Plauen: Nicht jeder darf Schule wählen

105 künftige Fünftklässler wollen ab neuem Schuljahr an der Plauener Friedensmittelschule lernen - doch nur 25 an der Dittes- und 30 an der Rückert-Mittelschule Plauen. Warum das so ist, wollte unsere Zeitung von Bildungsagentur und Schulen erfahren.

Plauen - "Die hohen Anmeldezahlen an der Friedensschule sind ein Phänomen. Es gibt seit Jahren keine schlüssige Erklärung für das Anmeldeverhalten von Eltern und Kindern", sagt Arndt Schubert, Sprecher der Bildungsagentur Zwickau. "Die Friedensschule liegt halt zentraler als unsere", meint Lutz Dittmann, Schulleiter der Dittes-Mittelschule. Und die Kollegin von der Rückert-Schule, Silke Schwerdt, gibt unumwunden zu: "Die Friedensschule ist eben optisch sehr schön!"

Die Dittes-MS sei zudem nicht so gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen - viele der Schüler müssten vom Dittrichplatz aus laufen. Auch gingen die Schülerströme der großen Karl-Marx-Grundschule eher in Richtung Friedensschule. Im Gegenzug hätten dieses Jahr mehr Viertklässler aus der Dittes-Grundschule eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen - und etliche Kinder aus dem Einzugsgebiet der Dittes-Mittelschule würden sich auch für die Mittelschule Weischlitz entscheiden, so Lutz Dittmann.

So kommt es also vor, dass in der Dittes-MS mancher Jahrgang nur einzügig ist: Die jetzige fünfte, achte und zehnte Klasse. Und auch für kommendes Schuljahr geht Dittmann von nur einer fünften Klasse aus: "Ich sehe die Schule im Moment aber nicht gefährdet." Wobei ihm Arndt Schubert Recht gibt: "Laut einem Schul-Moratorium haben einzügig geführte Mittelschulen zurzeit Bestandsschutz."

Auch wenn die Rückert-Schule noch nicht generalsaniert ist, könne man durchaus mit anderem punkten, sagt Schulleiterin Silke Schwerdt. Dazu gehört das Montessori-Konzept mit Morgenkreis und Wochenplan, die schönen Teppich-Zimmer, in denen Kinder mit Konzentrationsproblemen besser ihre Aufgaben erledigen können. "Bei uns herrscht eine familiäre Atmosphäre. Und die Lehrer kennen alle Kinder beim Namen", streicht Schwerdt hervor.

Schon im vorigen Schuljahr meldeten sich an der Rückert nur 30 Schüler an - deren Zahl sich aber noch erhöhte, indem Stadt und Bildungsagentur noch Schüler von anderswo nach dort umlenkten. Zweizügigkeit heißt auch für 2013/14 das Ziel an der Rückert-Schule. "Keine der Plauener Schulen ist auf Vierzügigkeit ausgelegt", sagt Arndt Schubert. Was bedeutet: Die hochbegehrte Friedensschule muss dreizügig bleiben, obwohl sie locker vier fünfte Klassen bilden könnte. Von 105 angemeldeten Schülern müssen also 21 Kinder an andere Schulen umgelenkt werden.

Bei der Auswahl, wer bleiben darf und wer gehen muss, berücksichtige man den Zweitwunsch, ob schon Geschwisterkinder die Schule besuchen sowie verschiedene soziale Gründe, so Schubert. Schüler abweisen zu müssen, tut Friedensschul-Direktor Uwe Zimmermann sehr weh: "Ich würde jeden gerne nehmen können. Aber ich weiß, ich kann es nicht." Die Friedensschule besticht durch ihre tolle Fassade und das erst 2004 sanierte Haus. Unterrichtet werden die 340 Schüler in 23 Klassen nach dem Schulmotto: "Jedem (s)eine Chance". Und im sachsenweiten Vergleich mit anderen Schulen sei man am Schuljahresende mit den Prüfungsergebnissen "sehr zufrieden", wie Uwe Zimmermann betont. va