen des französischen Designers Philippe Starck Platz. Museums-Chefin Dr. Silke Kral kann die Debatte um die vor einigen Wochen angeschafften 60 Stühle aus kratz- und stoßsicherem Kunststoff, wie es der Hersteller verspricht, nicht verstehen. "Ich finde das total irre. Das sind Auswüchse, die ich nicht nachvollziehen kann", sagte sie im Ausschuss.

Vor gut einem Jahr hat sie das bis dahin führungslose Museum übernommen. Dass die Kommunalpolitiker ihrer Auffassung nach zu stark in die Pläne des Museums- Teams reinreden würden, die Investition in den Festsaal teilweise scharf kritisieren und in Frage stellen, hätte sie sich nicht träumen lassen. Von Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer hätte sie das "go" für die Stühle bekommen. "Drücken Sie Plauen ihren Stempel auf", habe der OB ihr bei einem Termin im Dezember gesagt. Kral wollte einen Schlusspunkt unter die Stuhl-Diskussion setzen, erreichte aber bei einigen, wie Dietrich Kelterer und Wolfgang Schmidt, das Gegenteil. Die beiden beratenden Mitglieder konnten sich nicht mehr länger auf ihren Plastikstühlen halten und verließen wutentbrannt den Festsaal.

Anlass waren nicht nur die Worte Krals, sondern auch die Herangehensweise von Bürgermeister Manfred Eberwein, der unglücklicherweise den Unmut abbekam, da er den Ausschuss für Uwe Täschner vertrat, der im Urlaub weilt. Eberwein wollte vor der Stuhl-Debatte im Ausschuss zunächst noch den geplanten Rundgang durch das Museum antreten und anschließend über die Problematik sprechen. "Traurig" und "unglaublich" fanden Kelterer und Schmidt die Situation. "Ich lasse mich nicht belehren. Ich gehe nach Hause", so Wolfgang Schmidt. Im neuen Mosen-Zimmer des Vogtlandmuseums kam die angeheizte Stimmung dann wieder etwas zur Ruhe. Der sanierte Raum war die erste Station des Rundgangs, auf dem die aktuelle Entwicklung der Investitionen gezeigt werden sollte. Das frühere Lager, welches in einem schlechten Zustand war, könne nun erstmals als Besprechungsraum genutzt werden. Die einstige Bestuhlung hat ebenfalls hier eine neue Verwendung gefunden. Das Zimmer befindet sich über dem Festsaal.

Ein Testurteil gab es dann an dem angespannten Nachmittag auch noch: "Eigentlich sitzt es sich gut auf den Stühlen", sagte Eberwein nach der Führung. Es war seine Einleitung für alle, die die ohnehin schon heiße Luft noch etwas anfeuern wollten. Silke Kral erklärte nochmals, warum die Entscheidung für die Designerstühle fiel. "Wir haben unternehmerisch gedacht." Eine neue Zielgruppe, besonders junge Menschen, sollen künftig mehr angesprochen werden, hieß es. "Tradition trifft Moderne" könnte der Leitspruch für die Zukunft sein, so Kral. Die Stühle seien eine Aufwertung des Festsaals, findet die Museums-Chefin. Sie habe darauf positive Reaktionen von Veranstaltern und Hochzeitspaaren.